Leitartikel

Es braucht Mut, um gegen den Terror zu bestehen!

Nur mit Courage und Wehrhaftigkeit wird sich Europa gegen den Islamischen Staat zur Wehr setzen können, sagt Jörg Quoos.

Fassungslos blickt die Welt nach den Anschlägen auf Paris. Blutige Terrorüberfälle auf Fußballfans, Restaurantbesucher und feierndes Partyvolk in der lebenslustigsten Metropole Europas – das ist eine neue Dimension.

Der Angriff des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) ist nicht nur ein Angriff auf die „Kreuzfahrernation Frankreich“, wie es in der zynischen Erklärung des IS heißt. Er ist ein Angriff auf uns alle. Auf unsere Art zu leben, zu glauben und zu feiern.

Die Mörder von Paris waren so jung wie die meisten ihrer Opfer. Aber ihre Gedanken entstammen aus einer anderen, einer archaischen Welt. Sie kommen aus einer geistigen Steinzeit, in der angebliche Ehebrecherinnen gesteinigt, Homosexuelle von Türmen in den Tod gestürzt werden und Andersgläubige grundsätzlich ohne jede Rechte leben. Gewalt und Tod sind ihr Gesetz. Angst und Schrecken sind ihre Botschaft an die Welt.

Die Auseinandersetzung mit diesen Kämpfern und ihren geistigen Vätern ist eine gewaltige Herausforderung, die nicht nur die Politik, sondern die gesamte Gesellschaft fordert. Die Antwort kann nur Mut, Standhaftigkeit bei unseren Werten und Wehrhaftigkeit im Umgang mit den Angreifern sein.

So schlimm der Terror von Paris ist: Wenn wir unser Leben ändern, Großveranstaltungen meiden oder geplante Konzerte absagen, hat der Terror einen ersten furchtbaren Sieg über uns errungen. Das darf nicht sein. Wir müssen unser Leben wie gewohnt weiterleben, auch wenn es dabei manche Angst zu überwinden gilt.

Mutig Signale gegen den Terror zu setzen, war nie wichtiger als jetzt. Der Auftritt des gesamten Bundeskabinetts beim morgigen Länderspiel Deutschland–Holland im Fußballstadion von Hannover ist ein gutes Beispiel für diese Haltung: Seht her, ihr Mörder, niemand wird sich wegen euch verstecken!

Es braucht auch Mut, den vor dem Terror Flüchtenden weiter beizustehen und nicht aus Angst die Humanität fahren zu lassen. Es ist erschreckend, wie viele in Politik und Medien jetzt versuchen, mit Terrorangst Politik zu machen.

Eine militärische Antwort Europas will wohl überlegt sein. Blindes Zurückschlagen wäre nur ein oberflächliches Zeichen der Stärke. Und kann – schlecht ausgeführt – das Gegenteil bewirken und noch mehr Leid und Terror zu uns tragen.

Aber Kerneuropa mit seinen hochgerüsteten und teuren Armeen muss gemeinsam definieren, wie man der Ausbreitung des IS auch militärisch klug entgegenwirken kann. Es ist naiv, zu glauben, dass sich die selbst ernannten Gotteskrieger am Ende mit diplomatischen Noten und Boykottandrohungen auf ihrem Feldzug gegen unsere Werte stoppen lassen.

Wenn die zivilisierten Staaten nicht gemeinsam die Kraft zu einer militärischen „roten Linie“ finden, wird der IS sein furchtbares Kalifat vergrößern und vor keiner Landesgrenze mehr halt machen.

Delegieren lässt sich diese Auseinandersetzung nicht. Das haben die Amerikaner bereits erlebt. Wie die Hasen lief die vom Pentagon hochgerüstete irakische Armee auseinander, als die Latschenkrieger des IS mit ihren Kalaschnikows und Pick-ups Richtung Bagdad aufmarschierten.

Joachim Gauck – ein Pastor – und Papst Franziskus haben nicht den Ruf, gewaltbereite Kriegstreiber zu sein. Aber ausgerechnet der deutsche Bundespräsident und das Oberhaupt der katholischen Kirche verwendeten bei ihren Ansprachen zum Gedenken an die Opfer bewusst das Wort „Krieg“, um die Auseinandersetzung mit dem „Islamischen Staat“ einzuordnen. Das sind Worte, die nicht bequem, aber leider wahr sind.

Wegducken und hoffen, dass andere die Drecksarbeit machen und die Bomben des IS woanders explodieren, wird unsere Sicherheit auf Dauer nicht garantieren.