Diät-Mythen

Sex macht nicht schlank

Viele Regeln für schnelles Abnehmen sind reine Fantasie.

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Wenn es ums Abnehmen geht, ist fast jeder ein Experte. „Du musst dir kleine Ziele setzen. Und versuchen, langsam abzunehmen“, heißt es. Oder auch: „Zwei Mal am Tag die Treppe steigen, lässt die Pfunde purzeln.“ Seit Jahrzehnten geistern solche Diättipps durch Zeitschriften, Wartezimmer und die Köpfe jener, die abnehmen möchten. Viele dieser Tipps indes sind Unsinn. Experten haben sich bekannte Abnehmtipps angesehen und als Mythen enttarnt. Ihre teils ernüchternden Ergebnisse präsentieren die US-Forscher um Krista Casazza von der University of Alabama in Birmingham im „New England Journal of Medicine“. Die bekanntesten Diätratschläge konnten nie bewiesen werden, so ihre Quintessenz.

Langsames Abnehmen sei die nachhaltigste Methode, heißt es zum Beispiel. Doch wie die Wissenschaftler nachweisen konnten, ist eine langsame Diät keineswegs ein besserer Weg zum dauerhaften Traumgewicht. Das Einzige, was für langsames Abnehmen spricht, ist, dass eine Crashdiät ungesünder ist. Aber Studienteilnehmer hielten ihr Gewicht unabhängig von der Geschwindigkeit des Abnehmens – oder eben nicht.

Ebenso wenig wie die langsame Diät lohnt es sich für Abnehmwillige, kleine Lebensänderungen vorzunehmen. Denn beim Abnehmen gilt: nicht kleckern, sondern klotzen. Zwei Treppengänge mehr am Tag lassen einen Bierbauch eben nicht so einfach dahinschmelzen. Selbst wenn dadurch täglich 100 Kilokalorien mehr verbrannt werden – zu einem Pfund weniger in 35 Tagen lässt sich das nicht einfach summieren. Dass man pro verbrannten 3500 Kilokalorien ein Pfund Gewicht verlieren soll, das hatten Forscher einst bei kurzen Crashdiäten gemessen. Langfristig muss man aber in der Regel mehr verbrennen. Das bedeutet, so die Wissenschaftler, dass man schon einige Male mehr pro Tag die Treppen hinaufsteigen sollte.

Auch für viele Mütter haben die Forscher eine bittere Wahrheit auf Lager: Stillen, das seit vielen Jahrzehnten schon als ein Schutz des Babys vor Allergien und eben auch vor Übergewicht betrachtet wird, beeinflusst offenbar das Körpergewicht des Kindes nicht sonderlich. Weder bekommen gestillte Kinder eine Traumfigur, noch müssen sich ungestillte Kinder als Erwachsene öfter mit Übergewicht herumplagen. Zwischen dem Gestilltwerden des Babys und seinem späteren Körpergewicht besteht kein Zusammenhang, so die ernüchternde Bilanz der Forscher.

Viele hängen auch dem Glauben an, des Menschen liebster Sport, der Sex, mache schlank. Auch das haben die Wissenschaftler genau überprüft. Und sie präsentieren auch ein kleines Rechenbeispiel. Der Irrglaube sei, dass beim Sex 100 bis 300 Kilokalorien verbrannt werden – von jedem der Partner. Die Rechnung der Forscher: Sex verbrennt in etwa so viele Kalorien wie Spazierengehen in einem moderaten Tempo, also etwa mit vier Kilometern pro Stunde. Der Durchschnittssex dauert allerdings nur sechs Minuten. Heraus kommt, dass ein Mensch mit 70 Kilogramm Körpergewicht pro Geschlechtsakt gerade mal 21 Kilokalorien verbraucht – was nicht einmal einem Stückchen Schokolade entspricht. Spürbar schlanker wird man durch das Vergnügen also nicht. Es sei denn, das Vorspiel beginnt mit einer großen Runde Joggen.

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