Bent Angelo Jensen

Der Dandy von Eden

Mit seinem Label Herr von Eden verkauft Designer Bent Angelo Jensen nicht nur Anzüge - sondern vor allem ein Lebensgefühl

Er beherrscht sie perfekt, die hohe Kunst der Inszenierung. Gestikuliert, erzählt, fährt sich beim Gespräch mit den knallrot lackierten Fingernägeln durchs Haar. Bent Angelo Jensen weiß um seine Wirkung, um sein Image, das er mit seinem Modelabel Herr von Eden vermitteln möchte. Ein bisschen Dandy, etwas Glamour im 20er-Jahre-Stil, dazu reichlich Eleganz - eine Mischung, mit der sich die Anzüge, Hemden und Fliegen des 34-Jährigen seit Jahren bundesweit verkaufen. Vor allem hier, in seinem Berliner Geschäft in der Alten Schönhauser Straße in Mitte. Wo das trendbewusste Publikum immer auf der Suche ist, nach dem Neuen, dem Gewagten. Nicht unbedingt gewagt, aber anders war die Geschäftsidee von Bent Angelo Jensen anfangs durchaus. So wie er selbst, irgendwie.

Bereits als Jugendlicher wollte der Sohn eines Dänen und einer Deutschen nicht zur modischen Masse gehören. Aufgewachsen in Flensburg, wo sein Vater eine Industriebäckerei für dänische Hot-Dog-Brötchen führte, gelang ihm dies mit Secondhand-Anzügen, Krawatten und schwarzem Nagellack. In einer Zeit, als die Popper mit engen Markenjeans und Gel-Tollen den Schulhof regierten, durchforstete er Altkleidersäcke. "Das war für mich eine Art Rebellion. Ich finde es einfach reizvoll, mich gegen den Standard aufzulehnen", sagt Jensen. In der Mode sehe er - damals wie heute - das geeignete Mittel, sich mitzuteilen.

Der Gedanke an einen eigenen Laden lässt ihn fortan nicht los, bis zum Abitur nicht. 1996 zieht er nach Hamburg, eröffnet im besetzten Karolinenviertel ein erstes Geschäft. In dieser Hochburg der Punkszene verkauft Bent Angelo Jensen gebrauchte Anzüge. Klassisch, elegant, die Uniform des Bürgertums, der Spießer. Das war seine Art der Rebellion - und sie gefiel. Nach den ersten erfolgreichen Jahren will er nicht mehr nur Getragenes anbieten, kein "Lumpenhändler" mehr sein, wie er es nennt.

Seine Schwester, damals noch Modedesignstudentin, schneidert den ersten Zweiteiler, den er selbst entworfen hat. Es wird schließlich eine Kollektion daraus. Bent Angelo Jensen konzentriert sich auf die kreative Arbeit. Er leiht sich von seiner Schwester Schulungsmaterial, brütet einen Winter lang über Schnittmuster und Textiltechnologien. Zweifel hätten ihn ständig begleitet, bis heute. "Seit vier Jahren bezeichne ich mich guten Gewissens als Kreativer. Trotzdem bin ich erst in der Aufbauphase." Seinen Stil scheint er allerdings gefunden zu haben - zeitlos, mit Liebe zum Detail. Das kommt an. Nicht nur in Berlin und Hamburg, seinem Firmensitz, auch in Köln und Fulda eröffnet er Geschäfte. Mittlerweile besitzt er ein Maßatelier, in dem auf Wünsche der Kunden eingegangen wird. Musiker Jan Delay etwa gehört dazu, zeigt sich bei öffentlichen Anlässen ausschließlich im Zweireiher mit Einstecktuch. Zudem trug Thomas Gottschalk in seiner ersten Sendung für die ARD einen Anzug des Labels. Was dem Entertainer kein Glück brachte, ist für Bent Angelo Jensen ein Erfolgsmodell. Es läuft gut für den Designer, der sich nicht scheut, selbst als Model für seine Werbekampagnen zu posieren. "Ja, ich bin eitel", sagt er, bevor er das gefragt wird. "Und das finde ich in Ordnung, solange die Oberfläche nicht jede menschliche Regung erdrückt. Ich möchte in meiner Art attraktiv sein." Letztlich sei es doch wie in der Mode: Es gehe darum, ein Bild zu erschaffen. Mit allen Facetten.

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