Evangelische Kirche

Trauung für Homosexuelle: Endlich Gleichstellung!

Gemeinsam vor den Traualtar treten - das können schwule und lesbische Paare nun in der evangelischen Landeskirche wie alle anderen.

In Berlin als Hauptstadt der Alleinerziehenden und Patchwork-Familien ist die lebenslange Partnerschaft zwischen Mann und Frau nur noch ein Modell unter vielen möglichen Lebensformen

In Berlin als Hauptstadt der Alleinerziehenden und Patchwork-Familien ist die lebenslange Partnerschaft zwischen Mann und Frau nur noch ein Modell unter vielen möglichen Lebensformen

Foto: Jens Kalaene / dpa

Am Ende war es das erhoffte eindeutige Ergebnis. Mit großer Mehrheit beschloss die Evangelische Kirche Berlin Brandenburg oberschlesische Lausitz die Öffnung der kirchlichen Trauung auch für gleichgeschlechtliche Paare.

Diesem Beschluss waren langwierige und bisweilen aufgeregte Diskussionen vorausgegangen. Endlich gibt es eine Gleichstellung. Dass sich die evangelische Kirche nun zu einer Öffnung entschlossen hat, war dennoch abzusehen. Die Synode hatte bereits vor einem Jahr eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen.

In Berlin als Hauptstadt der Alleinerziehenden und Patchwork-Familien ist die lebenslange Partnerschaft zwischen Mann und Frau nur noch ein Modell unter vielen möglichen Lebensformen. Die Säkularisierung der Gesellschaft hat zur Vielfalt beigetragen. In zwei anderen Landeskirchen ist der Trauungsgottesdienst zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern bereits schon länger möglich.

Für Luther war die Ehe nicht automatisch heilig

Dass die evangelische Kirche weit weniger Probleme mit der Reform bestehender Überzeugungen hat als die römisch-katholische, liegt in ihrem Ursprung begründet. Während die Katholiken die Ehe als Sakrament einstufen, hat der Reformator Martin Luther sie ein „weltlich Ding“ genannt. Für Luther war die Ehe nicht automatisch heilig.

Die Reform der liturgischen Praxis passt sich nun also geänderten Lebensverhältnissen und -realitäten an. Lange schon sind Eheschließungen, zum Beispiel zwischen Protestanten und einem andersgläubigen oder konfessionslosen Partner in der evangelischen Kirche möglich. Auch Scheidung und erneute Heirat sind weniger streng reglementiert als in der katholischen Kirche.

Zuletzt hatte Papst Franziskus in dieser Woche noch die Bedeutung der Ehe aus Mann und Frau herausgestrichen und erneut ausgeschlossen, andere Lebensformen als gleichberechtigt anzuerkennen. Seit Jahren ringt die katholische mit sich und damit, alte Verbote und Überzeugungen in dieser Frage aufzuweichen. Zu mehr als ein paar versöhnlichen Worten ließ sich der Papst auch in seinem jüngsten Brief „Die Freude der Liebe“ nicht hinreißen.

Öffnung nicht unumstritten

Aber auch in der Evangelischen Kirche ist die nun in drei Landeskirchen beschlossene Öffnung nicht unumstritten. So gibt es in Württemberg weiterhin keinerlei Bestrebungen, es den drei anderen Landeskirchen gleich zu tun. Kritiker bemängeln, dass sich die protestantische Kirche dem Zeitgeist an den Hals wirft und so das eigene Profil schwächt. Zudem ist die Komplementaritätsthese noch immer weit verbreitet, wonach Männer und Frauen grundsätzlich verschieden wären und nur eine Partnerschaft zwischen ihnen eine vollkommene Familie ermöglicht.

So selbstverständlich die Gleichstellung für die Einen ist, so schwer fällt es Anderen sie zu akzeptieren. Auch in der Politik gibt es weiter Vorbehalte gegen die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Im vergangenen Jahr stritt die Berliner Koalition zwischen SPD und CDU erbittert über die Zustimmung eines entsprechenden Antrags im Bundesrat. Doch eine Mitgliederbefragung innerhalb der CDU ergab eine große Abneigung gegen eine Öffnung.

Der Bundesrat beschloss auch ohne die Zustimmung Berlins mit seiner rot-rot-grünen Mehrheit eine Resolution für die Gleichstellung, ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde allerdings wieder in die Ausschüsse zurückverwiesen. In dieser Legislatur wird es wohl nichts mehr mit einem Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Ehe.

Der Trend ist dennoch klar: Mit der endgültigen Abschaffung des Verbots homosexueller Partnerschaften 1994 ist der Weg für eine umfassende Gleichstellung aller Partnerschaften unabhängig der sexuellen Ausrichtung in Deutschland frei. Es gibt verfassungsrechtlich keine Gründe mehr, gleichgeschlechtliche Partner anders zu behandeln als die klassische Ehe zwischen Mann und Frau. Bis das überall in der Gesellschaft angekommen ist, wird es allerdings noch Jahre dauern.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.