Kommentar

Verkalkuliert: Die Bombardier-Mitarbeiter zahlen die Zeche

Für das Missmanagement in der Flugzeugsparte müssen jetzt die Mitarbeiter in der Zugsparte zahlen. Entlassungen sind angekündigt.

In  Hennigsdorf müssen die Bombardier-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze zittern

In Hennigsdorf müssen die Bombardier-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze zittern

Foto: Bernd Settnik / dpa

Um zu verstehen, was beim Zughersteller Bombardier Transportation gerade abläuft, hilft ein Blick in die gerade veröffentlichten Jahreszahlen der kanadischen Muttergesellschaft Bombardier. Sie weist bei 18,2 Milliarden Dollar Umsatz einen Verlust von 5,3 Milliarden Dollar aus. 2014 sah es noch nicht ganz so schlecht aus: 1,23 Milliarden Dollar Verlust bei 20,1 Milliarden Dollar Umsatz.

Das hohe Minus stammt nicht etwa von der Zugsparte, sondern vom zweiten Standbein des Bombardier-Konzerns: dem Flugzeugbau. Der wollte mit den beiden großen Anbietern Airbus und Boeing konkurrieren und verhob sich bei der Entwicklung eines neuen Jets. Die Anlaufverluste waren so hoch, dass der Konzern zuletzt 30 Prozent der Zugsparte an den Pensionsfonds der kanadischen Provinz Quebec verkaufte, um an frisches Geld zu kommen.

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Weiteres Geld soll nun von der Zugsparte mit Sitz in Berlin kommen, die mehr als bisher auf Rendite getrimmt werden soll. Das lässt sich zum einen über bessere Organisation und Investitionen in den Vertrieb erreichen, zum anderen aber, und das ist jetzt in größerem Umfang geplant, vor allem, wenn die Kosten sinken. Deshalb werden Stellen gestrichen, 3200 weltweit, 1430 davon allein im Hochlohnland Deutschland. Für Laurent Troger, Präsident von Bombardier Transportation, handelt es sich um eine normale Kapazitätsanpassung, was die betroffenen Mitarbeiter vermutlich nicht so nüchtern sehen werden.

Grundsätzlich ist es im harten internationalen Wettbewerb sicher von Vorteil, schlank aufgestellt zu sein, kurze Entscheidungswege und geringere Kosten zu haben. Die ein oder andere Personalanpassung ist da sicher auch gerechtfertigt. Allerdings ist Bombardier Transportation kein Unternehmen in den roten Zahlen, die Sparte weist solide 5,6 Prozent Vorsteuerrendite aus. Insofern liegt der Plan, Stellen zu streichen, nahe: Bei Bombardier müssen jetzt die Mitarbeiter der Zugsparte dafür bezahlen, dass das Management der Flugzeugsparte sich dramatisch verkalkuliert hat.