Kommentar

Aufschwung in Jobcentern

Nach Jahren der Aufbauphase könnten die Jobcenter nun in ein ruhigeres Fahrwasser steuern und bessere Qualität bieten, meint Joachim Fahrun.

Geld für verbesserte Qualität in den Jobcenter dürfte vorhanden sein

Geld für verbesserte Qualität in den Jobcenter dürfte vorhanden sein

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Es bleibt ein Kreuz mit den Jobcentern. Zehn Jahre ist es nun her, dass diese gemeinsamen Einrichtungen der Arbeitsagenturen und Bezirke im Zuge der Hartz-IV-Reformen ihre Arbeit aufgenommen haben. Aber so richtig froh ist kaum jemand mit diesen Behörden, die in Kommunen mit vielen Langzeitarbeitslosen wie in Berlin bisweilen Zigtausende Menschen betreuen.

Zwar ist die Klageflut gegen Entscheidungen der Jobcenter etwas abgeebbt. Dennoch bleibt vieles, was die Jobcenter ihren Kunden in die Hand drücken, fehlerhaft. Vor Gericht gewinnt ein hoher Prozentsatz der Arbeitslosen. Die Fehlerquote für eine ordentlich arbeitende deutsche Behörde ist noch zu hoch. Und niemand weiß, wie viele Menschen einfach klaglos hinnehmen, was das Amt entscheidet, weil sie die komplizierten Bescheide nicht richtig verstehen.

Nach Jahren der schwierigen Aufbauphase mit ständig sich verändernden rechtlichen Vorgaben könnten die Jobcenter nun in ein ruhigeres Fahrwasser steuern. Erleichternd kommt hinzu, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen eher sinkt. Dass aber noch immer 40 Prozent derjenigen, die sich arbeitslos melden, in den Jobcentern landen und nicht in den für die schnelle Vermittlung in neue Arbeitsplätze besser geeigneten Arbeitsagenturen, ist ein Missstand, der abgestellt werden muss. Zudem ist es geboten, eine unabhängige Beratung für Hartz-IV-Empfänger fest zu installieren. Der Bedarf ist da. Die stark beanspruchten Mitarbeiter in den Jobcentern haben weder Zeit noch Anreize, Kunden zum finanziellen Nachteil ihres eigenen Hauses aufzuklären. Senat und Arbeitsagentur sollten zusammenlegen. Das kann teure Prozesse vor dem Sozialgericht sparen helfen.

Geld für verbesserte Qualität in den Jobcentern ist ebenfalls vorhanden. Seit Jahren sinken die Ausgaben für die Betreuung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen deutlich. Es wäre geboten, einen Teil der Einsparungen zu nutzen, um die Perspektiven Langzeitarbeitsloser zu verbessern, durch Coaching, individuelle Betreuung und korrekte Bescheide. Denn bisher geht der Aufschwung am Arbeitsmarkt an dieser Bevölkerungsgruppe fast vorbei.