Kommentar

Tegel taugt zum Industriestandort für Berlin

Berlin braucht auch Flächen für Industrie. Der Senat sollte nicht von seinem Konzept für Tegel abweichen, meint Gilbert Schomaker.

Noch wird der Flughafen Tegel genutzt. Wie es nach einer Schließung weitergeht, wird zurzeit diskutiert. Berlins Wirtschaft hat nun einen Warnbrief geschrieben

Noch wird der Flughafen Tegel genutzt. Wie es nach einer Schließung weitergeht, wird zurzeit diskutiert. Berlins Wirtschaft hat nun einen Warnbrief geschrieben

Foto: TOBIAS SCHWARZ / REUTERS

Es mag merkwürdig anmuten – aber es ist richtig: Noch weiß niemand genau, wann der neue Großflughafen BER in Schönefeld eröffnet wird, und trotzdem muss man sich jetzt schon Gedanken über die Nachnutzung von Tegel machen. Denn eine Brache und eine zwanzigjährige Diskussion, was mit dem heutigen Flughafenareal geschehen soll, will der Senat vermeiden. Deswegen haben die politisch Verantwortlichen auch ein Konzept vorgelegt.

In Tegel soll eine Mischung aus Industriegebiet, Wohnen und grünen Flächen entstehen. Doch jetzt macht sich die Berliner Wirtschaft sorgen, dass das Areal vor allen Dingen dem Gewässerschutz und neuen Wohnquartieren dienen soll.

Industrie im Intertreffen

Das geplante Industriegebiet könnte ins Hintertreffen kommen. Dabei braucht Berlin auch Flächen, um Betriebe ansiedeln zu können. Der Standort Tegel hat dabei den Vorteil, dass er einerseits innenstadtnah liegt – also für Arbeitnehmer leicht zu erreichen ist. Andererseits bietet er Industriebetrieben den oftmals gewünschten Autobahnanschluss. Hier könnten also neue, stadtnahe Arbeitsplätze für Berlin entstehen. Moderne Industrie ist meist auch eine saubere Industrie, weil die Auflagen der Umweltbehörden ohnehin hoch sind. Aber Industrie ist nicht frei von Lärm. Deswegen muss es einen Abstand zu Wohn- und Naturschutzgebieten geben. Aber das ist in Tegel möglich, wenn man an den bisherigen Konzepten festhält.

Richtige Erkenntnis des Senators

Ja, die Stadt braucht dringend Flächen für neuen Wohnraum. Aber die Großfläche Tegel sollte auch für Industrieansiedlungen genutzt werden. Derjenige Senator, der den Wohnungsbau massiv vorantreiben soll, Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), hat das Problem schon erkannt. Die wachsende Stadt brauche auch neue Arbeitsplätze, so Geisel. Dabei geht es nicht nur um tolle Ideenschmieden, sondern auch um Fertigungs- und Produktionsstrecken.

Keine Kürzungen

Die großen Werbeschilder für die Nachnutzung von Tegel sind schon jetzt weithin sichtbar am Flughafen aufgebaut. Es ist mehr als sinnvoll, das Konzept jetzt mit Leben zu füllen. Einsparungen bei den Startinvestitionen, wie sie offenbar der Finanzsenator plant, sind da kontraproduktiv.