Kommentar

Warum Holm in persönlicher Verantwortung steht

Andrej Holm steht vor den Trümmern seiner Existenz, doch dafür trägt er in allererster Linie selbst die Verantwortung, sagt Andreas Abel.

Andrej Holm muss selbst Verantwortung übernehmen

Andrej Holm muss selbst Verantwortung übernehmen

Foto: dpa

Andrej Holm hat innerhalb von gut 24 Stunden zwei Kündigungen kassiert: am Dienstag als Baustaatssekretär, am Mittwoch als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität. Das ist für ihn persönlich bitter, gleichzeitig aber konsequent. Und es war vorauszusehen.

Beide Entscheidungen haben viel gemein, auch wenn die eine politischer und die andere arbeitsrechtlicher Natur ist. Sowohl der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) als auch die Präsidentin der Humboldt-Universität, Sabine Kunst, hat betont, dass nicht die Tätigkeit des 18-Jährigen für die DDR-Staatssicherheit der Grund für die Entlassung ist. Entscheidend waren seine falschen Angaben zu seiner Biografie gegenüber der HU – und sein heutiges Verhalten. Müller warf seinem Staatssekretär eine mangelhafte Selbstprüfung und zweifelhafte öffentliche Äußerungen vor. Kunst führte ins Feld, dass Holm noch in den vergangenen Wochen auf Teilen seiner falschen Angaben beharrt, sich nicht davon distanziert und kein Bedauern geäußert hat.

Andrej Holm steht vor den Trümmern seiner bürgerlichen Existenz, doch dafür trägt er in allererster Linie selbst die Verantwortung. Aber auch die Linke muss sich fragen, welchen Bärendienst sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihm geleistet hat, als sie ihn vom Wissenschaftler zum politischen Beamten machen wollte. Man hätte sich seine Akte genauer ansehen sollen, räumten Linke-Spitzenpolitiker am Wochenende ein. Vor allem aber hätten sie intensiver mit ihm über seine Vita und seine Glaubwürdigkeit sprechen müssen.

Der Humboldt-Universität stehen schwierige Wochen bevor. Es ist nicht sicher, dass die Personalentscheidung in einem Prozess vor dem Arbeitsgericht Bestand haben wird. Viele Studenten protestieren, wollen Holm behalten. Es ist ehrenhaft für Sabine Kunst, dass sie eine unpopuläre Position vertritt.