Gesundheit

Schutz vor Hautkrebs

Was eine gute Sonnencreme leisten muss.

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Das letzte Aprilwochenende bescherte großen Teilen Deutschlands einen Vorgeschmack auf den Sommer. München meldete mit 32,2 Grad Celsius sogar den wärmsten Apriltag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Gelegenheit zum ersten intensiven Sonnenbad rief auch gleich die Hautärzte auf den Plan: „Die Haut kann auch in den Strahlen der ersten Frühlingssonne schon verbrennen“, warnt der Dermatologe Dirk Meyer-Rogge aus Karlsruhe. Gefährdet sind dann in erster Linie nicht Hände, Gesicht und Dekollete, sondern eher – bei kurzen Röcken und Hosen – Schenkel und Knie, also jene Körperteile, die ein halbes Jahr keine direkte Sonne abbekommen haben. Die stets dem Licht ausgesetzten Partien haben dagegen einen gewissen Eigenschutz.

Wer ins Gebirge fährt, muss besonders auf den Schutz seiner Haut achten, denn die Strahlenbelastung steigt pro 1000 Meter um zehn Prozent. Auf Zugspitzniveau brennt die Sonne also fast ein Drittel kräftiger als am Meer. Richtiger Hautschutz ist wichtiger denn je, weil laut Bundesverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) die Zahl der Hautkrebserkrankungen seit zwei Jahrzehnten sowohl hierzulande als auch weltweit steigt. Dennoch gelingt es derzeit noch, einen vergleichbaren Anstieg der Hautkrebs-bedingten Sterbefälle zu verhindern. Grund dafür sei vor allem die zunehmende Aufklärung.

Am Montag startete die aktuelle Euromelanoma-Woche 2012. Hautärzte aus ganz Europa wollen im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe über die Risiken und die richtige Vorsorge von Hautkrebs aufklären. Der Präsident des BVDD, Michael Reusch, forderte bei der Auftaktveranstaltung dazu auf, mehr Menschen von der jährlichen Vorsorgeuntersuchung ab 35 zu überzeugen. Bislang nähmen nur 30 Prozent der Menschen die Vorsorge in Anspruch, in fünf Jahren sollten es 70 Prozent sein, sagte Reusch. In Schleswig-Holstein hätten Früherkennung und Aufklärung bereits zu einer Halbierung der Hautkrebs-Todesfälle geführt.

Sonnenbrand, Hautalterung, Krebs

Hautkrebs entsteht in erster Linie durch schädliches Sonnenlicht. Die enthaltene Ultraviolettstrahlung verändert das Reparatursystem des Erbguts. In den betroffenen Hautzellen kann es dann häufiger zu einem unkontrollierten Wachstum, also einem Tumor, kommen. Neue Studien zeigen, dass gerade das Risiko der langwelligeren UV-A-Strahlung bisher deutlich unterschätzt wurde. Auch diese Strahlung, die am tiefsten in die Haut eindringt, verursacht Veränderungen im Erbgut der Hautzellen. Das belegt nicht nur eine Veröffentlichung im „Journal of Investigative Dermatology“ im vergangenen Februar, die Professor Antony Young vom King's College London gemeinsam mit Kollegen verfasst hat. Young ist Experte für experimentelle Fotobiologie, die die Wechselwirkung zwischen dem Licht und Organismen erforscht. Er untersucht schon lange die Auswirkungen der UV-Strahlung auf die menschliche Haut.

Bekannt war schon, dass hoch dosierte UV-A-Strahlung unverträglich ist. Neu an der Studie ist in erster Linie, dass auch eine kontinuierliche Bestrahlung mit niedrigeren Dosen zu Schäden an der Erbsubstanz DNA führt. Vor allem das Ausmaß der Schäden hat die Fachwelt überrascht. Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der unterschätzten Wirkung von UV-A-Strahlen waren bereits 2004 durch eine französische Arbeitsgruppe in Grenoble und 2006 durch die amerikanische National Academy of Sciences publiziert worden.

Wie wichtig diese Resultate sind, zeigt die Tatsache, dass der ultraviolette Bestandteil des Sonnenlichts nur zu sechs Prozent aus UV-B, aber zu 94 Prozent aus UV-A besteht. Die Intensität, die die Erdoberfläche erreicht, ist bei UV-A also 15-fach höher als bei UV-B. Während das kurzwellige UV-B-Licht mit seiner Wellenlänge von 280 bis 315 Nanometern (Nanometer entsprechen Milliardstel Metern) insbesondere für den Sonnenbrand verantwortlich ist, sorgt die langwellige UV-A-Strahlung (315 bis 400 Nanometer Wellenlänge) für ein vorzeitiges Altern der Haut, das sich durch Falten, den Verlust an Elastizität und eine vermehrte Pigmentierung zeigt, aber auch den Verlust an Hautfarbstoff.

Gemeinsam sind beide Strahlungsarten für das maligne Melanom, also schwarzen Hautkrebs, verantwortlich. „UV-Strahlung unterdrückt die Überwachungsfunktion des hauteigenen Immunsystems gegenüber veränderten Zellen und bereitet so den Boden für die Ausbildung von Hautkrebs“, erläutert Professor Rolf Daniels vom Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen.

Lotion, Öl, Gel, Spray – alles schützt

Mit der Wirkung von UV-A-Strahlung auf die menschliche Haut beschäftigen sich auch Forscher der Firma BASF. Das Unternehmen stellt jene Substanzen her, die in Sonnencremes zum Einsatz kommen. Noch bevor die schädigende Wirkung bis hin zur Erhöhung des Hautkrebsrisikos durch UV-A wissenschaftlich belegt war, hatte das Unternehmen im Jahr 2000 neue UV-A-Absorber auf den Markt gebracht. Unter den Markennamen Tinosorb und Uvinul wurden inzwischen weitere Verbindungen eingeführt, die die bisher vorhandenen Wellenlängenlücken beim UV-Licht immer weiter schließen. Im Jahr 2010 folgten Breitbandfilter, die sowohl im UV-A- als auch im UV-B-Bereich wirken.

Sonnenschutzmittel gibt es als Milch, Spray, Creme, Öl, Stift, Gel oder Schaum. Sie unterscheiden sich in ihrem Schutz nicht grundsätzlich, sofern der Lichtschutzfaktor (LSF oder SPF = sun protection factor) derselbe ist. Am beliebtesten sind flüssige Emulsionen, die als Sonnenmilch oder -lotion verkauft werden. Alles unter LSF 6 ist definitionsgemäß kein Sonnenschutzmittel – der Schutzeffekt wäre einfach zu gering. Auch der Begriff „Sunblocker“ ist offiziell nicht mehr zugelassen, weil er dem Konsumenten fälschlicherweise suggeriert, man könne damit unbegrenzt in der Sonne bleiben. Wer ein Mittel bevorzugt, das nicht so rasch durch Baden, Abtrocknen und Schwitzen abgeht, sollte zu einem möglichst fetten Mittel greifen, also zu einer Wasser-in-Öl-Emulsion („W/O“). Auch gibt es Präparate für Menschen mit trockener Haut, die pflegen, außerdem Mittel für Allergiker ohne Duft- und Konservierungsstoffe.

Zwei Arten von Lichtfiltern in Sonnenschutzmitteln gibt es: organische und anorganische. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf den chemischen Charakter. Organische Filter sind Kohlenstoffverbindungen, anorganische dagegen mineralische Pigmente (Metallsalze). Organische Filter dringen in die Haut ein, absorbieren dort die UV-Strahlung auf und wandeln sie in Wärme um. Manche Menschen reagieren auf sie jedoch allergisch. Mineralische Filter bestehen aus winzigen Pigmentpartikeln. Sie dringen nicht ein, sondern reflektieren das Licht an der Hautoberfläche. Diese Pigmente – Titandioxid, Zinkoxid oder Magnesiumoxid – sind auch für Allergiker gut verträglich, aber sie färben die Haut mehr oder weniger weiß.

Nachcremen nicht vergessen

Die Grundregeln zum Schutz der Haut vor Sonnenbrand, Alterung und Krebs sind im Grunde bekannt – man muss sie nur beherzigen: Am stärksten gefährdet ist Kinderhaut, sie braucht besonders intensive Pflege. Tragen Sie leichte Kleidung, schon ein weißes T-Shirt dämpft die Strahlung auf ein Zehntel. Meiden Sie die pralle Mittagssonne. Tragen Sie den Sonnenschutz sofort auf und nicht erst nach einer halben Stunde, wenn Sie wissen, dass Sie sich längere Zeit in der Sonne aufhalten. Vergessen Sie Ohren, Nacken und Fußrücken nicht und cremen Sie nach ein paar Stunden nach. Achten Sie bei der Sonnencreme auf das europaweit eingeführte UVA-Signet. Es zeigt die Buchstaben „UVA“ im schwarzen Kreis.