Kommentar

Berlins Senat muss noch viel mehr Sozialwohnungen bauen

Es ist ein Erfolg, dass Berlin 1014 Sozialwohnungen baut. Aber das sind noch immer viel zu wenige, meint Isabell Jürgens.


Das Pallas, ehemals Berliner Sozialpalast, in Schöneberg

Das Pallas, ehemals Berliner Sozialpalast, in Schöneberg

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / pa/ZB/dpa-ZB

Erstmals seit 1998 werden in Berlin wieder Sozialwohnungen gebaut. Exakt 1014 wurden in diesem Jahr auf den Weg gebracht und damit, wie Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) in einer Pressemitteilung stolz betont, 14 mehr als die gesetzte Zielmarke von 1000. Die ersten dieser Wohnungen werden voraussichtlich Ende 2016 fertiggestellt.

Nun sind ja bekanntlich tausend – Pardon, tausendundvierzehn! – viel besser als nichts und sicher eine tolle Sache für diejenigen, die dort später einziehen dürfen. Aber irgendwie kommt trotz der Jubelmeldung keine echte Freude auf. Zu sehr gleichen diese Wohnungen dem berühmten Tropfen auf den heißen Stein.

Zur Verdeutlichung: 1,9 Millionen Wohnungen gibt es in Berlin und seit dem Ausstieg Berlins aus der Sozialbauförderung vor gut anderthalb Jahrzehnten mittlerweile nur noch knapp 140.000 Sozialwohnungen. Vor zehn Jahren waren es immerhin noch rund 400.000 Sozialwohnungen. Laut einer Prognose der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) wird die Zahl der Sozialwohnungen durch den Wegfall der Anschlussförderung auch in den kommenden zehn Jahren kontinuierlich sinken. Im Jahr 2024, so die Experten, wird Berlin nur noch über rund 100.000 Sozialwohnungen mit Mietpreisbindung verfügen.

Rund jeder zweite Berliner hätte Anspruch auf mietpreisgebundene Wohnung

Nun hat der Senator ja auch mitgeteilt, dass das neu aufgelegte Förderprogramm in den kommenden Jahren auf rund 3000 Wohnungen verdreifacht werden soll, um Berlinern mit geringem Einkommen in Zeiten ständig steigender Mieten auch in stark nachgefragten Kiezen ein Dach über dem Kopf anbieten zu können. Aber auch das ist angesichts der Tatsache, dass rund 50 Prozent der Berliner aufgrund ihres geringen Haushaltseinkommens Anspruch auf eine mietpreisgebundene Wohnung hätten, erschreckend wenig.

Die berühmte "Berliner Mischung" wird sich so zumindest innerhalb des Berliner S-Bahn-Ringes nicht aufrechterhalten lassen. Und all das bedeutet: Der Berliner Senat muss seine Neubauanstrengungen noch einmal deutlich nach oben korrigieren.

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