Schlafen

Boxspringbetten: Beim Kauf nicht aufs Probeliegen verzichten

Boxspringmodelle versprechen hohen Schlafkomfort. Für manche Menschen eignen sie sich jedoch nicht. Deshalb ist gute Beratung wichtig.

Nicht für jeden Schlaftyp sind Boxspringbetten geeignet.

Nicht für jeden Schlaftyp sind Boxspringbetten geeignet.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Köln.  Ein Boxspringbett steht für Schlafkomfort wie im Luxushotel. Tatsächlich sind Boxspringbetten dort häufig zu finden. Mancher, der auf Reisen gut darin geschlafen hat, möchte darauf auch zu Hause nicht mehr verzichten.

Oft ist dabei auch von Polster- oder Kontinentalbetten die Rede, denn der allseits bekannte Name "Boxspring" geht auf eine US-Marke zurück. Er setzt sich aus den englischen Begriffen "box" für Kiste und "spring" für Feder oder Bettfeder zusammen. "Er steht also sinngemäß für eine Kiste mit Bettfedern. Das beschreibt die Unterkonstruktion des Boxspringbettes", sagt Axel Augustin, Geschäftsführer des Verbandes der Bettenfachgeschäfte (VDB) in Köln. Es besteht aus einem stabilen Rahmen und einer oder mehreren Lagen Sprungfedern. Darauf liegt die Matratze.

Meist wird der Aufbau mit einem Topper abgeschlossen. "Das ist eine wenige Zentimeter dicke Auflage, die den Schlafkomfort erhöht und in Doppelbetten mit zwei einzelnen Matratzen eine durchgehende Liegefläche schaffen kann." Die doppelte Federung von Unterbau und Matratze macht das Bett besonders weich und schwingend.

Manchen ist alles zu weich, zu warm, zu hoch

"Allerdings entsteht nicht bei jedem Bett automatisch das Gefühl, wie auf Wolken zu schweben", sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef bei Bonn. Kein Schläfer sei wie der andere. Während sich einer glücklich in die Kissen kuschele, sei dem anderen alles zu weich, zu hoch oder zu warm.

Für manche Menschen ist das Boxspringbett sogar wegen Rückenprobleme gar nicht geeignet. Die Stiftung Warentest in Berlin hat kürzlich auf kritische Punkte in diesem Zusammenhang hingewiesen. "Das exklusive Schlafgefühl, das der Kunde vielleicht im Neuzustand noch gespürt hat, verschwindet im Laufe der Zeit", sagt Redakteur Falk J. Murko von Stiftung Warentest.

"Fast wie in einer Hängematte"

"Denn durch den Einfluss von Wärme und Schweiß bildet sich im Dauergebrauch eine Kuhle. Man schläft fast wie in einer Hängematte." Das sei bei einem Großteil der im jüngsten Test geprüften Betten der Fall gewesen. Und auch, wenn die Lebensdauer einer Matratze mit sieben bis zehn Jahren vom Fachverband angegeben wird: Der Test der Warentester zeigte, dass die meisten Matratzen sogar im Neuzustand so weich waren, dass der Schlafende tief einsinkt.

Axel Augustin bringt die Problematik auf den Punkt: "Das Boxspringbett verfügt nicht über einen variablen Unterbau wie ein Bett mit Lattenrost. Es lässt sich deshalb nicht so gut in Liegezonen aufteilen. Man kann also in der Regel für den Becken- und Schulterbereich keine Härtegrade wählen." Dafür liegen die Matratzen auf dem Boxspringunterbau vollkommen eben auf.

Dadurch ist die Rückstützkraft des Untergestells in allen Bereichen sehr hoch. Und für das Mehrschichtbett sprechen die wohnliche Optik, das schwingend-komfortable Liegegefühl und die angenehme Höhe. "Während ein normales Bett 40 bis 50 Zentimeter hoch ist, fangen Boxspringbetten erst bei 50 Zentimetern an und können bis zu 80 Zentimeter hoch sein", sagt Geismann. "Der Ein- und Ausstieg ist damit deutlich angenehmer."

Matratzen müssen regelmäßig gewendet werden

Auch das bessere Schlafklima ist für viele Käufer ein Argument für das Boxspringbett. "Das Federungssystem lässt die Luft besser zirkulieren", sagt die Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Allerdings sei ein Boxspringbett auch pflegeintensiv. "Die Matratzen müssen regelmäßig umgedreht werden, von der Vorderseite zur Rückseite und vom Fuß- zum Kopfende, damit sich keine Kuhlen bilden", erklärt Geismann. "Das ist etwas mühsam, weil sie recht schwer sind."

Augustin empfiehlt, sich vor dem Kauf eine Liste mit den Fragen zu machen, auf die besonderer Wert gelegt wird – und auf Qualität und Variabilität zu achten. Betten, die sich kaum oder gar nicht individualisieren ließen, seien zwar preiswerter. "Sie können aber für sehr große und schwere, aber auch für kleine und leichte Menschen problematisch werden." Es sei daher wichtig, sich sein Bett fachmännisch zusammenstellen zu lassen. Bei guten Anbietern stünden verschiedene Federungen, Matratzentypen und Härtegrade zur Wahl, so Augustin.

Letzter Tipp: Nicht auf ein Probeliegen verzichten. Und dabei darauf achten, wie Schulter, Taille und Lendenwirbelsäule in den beliebtesten Schlafpositionen aufliegen.

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