Bundestag

Das Gewippe um das Einheitsdenkmal ist unwürdig

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Isabell Jürgens
Simulation des Einheitsdenkmals

Simulation des Einheitsdenkmals

Foto: Handout / dpa

Der Streit um das Denkmal bewirkt nur eines: das Gedenken an die friedliche Revolution zu beschädigen, meint Isabell Jürgens.

Soll man lachen oder weinen? Die Bürgerwippe, oder korrekt gesagt, das Freiheits- und Einheitsdenkmal mit dem Titel „Bürger in Bewegung“, kommt nun doch. Bewegt haben sich dabei in den vergangenen zehn Jahren, seit der Bundestag den Bau eines Denkmals zur Erinnerung an die Deutsche Einheit beschlossen hatte, vor allem die Politiker und nicht die Bürger. Die waren lediglich Zaungäste und durften in den Feuilletons fassungslos verfolgen, wie die Bundestagsabgeordneten die Wippe erst kippten – um dann monatelang peinlich und kleinlich um die Baukosten zu streiten und absurde Gegenvorschläge zu präsentieren.

Mit der am Dienstag vollzogenen Kehrtwende soll nun 27 Jahre nach der Wiedervereinigung die Wippe doch noch kommen – wenn man darauf vertrauen darf, was die Fraktionsspitzen von Union und SPD beschlossen haben. Denn tatsächlich sind die Mittel für den Bau noch gesperrt. Das Geld für den Wiederaufbau der historischen Kolonnaden, das die Haushälter im vergangenen Herbst ungefragt bereitgestellt haben, obwohl es den Bundestagsbeschluss konterkariert, steht dagegen weiter im Etat bereit.

Nun bleibt zu hoffen, dass die Kritiker, denen die Baukosten den willkommenen Anlass geboten hatten, die Wippe ins Wanken zu bringen, nicht weiter opponieren. Denn unabhängig davon, ob diese einem persönlich nun gefällt oder nicht: Sie ist demokratisch legitimiert und in einem aufwendigen Wettbewerbsverfahren als Siegerentwurf gewählt worden. Eine solche Entscheidung muss respektiert werden – auch und gerade von der Politik. Und wer den Entwurf schrecklich findet, kann sich immerhin mit einer Gewissheit trösten: Wenn die Wippe endlich gebaut wird, bleibt uns wenigstens ein neuerlicher, unwürdiger Streit erspart, der vor allem eines bewirkt: das Gedenken an die friedliche Revolution zu beschädigen.

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