Berliner Polizei

Kauf gebrauchter Waffen ist kein schlechtes Geschäft

Berliner Polizei übernimmt veraltete Dienstwaffen aus Schleswig-Holstein. Der Deal ist gar nicht so schlecht, meint Ulrich Kraetzer.

Polizistin mit Dienstwaffe

Polizistin mit Dienstwaffe

Foto: Arne Dedert / dpa

Die Nachricht lädt geradezu dazu ein, sich darüber lustig zu machen: Um Engpässe bei der Ausstattung ihrer Beamten zu verhindern, brauchte die Berliner Polizei ein paar Pistolen. Doch statt sich nach einem neuen Modell umzusehen, schlägt die Behörde auf dem Gebrauchtmarkt zu – und übernimmt eintausend Pistolen aus Schleswig-Holstein. Warum die Kollegen aus dem hohen Norden die Schießeisen loswerden wollen? Stimmt genau: Weil sie das in den 70er-Jahren entwickelte Modell für veraltet halten und ihren Beamten zeitgemäßere Geräte gönnen wollen. In der Hauptstadt scheint dagegen zu gelten: Schießt noch, war billig, der Rest ist egal.

Auf den zweiten Blick ist das Geschäft, das zunächst so absurd erscheint, so schlecht aber nicht. Denn das Modell P6 ist die Standardwaffe der Hauptstadtbeamten. Eine gesonderte Einarbeitung ist also nicht nötig. Und wenn ein paar Waffen fehlen und die Kollegen ein paar (hoffentlich!) gut gepflegte Exemplare für einen läppischen Euro pro Stück abzugeben haben – dann sollte man zuschlagen.

Nein, wenn das erste zynische Lachen über die Berliner, die anderen ihren Ramsch abkaufen, verklungen ist (Ironie aus), ist die Entscheidung der Berliner Polizei als solche nicht zu kritisieren. Eines zeigt sie aber in aller Klarheit – und das ist in der Tat kritikwürdig: Die Ausstattung der Polizei ist, jedenfalls in Teilen, in einem erbarmungswürdigen Zustand. Denn die P6 ist eines der ältesten Modelle, das bei deutschen Polizeibehörden noch im Einsatz ist, und kann den Ansprüchen kaum noch genügen. Das weiß auch die Berliner Polizei. Die Behörde selbst sagt, dass sie deswegen bald neue (und dann wirklich neue!) Waffen anschaffen will. Wann? Das weiß man noch nicht so genau. Das ist typisch Berlin. Irgendwie sind die Behörden hier immer später dran. Und wenn das nicht so traurig wäre – dann wäre es fast schon wieder zum Lachen.