Kommentar

Kreuzberger Experimente am Görlitzer Park

Parkläufer kümmern sich künftig um die Grünanlage wie um einen Problemkiez. Der Weg der Kooperation sei richtig, sagt Joachim Fahrun.

Parkmanager und Parkläufer sollen sich künftig um den in Verruf geratenen Görlitzer Park kümmern

Parkmanager und Parkläufer sollen sich künftig um den in Verruf geratenen Görlitzer Park kümmern

Foto: Christian Kielmann

Bürger mitentscheiden zu lassen und ihre Wünsche zumindest zum Teil zu berücksichtigen, hat im grün-alternativen Kreuzberg eine besondere Tradition. In den wilden 80er-Jahren gab es auch kaum eine andere Möglichkeit, um die rebellische Bevölkerung bei der Stange zu halten.

Ein Ausdruck solcher für Außenstehende oft unverständlichen Prozesse ist genau der Görlitzer Park. Jahrelang wurde seinerzeit über die Gestaltung der Grünanlage auf dem alten Bahnhof mitten im engen Häusermeer von SO 36 debattiert.

Der neue Herr im wilden „Görli“

Inzwischen hat sich der Park vom Erholungsort der Nachbarn zu einer Partyzone für die Jugend der Welt gewandelt. Mit allen negativen Begleiterscheinungen, von denen der ausufernde Drogenhandel afrikanischer Kleindealer nur die extremste ist.

Der Tradition des Ortes folgend ist es richtig, wenn der Bezirk auf die Expertise der Anlieger zurückgreift. Unter denen ist es weitgehend Konsens, dass martialische Razzien gegen die Verkäufer des im Kiez weithin tolerierten Cannabis nichts bringen.

So soll der Görlitzer Park soll auf Vordermann gebracht werden
So soll der Görlitzer Park auf Vordermann gebracht werden

Deswegen ist das der richtige Weg

Die Dealer sind da, und es ist kein Weg in Sicht, sie nachhaltig zu vertreiben, solange der Berlin-Tourismus beständig Tausende potenzieller Kunden in die Feierzone zu beiden Seiten der Oberbaumbrücke spült.

Deswegen ist das nun in Angriff genommene Konzept richtig: Parkmanager und Parkläufer kümmern sich künftig um die Grünanlage wie um einen Problemkiez. Man akzeptiert bis zu einem gewissen Maß die Präsenz der Dealer.

Man gestaltet den Park neu, hält die Flächen sauber. Es geht darum, ein vielleicht nicht optimales, aber für alle akzeptables Miteinander zu ermöglichen, um die Anlage auch für die Anwohner wieder attraktiv zu machen, die sie verängstigt meiden.

Der Senat sollte sich an den Kosten für die Aktion beteiligen. Schließlich profitiert die ganze Stadt vom Touristenboom. Da ist es nur fair, die Menschen am Hotspot der Party­szene nicht mit den negativen Begleiterscheinungen alleine zu lassen.