Kommentar

Erst Ruhestand für Augenstein - jetzt fragwürdige Entlassung

Die vielen Fragezeichen im Zusammenhang mit der Personalie Augenstein bleiben - nach der Entlassung erst recht, sagt Andreas Abel.

Die ehemalige Senatssprecherin Daniela Augenstein hat vor wenigen Wochen ungewollt für große öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Mit nur 37 Jahren in den einstweiligen Ruhestand versetzt, hieß es, nachdem der Regierende Bürgermeister Michael Müller die Trennung von seiner langjährigen engen Mitarbeiterin verkündet hatte. Nun die überraschende Kehrtwende. Augenstein kann aus rechtlichen Gründen nur schnöde entlassen werden.

Und ein weiteres Mal wundert man sich über die Kommunikation, die in Müllers Senatskanzlei waltet. Mit welcher Begründung wird eine Senatssprecherin im Rang einer Staatssekretärin entlassen, die doch offenkundig einen guten Job gemacht und ihrem Chef so oft den Rücken frei gehalten hat? Wir erfahren es nicht. Ein Blick zurück lohnt sich aber. Als Daniela Augenstein im August plötzlich abtauchte, hieß es, sie sei lediglich im Urlaub – kurz vor der wichtigen Abgeordnetenhauswahl.

Ex-Senatssprecherin Daniela Augenstein wurde entlassen

Journalisten, die sich darüber wunderten und von einem Zerwürfnis zwischen Müller und seiner Vertrauten sprachen, wurde barsch mitgeteilt, dies seien „absurde Spekulationen“. Als der Regierungschef zwei Tage nach der Wahl verkündete, Augenstein sei von ihren Aufgaben entbunden worden, dementierte er erneut einen Streit. Man sei „übereingekommen“, getrennte Wege zu gehen, teilte er in der Senatspressekonferenz mit. Die Staatssekretärin habe auch sehen wollen, was sich für sie an anderen Perspektiven eröffne.

Das scheint eine eigenwillige Interpretation der Geschehnisse zu sein. Die vielen Fragezeichen im Zusammenhang mit der Personalie bleiben, nach der Entlassung erst recht. Hätte die Prüfung, ob Augensteins Dienstzeiten für eine Versetzung in den Ruhestand reichen, nicht vor dessen Verkündung erfolgen können? Erneut bleibt der Eindruck, die Senatskanzlei agiert ungeschickt. Seite 12 Bericht