Immer Hertha - EM-Edition

Michael Preetz: Jetzt geht das Turnier erst richtig los

Michael Preetz glaubt, dass es schwer für die deutsche Mannschaft wird, bei der Europameisterschaft in Frankreich ins Finale zu kommen.

Michael Preetz im Berliner Olympiastadion

Michael Preetz im Berliner Olympiastadion

Foto: dpa Picture-Alliance / nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

So richtig geht die Europameisterschaft erst jetzt los. Bisher hat das Turnier dem aufgeblähten Modus Tribut gezollt. Sieht man vom letzten Tag der Vorrunde ab, war die EM bisher nur selten ein Spektakel. Es gab wenige spielstarke Partien. Und die vielen Begegnungen mit wenigen Toren sind für die Zuschauer ermüdend.

Ich bin zuversichtlich, dass sich das ändern wird. Mit den K.o.-Runden wird sich die Qualität der Mannschaften und damit das Niveau der Spiele verdichten. Es wird weniger taktiert werden. Ich gehe davon aus, dass wir ab dem Achtelfinale mehr solcher Spiele sehen wie das von Kroatien gegen Spanien, in dem die Kroaten bis zur letzten Minute mutig geblieben sind, an ihre Chance auf einen Sieg glaubten und entsprechend 2:1 gewonnen haben.

Kurios sind die beiden Turnier-Bäume. Mit Deutschland, Italien, Spanien, England und Frankreich sind auf der einen Seite fünf Favoriten unterwegs, die sich gegenseitig aus dem Weg räumen müssen, um überhaupt das EM-Finale zu erreichen. Klar, Deutschland als Weltmeister gehört zu den Teams, die das Turnier gewinnen können, aber das ist ein schwieriges Unterfangen.

Ich finde, dass Bundestrainer Joachim Löw die richtigen Antworten auf die Probleme der ersten Gruppenspiele gefunden hat. Gegen Nordirland hat die Nationalelf ein tolles Spiel abgeliefert, leider nur vergessen, die Chancen in mehr Tore umzumünzen.

Es ist eine Entwicklung zu sehen

Es ist eine Entwicklung zu sehen. Die Offensivleistungen gegen die Ukraine und Polen waren nicht doll. Mir gefällt die Entscheidung für Mario Gomez. Er ist in der Türkei Meister und Torschützenkönig geworden, ist selbstbewusst und gut drauf. Mit seiner Art zu spielen, bindet Mario zwei Gegenspieler. Das kommt den beweglichen Fußballern bei uns wie Mesut Özil oder Mario Götze oder Thomas Müller zugute.

Um Müller mache ich mir übrigens keine Sorgen. Gegen Nordirland hat er sich diverse Möglichkeiten erarbeitet. Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Im Achtelfinale gegen die Slowakei am Sonntag wird Müller seine EM-Torflaute beenden. Joshua Kimmich auf der rechten Seite war extrem belebend für das deutsche Spiel. Er hat exzellent Räume geschaffen. In der Defensive war er gegen Nordirland kaum gefordert. Aber er hat in der vergangenen Saison bei den Bayern bewiesen, dass er das schon auf hohem Niveau spielen kann.

Von den großen Fußball-Nationen hat mich niemand schwer beeindruckt. Aber das ist in dieser Phase des Turniers auch nicht gefordert. Deutschland hat seine Gruppe ebenso souverän gewonnen wie Frankreich und Italien. Auch Spanien ist mit zwei überzeugenden Siegen gestartet.

Großes Kompliment für zwei Außenseiter: In der Gruppe F waren Portugal und Österreich vorn erwartet worden. Am Ende hat Ungarn die Gruppe gewonnen vor Island. Tolle Arbeit von Ungarns Nationaltrainer Bernd Storck und seiner Mannschaft. Im Achtelfinale jedoch gegen Belgien wird es schwer. Trotz der bisher nur bedingt überzeugenden Leistungen halte ich Belgien mit seinen starken Einzel­spielern wie Kevin de Bruyne, Eden Hazard oder Romelu Lukaku für einen Topkandidaten für das Erreichen des EM-Finales. Mehr Chancen hat Island gegen England, da erwarte ich eine intensive Partie. Eine gute Rolle spielt Wales. Das Team trifft in der Runde der letzten 16 auf Nordirland, Gareth Bale wird mit seinen Kollegen das Viertelfinale erreichen.

Das mit Abstand spannendste Achtelfinale ist Italien gegen Spanien. 2012 war das die Endspiel-Paarung. Erstaunlich, dass diese Hochkaräter bereits in der ersten K.o.-Runde auf­­einandertreffen. Und der Sieger muss sich dann, davon gehe ich aus, mit Deutschland auseinandersetzen.