Kommentar

Ein gemeinsamer Plan für den Spreepark in Berlin

Berlins Stadtgesellschaft kann mit dem Spreepark zeigen, wie ernst gemeinte Bürgerbeteiligung laufen kann, meint Joachim Fahrun.

Das alte Riesenrad des  Spreeparks in Berlin

Das alte Riesenrad des Spreeparks in Berlin

Foto: Gregor Fischer / dpa

Manchmal ist es ganz hilfreich, wenn ein Gelände im Wald liegt. Umgeben von der geschützten Grünanlage des Plänterwaldes kommt der Spreepark gar nicht erst in Gefahr, als Standort für Apartments mit Spreeblick, für Sozialwohnungen oder modulare Flüchtlingsunterkünfte in Betracht gezogen zu werden.

Womöglich kann deswegen hier in Treptow gelingen, was etwa am Tempelhofer Feld so grandios scheiterte: Politik, Verwaltung, Bürger und mögliche Nutzer entwerfen gemeinsam einen Plan, was auf dem 40 Hektar großen Gelände geschehen soll.

Eine absurde Geschichte der Berliner Stadtfolklore

Vieles scheint dort möglich. Nur dass unter dem weithin sichtbaren Riesenrad der einstmals einzige ständige Vergnügungspark der DDR wieder aufersteht, ist ausgeschlossen. Viel zu lange hatte sich der Senat der Illusion hingegeben, dass ein privater Investor den Rummelplatz auf eigene Kosten aufhübschen und betreiben könnte. Aber sämtliche Vorhaben scheiterten an Preisvorstellungen, Landschaftsschutzauflagen oder fehlenden Parkplätzen.

Geld war schon lange nicht mehr zu verdienen mit dem Spreepark. Die Misere trieb den zwischenzeitlichen Betreiber so weit, dass er zunächst vor den Gläubigern nach Südamerika floh und dann in Karussells versteckt Kokain aus Peru schmuggelte, um sein Geschäft wieder zum Laufen bringen zu können. Die Geschichte gehört längst zur Berliner Stadtfolklore.

Wünsche und Vorschläge sind willkommen

Nach Jahren des Siechtums hat die Politik eingesehen, dass es ohne öffentliches Geld nichts wird mit dem Spreepark und dem benachbarten Eierhäuschen. Die Haushaltsüberschüsse der vergangenen Jahre haben jetzt die Spielräume eröffnet, diese Kleinodien des schönsten Naherholungsgebietes der östlichen Innenstadt wieder für Berliner und Besucher nutzbar zu machen.

Vermutlich wird das ein längerer Diskussionsprozess werden, den die städtischen Park-Betreiber von der Gesellschaft Grün Berlin jetzt einleiten. Die Objekte sind schwierig und so steht nicht zu befürchten, dass der verwunschene ehemalige Vergnügungspark allzuschnell zu einer geleckten Grünfläche wird. Wünsche und Vorschläge sind also willkommen. Die Stadtgesellschaft kann zeigen, wie ernst gemeinte Bürgerbeteiligung laufen kann, wenn die Politik nur will.

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