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Berliner Single-Party bringt einsame Katholiken zusammen

In Berlin ist die Zahl an Katholiken recht begrenzt. Um dennoch auf einen Gleichgesinnten zu treffen, findet zweimal im Jahr die Single-Party „Kathklub“ statt. Gefeiert wird im Moabiter Kloster.

Foto: Martin U. K. Lengemann

Der Raum brummt. Es sieht so aus, als finde ein Wettbewerb statt. Kai redet auf Kerstin ein, Sandra lacht über Peters Witz, Andreas versucht, Katrin zu beeindrucken. Dann greift Carlo Murru zum Mikrofon. „Wechsel“, ruft er. Aber nichts passiert. Die Grüppchen bleiben zusammen. „Sechs Minuten sind vorbei. Ihr müsst die Tische wechseln“, ruft Murru noch mal. Jetzt kommt Bewegung in den Saal. Innerhalb von wenigen Sekunden sind die Gesprächspartner neu gemischt. Und wieder geht es auf. Überall scheint man sich hervorragend zu amüsieren. Murru lächelt zufrieden. Der erste Schritt ist geglückt, das Kennenlernspiel klappt. Jeder redet mit jedem. Die Party dürfte ein Erfolg werden.

Eigentlich war die Sache für den Eigenbedarf gedacht. Carlo Murru war Single und verspürte eine gewisse Dringlichkeit, daran etwas zu ändern. Am Horizont drohte bereits die 40. „In dem Alter legen die meisten richtig los“, sagt er. Nun gibt es zwar in Berlin jede Menge Singles, und es gibt auch ein riesiges Angebot für die, die daran etwas ändern wollen, aber das überzeugte den Manager nicht so recht. Denn Carlo Murru hatte besondere Vorstellungen, was seine Partnerin angeht. Er suchte jemanden, der für Berliner Verhältnisse eine Exotin ist. Eine Katholikin.

Und der Heilige Paulus guckt zu

Und so entstand die Idee für den „Kathklub“ – die konfessionelle Single-Party. Flirten mit Segen von oben, beziehungsweise von Pater Michael, der einer der Gastgeber ist, denn der Kathklub trifft sich im Gemeindesaal des Dominikanerklosters St. Paulus in Moabit. „Zu einer Singleparty gehe ich gerne, ich bin schließlich selber Single, auch wenn ich mit neun Männern zusammenlebe“, begrüßt Pater Michael die Gäste. „Können Sie etwas lauter sprechen“, ruft eine Frau von hinten. „Wiederholen Sie doch das Schönste, was Sie gesagt haben, noch mal.“ Pater Michael lacht: „Das Schönste kommt erst noch.“

Falls jemand befürchtet hatte, die Veranstaltung könnte dogmatisch geraten, dürfte er spätestens jetzt beruhigt sein. Der Kathklub ist offen. Die 160 Menschen, die sich angemeldet haben, stammen aus 65 Pfarreien, 45 Bezirken, 13 Nationen – einer kommt aus Gropiusstadt, ein anderer soll sogar aus Düsseldorf angereist sein. Auch was Alter und Lebenssituation angeht, gibt es keine Vorschriften, 21 muss man allerdings sein, aber das liegt eher daran, dass hier auch Bier und Wein ausgeschenkt werden. Der jüngste Klubber ist 25, der älteste 67, manche sind geschieden, manche haben Kinder. Ex-Messdiener und Pfadfindertypen sind genauso vorhanden wie Leute, die auf anderen Wegen zum Glauben fanden. Der Einzige im Raum, dem man das Katholischsein sofort ansieht – bis auf Pater Michael vielleicht – ist der Heilige Paulus, der von einer bestickten Fahne aus das Geschehen beobachtet.

Offenheit ist die Stärke des Kathklubs. In den katholischen Singlebörsen im Netz haben die Teilnehmer nämlich oft das Gefühl, sie müssten ihre Religiosität besonders betonen. Da prasseln die Bibelsprüche nur so auf einen ein. Nicht jeder aber, der glaubt, tut es auf dieselbe Weise. Außerdem lernt man einen Menschen auch ganz anders kennen, wenn nicht die erste Information über ihn ist: geschieden, 50 Jahre alt, zwei Kinder. Sondern: grüne Augen, schönes Lachen.

„Ich suche einen, der auch Werte hat“

Andrea und Maren sind noch nicht ganz sicher. Mit einem Teller Nudelsalat haben sie sich erst mal an einem der hinteren Stehtische positioniert, von dem aus sie den Raum gut im Blick haben. Ganz hinten links, der Typ mit dem blauen Hemd sieht nicht schlecht aus. Und was ist mit dem im schwarzen T-Shirt? Hm. Oder haben sie den schon an die Blondine verloren, mit der er sich gerade prächtig zu unterhalten scheint?

Bislang hatte sie sich nicht so große Gedanken darüber gemacht, ob sie unbedingt mit einem Katholiken zusammen sein müsste, erzählt Andrea. Aber bei ihren bisherigen Beziehungen hatte ihr dann doch etwas gefehlt. „Coole Typen gibt es viele“, sagt sie „aber ich suche einen, der auch Werte hat.“ Vom Kathklub hat sie über ihre Gemeinde erfahren und sich gedacht, warum eigentlich nicht? Selbst wenn keiner dabei sein sollte, hat sich der Abend für sie gelohnt. Denn sie hat Maren kennengelernt. „Nette Frauen zu treffen ist doch auch schön“, sagt sie.

Manche der Teilnehmer waren schon beim letzten Mal dabei und kennen sich, manche sind zu zweit gekommen, aber die meisten haben sich alleine nach St. Paulus getraut, die Hemmschwelle ist nicht hoch, man lernt ja sofort jemanden kennen. Und wenn man sich partout nicht traut, nach einer Nummer zu fragen, oder nach einem zweiten Date, dann übernimmt Murru in der „Nachsorge“ die Rolle des Schicksals. Wenn Ralf also Katia heute nicht anspricht, auch wenn er die ganze Zeit zu ihr rüberschaut, dann kann er ihr später über Carlo Murru eine Mail schicken.

Spenden fürs Büfett

Katharina hat sich erst vor einem Jahr taufen lassen. Dass sie ausgerechnet im Katholizismus die Antwort auf die Spiritualität, die sie in ihrem Leben vermisste, finden würde, hat sie selbst überrascht damals. Aber jetzt will sie auch gerne einen Partner haben, der diesen Glauben teilt. „Ich habe zwei Kinder“, sagt sie „ich will da mit meinem Freund an einem Strang ziehen, eine Familie mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen, das stelle ich mir schwierig vor.“

Klassische Partnervermittlungen werben gern mit ihren Erfolgsquoten, wie sieht es da beim Kathklub aus? „Na ja, es meldet sich ja nicht unbedingt jeder bei mir, der hier jemanden kennengelernt hat. Aber es müssten so um die zehn Paare sein“, sagt Murru. Kommerziell ist die Veranstaltung nicht: Wer Getränke oder etwas fürs Büfett beisteuert, zahlt keinen Eintritt, wer es nicht geschafft hat, etwas zu besorgen, spendet 15 Euro.

Bislang ist der Kathklub die einzige katholische Singleparty bundesweit. Aber es gibt ja nicht nur in Berlin Alleinstehende auf der Suche, und Katholiken leben in anderen Städten eher noch mehr. Noch sind Singles eine Marktlücke im Angebot der Kirche. Es gibt Familienkreise und Seniorentreffen, es gibt die Pfadfinder und Messdienerfahrten. Aber wer in keine dieser Gruppen reinpasst und zu unmusikalisch für den Chor ist, dem blieb bislang nicht viel. So ist es nicht verwunderlich, dass die Party an diesem Abend, der vierte Kathklub, ausgebucht war. Trotz erhöhter Nachfrage will Murru dabei bleiben, nur zwei Mal im Jahr in Berlin zu feiern. Er selbst hatte übrigens schon vor der ersten Party die Richtige gefunden, aber den Kathklub macht er trotzdem weiter. Christliche Nächstenliebe eben. Momentan denkt er über ein weiteres Bistum nach.

Man könnte jetzt noch Kerstin fragen, wie sie den Abend findet. Sie hatte schon gleich zu Anfang beim Büfett Andreas kennengelernt, aber weil der ihr jetzt nicht mehr von der Seite weicht, müsste man sie stören. Eigentlich ist die Frage auch überflüssig. Kerstin strahlt so sehr, man darf davon ausgehen, dass sie Kathklub für eine gute Idee hält. Außerdem wird jetzt die Tanzfläche eröffnet.

Mehr Informationen im Internet unter: www.kathklub.de

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