Kommentar

Berlin muss schnell in die Puschen kommen

Der Senat will McKinsey beautragen, die Flüchtlingsintegration zu planen. Daran sollte man nicht herumnörgeln, so Joachim Fahrun.

McKinsey soll es also richten. Weil die Verwaltung überfordert ist, in kurzer Zeit einen Masterplan voller sinnvoller Einzelmaßnahmen zur Integration der Flüchtlinge abzustimmen und zu formulieren, holt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) jetzt die Star-Berater zu Hilfe. Der Schritt legt die dramatische Situation offen, in die der anhaltende Zustrom von Asylbewerbern in Verbindung mit ausgedünnten Behörden, schlechter Organisation und zu langem Zuwarten die Stadt gebracht hat.

Immerhin riskiert Müller mit seiner freihändigen Vergabe an die Berater ziemlichen Ärger. Sein Argument, McKinsey sei als einziges Unternehmen seiner Art geeignet, wirklich hilfreich zu sein im Ringen mit der Flüchtlingskrise, ist einigermaßen kühn. Andererseits gibt es womöglich nicht allzu viele Consultants, die sich für ein paar Hunderttausend Euro dem Chaos der Berliner Realität annehmen wollen.

Der Ruf nach den Organisationsprofis ist ein Eingeständnis der eigenen Versäumnisse. McKinsey soll in Workshops mit den Spitzen der Senatsverwaltungen und der Bezirke „konkrete Maßnahmen“ entwickeln. Man möchte denken, dass es nach Monaten des Lageso-Chaos und Jahren der sich abzeichnenden Massen-Einwanderung nach Deutschland und Berlin hinreichend Ideen für solche Schritte geben müsste. Um die unterschiedlichen Behörden zusammenzuführen, gibt es eigentlich eine Senatskanzlei in Müllers Rotem Rathaus. Und ein Masterplan für Integration sollte doch eigentlich aus dem Hause einer eigens sogenannten Senatsverwaltung unter der Senatorin Dilek Kolat (SPD) kommen. Aber gerade letztere verhält sich in der Flüchtlingsdebatte bisher sonderbar passiv.

Aber die Lage ist zu ernst, um sich lange mit Verfahrensfragen oder Schuldzuweisungen aufzuhalten. Berlin muss schnell in die Puschen kommen, muss Wohnungen bauen und Flüchtlingsheime, die Sprachkurse aufstocken und Lehrkräfte für Willkommensklassen finden, Praktikumsplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. Wenn McKinsey hilft, Versäumtes aufzuholen, soll uns das recht sein. Die Aufgabe ist zu groß für kleingeistige Nörgelei.