Politik

Radfahrer in Berlin: Die Stadt hat einen Platten

Berlin ist bunt und vielfältig, auch beim Verkehr. Radfahren passt zur Stadt. Die Politik dazu leider nicht, kommentiert Lorenz Vossen.

Erst jetzt sollen, wie von der SPD angekündigt, mehr Geld investiert und Radwege schneller gebaut werden

Erst jetzt sollen, wie von der SPD angekündigt, mehr Geld investiert und Radwege schneller gebaut werden

Foto: dpa Picture-Alliance / Florian Schuh / picture alliance / dpa Themendie

Wenn es immer heißt, Berlin sei bunt und vielfältig, dann gilt das auch für den Verkehr. Die Möglichkeiten, von A nach B zu kommen, sind so facettenreich wie die Stadt selbst. Einem zwar nicht immer krisensicheren, in der Summe aber gut funktionieren öffentlichen Nahverkehr sei Dank. Auch Dank eines Straßennetzes, das nach dem Zweiten Weltkrieg großzügig ausgebaut wurde. Und, seien wir mal ehrlich, zu Fuß lässt es sich auch ganz gut durch diese Stadt bewegen.

Es heißt aber auch immer, dass Berlin so schnell wächst, und zu all den Bus- und Bahnfahrern, den Autolenkern und Fußgängern hat sich deshalb eine neue Spezies gesellt: der Fahrradfahrer. Dieser und sein Zweirad sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Inzwischen fahren auch Männer in Anzügen und Frauen in Business-Kostümen Rad. Weil es Spaß macht, gesund ist und umweltfreundlich, die U-Bahn voll, ein Auto zu teuer und weil es in der wachsenden Stadt oft das schnellste Verkehrsmittel ist.

Es ist ein Trend, der einhergegangen ist mit Berlins Weg zur modernen Weltstadt. Er steht ihr gut. Und er findet nicht erst seit gestern statt – wie konnte man ihn also übersehen? Doch während die Zahl der Fahrradfahrer anstieg, plante der Senat eine neue Autobahn. Es musste schon eine Initiative namens „Volksentscheid Fahrrad“ kommen, mehr als 100.000 Unterschriften sammeln und den politisch Verantwortlichen Dampf machen. Erst jetzt sollen, wie von der SPD angekündigt, mehr Geld investiert und Radwege schneller gebaut werden. Auf einmal soll das möglich sein, was vor Kurzem noch als nicht machbar, wegen der Verwaltungsstruktur als so langwierig bejammert wurde. Das wirkt hilflos. Es ist eine Politik, die Berlin gar nicht gut steht. Sie ist wie ein platter Reifen, der am Radfahren hindert. Und bis zur Wahl lässt sich dieser Reifen trotz aller Versprechen auch nicht mehr aufpumpen.

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