Kommentar

Verzicht auf Kita-Gebühren ist ein Beispiel für andere

Berlin will die Kita-Gebühren komplett abschaffen. Das ist ein folgerichtiger Schritt, kommentiert Joachim Fahrun.

Kinder sollten in die Kita gehen, und zwar gerne auch schon früh, mit einem oder zwei Jahren. Natürlich mag es Eltern geben, die für ihr Kind ähnlich gute Förderung, Spielatmosphäre und Interaktion mit anderen Kindern schaffen, wie es Berliner Kindergärten normalerweise schaffen.

Aber in der Regel wissen die Eltern viel weniger über die Bedürfnisse von Kindern als Profi-Erzieherinnen, zumal wenn es sich bei den Sprösslingen um die ersten oder einzigen handelt. Außerdem müssen und wollen die meisten Mütter und Väter anders als früher nicht mehr jahrelang aussetzen mit dem Job, bis die Kleinen „aus dem Gröbsten raus sind“.

Wer möchte, dass junge Menschen Kinder kriegen und so die Zukunft der Gesellschaft sichern, muss ihnen diese Entscheidung möglichst leicht machen. Und alle Studien zeigen, dass langer Kita-Besuch zu besseren Sprachkenntnissen und sonstigen Fertigkeiten führt, wenn die Kinder in die Schule kommen.

Ein folgerichtiger Schritt

Wenn der Senat jetzt die Qualität für die Krippen durch mehr Erzieherinnen für die Kleinsten verbessert, dann ist das nur ein folgerichtiger Schritt. Und auch der Verzicht auf Gebühren gehört dazu. Es ist nicht logisch, weiterhin für Zweijährige in der Bildungseinrichtung Kita zur Kasse gebeten zu werden, für Vierjährige aber schon seit einigen Jahren nicht mehr. Wenn es in der Kita nicht nur um Aufbewahrung geht, sondern ums Lernen, erschließt sich nicht, warum Eltern dafür zahlen sollten, für die Schule jedoch nicht.

Dass auch Besserverdiener stark entlastet werden, ist ein Nebeneffekt. Aber auch die Masse der Gering- und Normalverdiener müssen bisher für die Krippe zahlen. Neue Einkommensgrenzen würden nur neue Ungerechtigkeiten schaffen.

Der Berliner Kurs ist klar: Kitas sind Bildung, Bildung soll nichts kosten. Dass man in Berlin Kinder aufziehen kann, ohne wie andernorts Hunderte von Euro für die Betreuung zu lassen, ist inzwischen ein Standortfaktor, wenn qualifizierte Fachkräfte über die Wahl ihres Arbeitsplatzes nachdenken. Über kurz oder lang werden anderen Bundesländer und Kommunen dem Beispiel der Hauptstadt folgen.