Schulen in Berlin

Zahl der Quereinsteiger muss begrenzt bleiben

Weil Fachkräfte fehlen, wurden auch wieder Quereinsteiger an die Berliner Schulen geholt. Eine ungesunde Entwicklung, findet Regina Köhler.

Die Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sandra Scheeres (SPD), beim Besuch eines Vorbereitungskurses für volljährige Flüchtlinge am Berlin-Kolleg in Berlin-Wedding

Die Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sandra Scheeres (SPD), beim Besuch eines Vorbereitungskurses für volljährige Flüchtlinge am Berlin-Kolleg in Berlin-Wedding

Foto: Gregor Fischer / dpa

Wie es aussieht, hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ihre Hausaufgaben gemacht und genügend Lehrer für das neue Schuljahr eingestellt. Das war gewiss ein Kraftakt, zumal auch andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein händeringend Lehrer suchten.

Doch die Sache hat einen Haken. Weil nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen – es fehlen zum Beispiel Physik- und Mathematiklehrer, Informatik- und Grundschulpädagogen – hat die Bildungssenatorin auch wieder Quereinsteiger an die Schulen geholt. Dieses Mal allerdings so viele wie nie zuvor. Von den 1900 neu eingestellten Lehrkräften ist inzwischen jeder Dritte ein Quereinsteiger. Diese Entwicklung ist ungesund. Zwar sind die meisten sehr motiviert. Sie haben bereits an Hochschulen gelehrt oder als Künstler gearbeitet und bringen frischen Wind an die Schulen. Was ihnen aber fehlt, ist eine pädagogische Ausbildung. Und genau das kann schnell zum Problem werden. Lehrer sollen den Schülern heute ja längst nicht mehr nur Wissen vermitteln, sondern vor allem auch soziale Kompetenzen. Sie müssen zudem in der Lage sein, mit sehr heterogenen Schülern umzugehen. Schließlich lernen bereits fast 60 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Regelklassen.

Um diese Herausforderungen zu meistern, ist eine solide Ausbildung unumgänglich. Nicht umsonst müssen inzwischen alle künftigen Lehrer, egal ob sie später an einer Grund- oder Oberschule arbeiten wollen, zehn Semester lang studieren. Quereinsteiger aber lässt man gleich ins kalte Wasser springen. Sie müssen vom ersten Tag an unterrichten. Ihre pädagogische Ausbildung erfolgt nebenher und oft auch noch das Studium eines zweiten Faches.

Das kann gut gehen. Oft geht es aber zulasten der Schüler, des Kollegiums und der Betreffenden selbst. Viel Unterstützung ist nötig, aber nur möglich, wenn sich die Zahl der Quereinsteiger nicht weiter ständig erhöht.