Linker Straßenterror

Kommentar: Das ist ein Anschlag auf die Zivilgesellschaft

Linksextreme verwüsten einen ganzen Straßenzug. Damit wird klar: Mit der Gewalt müssen sich alle auseinandersetzen, meint Andreas Abel.

Die Linksextremen haben wieder zugeschlagen. Es ist in Berlin leider nicht ungewöhnlich, dass Autos der Oberklasse angezündet und Fensterscheiben eingeworfen werden. Doch die Anschläge in der Flottwellstraße, am Rand des Gleisdreieckparks, fallen aus dem üblichen Rahmen heraus und sind in mehrfacher Hinsicht besorgniserregend. Zum einen war es nicht ein einzelner Gewaltakt, die Täter haben einen ganzen Straßenzug verwüstet und einen Schaden in sechsstelliger Höhe angerichtet. In dieser Intensität musste Berlin Gewalt von Linksaußen lange nicht ertragen. Zweitens war das nicht das Werk von ein oder zwei Wirrköpfen. Zeugen gaben an, mindestens 20 Gewalttäter gesehen zu haben, manche sprachen sogar von 40 oder 60. Das zeigt einmal mehr: Die gewaltbereite linksextreme Szene ist gut organisiert und offenbar jederzeit in der Lage, konzertiert zuzuschlagen.

Es spricht vieles dafür, dass die Täter im Umfeld der Rigaer Straße zu suchen sind, der Keimzelle linksextremer Gewalt in Berlin. "Willkommen im Gefahrengebiet" steht dort an einem Garagentor. Die Zahl der Polizeieinsätze in der Rigaer Straße hat sich innerhalb von zwei Jahren verdreifacht. Doch nun ändern die Gewalttäter offenbar ihre Strategie: Sie schlagen nicht nur in ihrem nahen Umfeld zu, sondern auch in anderen Stadtteilen. Diesmal traf es den Kiez am Gleisdreieck.

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Die Flottwellstraße hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, mutierte vom Niemandsland zur bevorzugten Wohngegend von Besserbetuchten. Manche würden sagen, der Kiez sei gentrifiziert. Doch davon gibt es viele in Berlin. Und das ist vermutlich die perfide Botschaft der Linksextremen: Fühlt Euch nicht sicher, das nächste Mal können auch in Eurer Straße Autos brennen. So soll die gesamte Stadt verunsichert werden. Das möglicherweise nächste Anschlagsziel haben die Täter in ihrem Bekennerschreiben bereits genannt: Köpenick.

Auch das ist nicht zufällig gewählt. Köpenick ist die politische Heimat des SPD-Innenexperten Tom Schreiber. Der wird wegen seiner klaren Position gegen Gewalt und Terror von links wie von rechts mehr und mehr zum Hassobjekt der Linksextremen. Sein Wahlkreisbüro wurde bereits mehrfach angegriffen und beschmiert. Obendrein erwecken die Täter in ihrem Bekennerschreiben auch noch den Eindruck, sie kämen aus Kreisen der Sozialdemokratie. So soll offensichtlich ein Keil zwischen SPD und denjenigen Berliner Demokraten, deren Herz links schlägt, getrieben werden.

Letztlich zielen aber die nächtlichen Attacken auf die gesamte Berliner Zivilgesellschaft. Andernorts mögen Bürger sich verzweifelt fragen, was um alles in der Welt sie mit Konflikten in der weit entfernten Rigaer Straße zu haben. Doch das ist nicht der Kern des Problems. Die Gewalt, die von den Rändern der Gesellschaft herrührt, bedroht uns alle. Deshalb müssen wir uns alle mit ihr auseinandersetzen, müssen ihr entschlossen entgegentreten. Damit die Mitte der Gesellschaft nicht zerfällt.

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