Barszene

Das empfehlen Berliner Barkeeper für den Sommer

Nach Aperol Spritz und Hugo: Bei Berlins Barkeepern setzen sich im Sommer 2013 zwei neue Trendgetränke durch. Es bleibt dabei: Bitter ist trendy.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Die Zukunft bleibt bitter. Da ist er sich sicher. Marian Rudhart greift zum Campari, kippt zwei Zentiliter des Bitterlikörs in einen Becher, gibt Zitronensaft und Holunder hinzu, stülpt einen weiteren Becher darüber – und schüttelt drauflos.

"Bitter ist trendy", sagt er. Er stoppt, hebt den oberen Becher hoch, kippt Geschütteltes ins Glas und gibt fünf Minzblätter hinzu. Kurz mit dem Holzstampf zerkleinert, mit Champagner aufgefüllt – fertig ist sein Tocco Rosso. "Das ist unser Sommerdrink des Jahres", sagt Rudhart.

Der 22-Jährige arbeitet als Chef-Bartender des "Reingold" mit Bar-Schule in Mitte. Sein Chef David Wiedemann hat den Berliner nach Station in Tokio zurück an die Novalisstraße geholt. Beide sind sich einig, dass der Drink des Jahres bei ihren Gästen im Alter von 20 bis 70 Jahren der herbe Tocco Rosso ist.

Nachdem der süßliche Hugo den Aperol Spritz vor ein paar Jahren abgelöst habe, sei der Geschmack des Publikums wieder bei bitter angelangt. "Und bei uns bestimmt die Nachfrage das Angebot", sagt David Wiedemann.

Wann ein Trendgetränk entsteht

Der Tocco Rosso ist eine Variante des Hugos. Der aus Prosecco, Holunderblütensirup, Minze, Mineral- oder Sodawasser bestehende Cocktail ist im Jahr 2005 aus der Südtiroler Barszene nach Deutschland gelangt. Er konkurriert seitdem mit dem Aperol Spritz, dem aus Prosecco, Aperol oder Campari und Sodawasser gemischten Aperitif, der seit 2000 aus Italien den Trend der Sommerdrinks in Deutschland bestimmt hat.

Immer wieder hat es seit Aperol Spritz und Hugo Getränke gegeben, die gefragt waren. Wie der Moscow Mule vergangenes Jahr. Doch keiner hat sich in Getränkemarkt und Barszene bisher derart etablieren können. Der Umsatz von Aperol, Hauptzutat des Spritz', hat kontinuierlich zugenommen. Allein im Jahr 2006 ist der Absatz laut Statista-Studie um 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

"Ein Trendgetränk entsteht immer dann, wenn ein Drink in seinem Entstehungsland so gut angekommen ist, dass er Grenzen überwindet und sich dort etabliert", sagt Helmut Adam, Herausgeber des Magazins für Barkultur, "Mixology". Er bewertet den Tocco Rosso als Drink mit Potenzial, jedoch nicht als "den Reißer des Sommers". Generell würden sich viele Firmen einfach an den Spritz- und Hugo-Hype hängen, sagt Helmut Adam, zum Beispiel mit Varianten von ihnen.

"Weil es Getränke sind, die auch einfach zu machen sind", sagt Gregor Scholl, Inhaber des "Rum Trader" und Chef der "Le Croco Bleu"-Bar in der Bötzowbrauerei. Er kreiert lieber Eigenes. In seinem Sortiment komme besonders der "Frog" bei den Gästen an, sagt Gregor Scholl. Ein aus Sake, Wodka, Gurke, Zitrone und Ingwerbier gemischter Cocktail. Ein Drink, der zwar auch "spritzig" sei, wie Gregor Scholl mit Wink auf das einst vorherrschende Trendgetränk sagt, aber keine Variante davon – und bestimmt nicht bitter.

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