Kommentar

Warum der Terror-Lkw nichts im Museum zu suchen hat

Der Lastwagen des Anschlags in Berlin könnte im Haus der Geschichte ausgestellt werden. Das wäre fatal, meint Martin Niewendick.

Eine Trophäe der Terroristen

Eine Trophäe der Terroristen

Foto: Britta Pedersen / dpa

Der Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin dürfte schon jetzt einen Platz in den Geschichtsbüchern der Bundesrepublik bekommen. Es war wohl das erste islamistisch motivierte Attentat mit deutschen Todesopfern auf deutschem Boden. Nun gibt es Überlegungen, Teile des Lkw, mit denen der mutmaßliche IS-Terrorist Anis Amri elf Menschen in den Tod riss, im Haus der Geschichte in Bonn auszustellen. Das wäre ein fatales Signal.

Terrorismus beruht auf dem Konzept der "Propaganda der Tat". Zum einen soll Angst und Schrecken unter den "Feinden" verbreitet werden. Zum anderen sollen durch den Vorbildcharakter neue Mitstreiter gewonnen werden – eine zentrale Strategie des IS, der ja gerade davon lebt, überall auf der Welt Sympathisanten aktivieren zu können, die in ihren Heimatländern zuschlagen. Die Selbstmordattentäter von Brüssel waren gebürtige Belgier, bei den Anschlägen von Paris waren französische Staatsbürger beteiligt. Auch in der deutschen Salafistenszene wimmelt es von IS-Sympathisanten.

Lastwagen des Terroranschlags könnte ins Museum kommen

Das Haus der Geschichte ist gewissermaßen die Vitrine des deutschen kollektiven Gedächtnisses. Mit der Aussicht, dort einen Platz zu bekommen, haben wohl nicht mal die optimistischsten Terror-Strategen kalkuliert. Wenn nun das Mordwerkzeug des "Islamischen Staates" quasi als Trophäe dort ausgestellt würde, entspräche man genau dieser Logik.

Zumal der IS mitnichten "Geschichte" ist. Die Miliz befindet sich mitten im Krieg. Das ist auch der wesentliche Unterschied zu der Ausstellung über die linksextreme Rote Armee Fraktion. Der letzte Anschlag der Gruppe fand 1993 statt, ein Jahr vor der Eröffnung des Bonner Museums.

Durchsuchungen bei Kontaktmännern von Anis Amri

Der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, Hans Walter Hütter, verweist auf die Tür eines Bundeswehr-Fahrzeuges, das in Afghanistan beschossen wurde. Dies werde auch im Haus der Geschichte gezeigt.

Doch zum einen hat der Einsatz im fernen Afghanistan die Menschen weniger aufgewühlt als der Anschlag im Herzen Berlins. Zu weit weg war der Vorfall, zu gering das Medienecho. Zum anderen war der Beschuss die Folge einer direkten militärischen Konfrontation zweier Kombattanten. Hier ging es darum, sich einen konkreten strategischen Vorteil in einer Gefechtssituation zu verschaffen. Mit der "Propaganda der Tat" hatte dies nichts zu tun.

Es spricht nichts dagegen, den Lkw, oder Teile davon, für die Nachwelt auszustellen, wenn der "Islamische Staat" einmal besiegt sein wird. Wenn er Geschichte ist. Dann könnte er sogar zu einem Symbol für eine wehrhafte Demokratie werden, die sich von der Logik der Terroristen nicht in die Knie zwingen lässt.

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