Stadttourismus

Warum ein Verbot von Ferienwohnungen in Berlin unsinnig ist

Es geht zu weit, ein ganzes Segment des Stadttourismus zu verbieten, auch wenn es Auswüchse gibt, meint Joachim Fahrun.

Feriwenwohnungen sollen aus Berlin verbannt werden

Feriwenwohnungen sollen aus Berlin verbannt werden

Foto: Britta Pedersen / dpa

Ich gestehe. Wir haben wieder eine Ferienwohnung gebucht. Ein paar Tage in den Sommerferien, in einer attraktiven südeuropäischen Metropole, in einem urigen Altstadtviertel. Ob das Apartment ausschließlich für Touristen freigehalten wird, seine eigentlichen Bewohner im Strandurlaub oder nur einige Tage zur Oma gezogen sind, um mit unserer Miete ihr Haushaltsbudget aufzubessern, weiß ich nicht. Aber das, was die Wohnungsbesitzer dort tun, wäre in Berlin wohl illegal.

Ferienwohnungen sind böse und sollen aus der Stadt verbannt werden. So hat es die rot-schwarze Koalition unter dem Beifall der meisten Oppositionspolitiker 2013 entschieden. Touristen sollen nicht in Wohnvierteln unterkommen, sie sollen ins Hotel.

Ich wäre ganz froh, wenn meine Kurzzeit-Nachbarn an meinem Urlaubsort nicht so dächten, sondern meine Anwesenheit dort irgendwie trotzdem in Ordnung fänden. Ich mag Ferienwohnungen, nicht nur, weil es günstiger ist und für Familien praktischer als ein Hotel. Ich wohne gerne dort, wo normale Menschen leben. Ich kaufe gerne im Laden an der Ecke meine Lebensmittel, trinke in der Bar meinen Kaffee und entziffere die Lokalzeitung.

>>>Trotz Verbot: Hunderte Ferienwohnungen im Angebot<<<

Ist es wirklich vernünftig, diese Art des Stadturlaubs in Berlin komplett zu verbieten? Die bisherige Arbeit der Bezirksämter, die das Zweckentfremdungsverbot umzusetzen haben, lässt das befürchten. Es werden so gut wie keine Ferienwohnungen mehr genehmigt. Auch wer seit Jahren an Besucher vermietet, wer womöglich in vergangenen Krisenzeiten vergammelten, leer stehenden Wohnraum auf diese Art wiederbelebt hat, muss damit aufhören. Zwei Jahre Übergangsfrist sind abgelaufen. Das Verwaltungsgericht hat in erster Instanz die Klagen von Vermietern abgeschmettert.

Aber gerade in der Sommerzeit, wenn viele Berliner selber ihren Urlaub ganz selbstverständlich in privaten Ferienwohnungen verbringen, wird klar, dass die Stadt mit ihrem rigorosen Kurs zu weit geht. Ein ganzes, von vielen geschätztes Segment des Fremdenverkehrs zu verbieten, macht keinen Sinn. Zumal es sehr oft gerade kulturinteressierte, friedliche Menschen sind, die solche Unterkünfte schätzen, und die Einnahmen aus dem Touristenboom so nicht nur in den Kassen der Hotelkonzerne landen.

6300 Ferienwohnungen wurden den Bezirksämtern gemeldet, seit die Vermieter dazu verpflichtet wurden. Das ist nicht wenig. Aber angesichts von 1,9 Millionen Wohnungen in Berlin waren dann doch nur 0,3 Prozent auf diese Weise zweckentfremdet. Aus anderen Gründen werden deutlich mehr Wohnungen dem normalen Mieter vorenthalten.

>>>Ferienwohnungen: Was ist erlaubt, was ist illegal?>>>

Natürlich macht es Sinn, gegen Auswüchse vorzugehen. Dass, wie an der Wilhelmstraße in Mitte geschehen, ganze Wohnblocks als Hotel umgenutzt werden, darf nicht sein. Und dass Mieter ihre günstige Bleibe teuer an Gäste weitergeben, sollte ebenfalls unterbleiben. Es versteht sich zudem von selbst, dass gewerbliche Vermieter ihre Einkünfte versteuern und die Besucher auch die City Tax bezahlen.

Was nun geschehen wird, ist bereits auf den einschlägigen Internetportalen zu sehen. Ein grauer Markt entsteht. Menschen lügen. Sie behaupten, selber in der angebotenen Wohnung zu leben. Oder die Vermittlung verlagert sich in dunkle Kanäle, wo Kunden und Anbieter schlechter geschützt sind. Die Bezirke betreiben einen enormen Aufwand, um jeden Einzelfall zu verfolgen. Diese Energie wäre sinnvoller in den Bau neuer Wohnungen und die Sicherung von sozialen Belegungsrechten für Bedürftige im Bestand investiert.