Schönefeld und Tegel

Der Streik des Bodenpersonals ist mit Ansage eskaliert

Der Tarifkonflikt in Berlin schwelt seit Monaten. Auch wir Flugreisenden haben unseren Anteil, kommentiert Thomas Fülling.

Der Streik des Bodenpersonals geht weiter

Der Streik des Bodenpersonals geht weiter

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Für Flugreisende in Berlin kommt es am Freitag richtig dicke: Nach zwei Warnstreiks wird das Bodenpersonal an den beiden Hauptstadt-Airports nun ganztägig die Arbeit niederlegen. Angesichts der hohen Streikbereitschaft unter den rund 2000 Beschäftigten ist damit zu rechnen, dass so gut wie kein Flugzeug in Tegel und Schönefeld starten oder landen wird. Das ist bitter, vor allem für Zehntausende Berliner, die ihren Flug in den lang ersehnten Urlaub nicht antreten werden können. Und ein Ärgernis für die vielen Fachbesucher der Internationalen Tourismusmesse ITB, deren Heimreise nun deutlich länger und unkomfortabler ausfallen dürfte.

Bodenpersonal legt Flughäfen Tegel und Schönefeld lahm

Die Eskalation in dem seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt kann indes nicht überraschen. Zu weit liegen die Positionen von Gewerkschaften und Arbeitgebern auseinander. Verdi fordert eine Erhöhung der Stundenlöhne für Kofferschlepper, Flugzeugbetanker und Check-in-Mitarbeiter um einen Euro, die privaten Bodendienstleister boten zuletzt 27 Cent. Und es gibt kaum Bewegung in dem festgefahrenen Konflikt.

Dessen eigentliche Ursachen liegen aber woanders. Etwa bei der Berliner Politik, die in der Gestalt des damaligen rot-roten Senats in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends nicht nur kommunale Wohnungsgesellschaften und Versorger privatisierte, sondern auch den Flughafen-Dienstleister Globe Ground. Seither kämpfen immer neue Firmen mit harten Bandagen um Marktanteile an den Airports. Ein regelrechter Wettbewerb ist entstanden, wer seinen Mitarbeitern noch schlechter behandelt als der andere. Doch auch wir Flugreisenden haben unseren Anteil an dem Konflikt. Wer die Fluglinie einzig über den Preis auswählt und sich darüber freut, für nur 19 Euro nach London oder Rom zu fliegen, der nimmt billigend in Kauf, dass für diejenigen, die die Koffer ausladen oder das Flugzeug enteisen, am Ende kaum ein Cent übrig bleibt.

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