Woche im Roten Rathaus

Aus der Lachnummer BER ist längst ein Drama geworden

Der Flughafen BER wird wohl erst im Jahr 2018 eröffnen. Das ist längst nicht mehr lustig. Eine Kolumne von Christine Richter.

Baustelle BER: Noch ist nicht sicher, wann hier Flugzeuge starten und landen können

Baustelle BER: Noch ist nicht sicher, wann hier Flugzeuge starten und landen können

Foto: Patrick Pleul / dpa

Ich erinnere mich noch gut daran: Damals, im Frühjahr 2012, haben wir in der Berliner Morgenpost schon die Serie zur Eröffnung des Flughafens BER geplant, große Grafiken in Auftrag gegeben, Reportagen geplant, alles für die Nacht des Umzugs von Tegel nach Schönefeld am 3. Juni vorbereitet – und ein Interview mit dem damaligen Flughafenchef Rainer Schwarz geführt, der auf die Frage, ob er schlaflose Nächte wegen des Umzugs habe, sagte: „Nein.“ Das Interview erschien an einem Sonntag, am Dienstag darauf, am 8. Mai 2012, sagten Schwarz, der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratschef, Klaus Wowereit, und der Ministerpräsident in Brandenburg, Matthias Platzeck, die Eröffnung des Flughafens ab.

Und wir Journalisten fragten uns, wie uns all das entgehen konnte, was da schiefgelaufen war beim BER. Wieso uns nicht aufgefallen war, dass permanent umgeplant wurde, dass Probeläufe auf der BER-Baustelle stattfanden, obwohl das so kurz vor der Eröffnung gar keine Baustelle mehr hätte sein dürfen, dass offensichtlich intern schon länger gewarnt worden war, dass der Eröffnungstermin nicht zu halten war. Nun, im Nachhinein ist man immer klüger. Wir hätten andere, die richtigen Fragen stellen müssen.

Ich erinnere mich gut daran, dass der Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa unmittelbar nach der Absage der BER-Eröffnung warnte, jetzt werde man viele Jahre brauchen, um die Fehler zu beheben und die Brandschutzanlage in Betrieb nehmen zu können. Faulenbach da Costa lachte nur, als die nächsten Eröffnungstermine genannt wurden. Zu Recht, denn alle weiteren Termine wurden dann auch gecancelt.

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Seit der Absage der BER-Eröffnung sind nun vier Jahre vergangen. Kürzlich tagte der BER-Aufsichtsrat wieder einmal und verkündete wieder Hiobsbotschaften den Zeitplan betreffend. Denn nun stellen das Eisenbahn-Bundesamt und die Deutsche Bahn neue Forderungen an den Brandschutz zwischen unterirdischem Bahnhof und Terminal. Es müsse, so heißt es, verhindert werden, dass bei einem Brand im Terminal bei laufendem Zugverkehr und der damit verbundenen Sogwirkung giftige Gase in den Bahnhof gelangen. Das technisch zu lösen, ist nicht einfach, außerdem sind dafür aufwendige Computersimulationen notwendig. Und der Zeitpuffer, den die Flughafengesellschaft eingeplant hatte, ist schon aufgebraucht.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister und Aufsichtsratschef, hat damit ein Problem. Will er den Druck auf alle Beteiligten am BER, vor allem auf die Baufirmen, aufrechterhalten, dann müsste er eigentlich auf dem Eröffnungstermin „Herbst 2017“ bestehen. Denn erst im Oktober müssen die Fluggesellschaften wie Air Berlin oder Lufthansa verbindlich wissen, ob sie ein Jahr später ab BER oder ab Tegel starten werden. Doch der Oktober ist genau das Problem: Denn kurz zuvor, am 18. September, wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Und da Michael Müller wieder zum Regierenden Bürgermeister gewählt werden will, würde ihm jeder, aber auch jeder Berliner vorwerfen, aus Angst vor der Wahl geschwiegen und die erneute Verschiebung des BER-Eröffnungstermins auf 2018 verheimlicht zu haben. Also muss Müller eigentlich jetzt erklären, dass das wohl nichts wird mit dem Jahr 2017.

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Flughafenexperte Faulenbach da Costa sagte in diesen Tagen, durch die vielen Umbauten seit 2012 habe die Entrauchungsanlage „keine durchgängige Systemarchitektur“ mehr, man sei der Inbetriebnahme keinen Schritt näher gekommen. Und dann wurde auch noch der Vorschlag gemacht, man könne doch den BER eröffnen, ohne den unterirdischen Bahnhof in Betrieb zu nehmen, um so das aktuelle Problem zu umgehen. Man möchte lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Denn auch wenn in ganz Deutschland über den BER und die Berliner Politiker gelästert und gelacht wird – aus der Lachnummer ist längst ein Drama geworden.

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