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Tim Raue eröffnet sein viertes Restaurant in Berlin

Ab Sonnabend empfängt der Zwei-Sternekoch seine ersten Gäste im „STUDIO tim raue“ in der Factory an der Rheinsberger Straße in Mitte. Mittags kosten die Gerichte sogar weniger als zehn Euro.

Foto: Amin Akhtar

Machen. Das habe sein bester Freund ihm gesagt, als er hörte, dass Tim Raue das Angebot bekommen hatte, ein Restaurant in der Factory zu planen. Tim Raue steht hinter der Eingangstür mit Vintage-„Restaurant“-Schild an der Rheinsberger Straße und zeigt auf die Wand rechts von sich. „Und das hier ist noch Mauer“, sagt er. „Denkmalgeschützt. Das mögen die Google-Leute, da rasten die total drauf aus.“

Zwei-Sternekoch Tim Raue wird am Sonnabend sein viertes Restaurant eröffnen. Das „STUDIO tim raue“ an der Rheinsberger Straße in Mitte ist Teil der Factory Berlin. Des Start-up-Campus auf dem Gelände der ehemaligen Oswald-Brauerei, der im Juni vergangenen Jahres von Gründer und CEO Simon Schäfer im Beisein von Google-Chef Eric Schmidt eröffnet worden ist. Mozilla, Twitter, Soundcloud – das sind nur einige der Firmen, die sich dort frühzeitig ihren Hauptstadtsitz gesichert haben.

„Das war wie ein Bunker, als wir hier zum ersten Mal reinkamen“, sagt Tim Raue. „Aber Simon hat uns machen lassen.“ Gegenüber der langgezogenen offenen Ausgabestelle zur Küche à la Lohberger stehen nun zwei Chef’s Tables für je zehn Gäste, Vintage-Möbel von Luis Mock reihen sich unter Kunst von Oliver Rath und Street-Art von den Berlinern Bas2 und Anton Unai. Dunkles Holz sowie Braun, Rot und Rosa schimmern dezent zum Grau der alten Ziegel. „Die Kreativen sind ja minimalistisch“, sagt Raue.

Am Herd nur in der Rudi-Dutschke-Straße

Im April vergangenen Jahres hat sich Raue die Räume auf dem 16.000 Quadratmeter großen Areal nahe der Gedenkstätte Bernauer Straße angesehen. Und sich entschieden. Neben dem „Sra Bua“ im „Adlon“ und dem „La Soupe Populaire“ in der Bötzow-Brauerei läuft ab morgen das dritte Restaurant unter seinem Namen in der Hauptstadt, in dem er für Konzept und Küche sorgt. Inhaber sind andere, Raue arbeitet mit Beratervertrag, so funktioniert das. Hinter dem Herd steht er nach wie vor nur im eigenen Restaurant, dem „Restaurant Tim Raue“ an der Rudi-Dutschke-Straße. Was er noch einmal hervorhebt. Raue weiß: Soll der dritte Stern in diesem Jahr kommen, bestimmt die Tonalität seinen Weg.

„Hier sollte etwas ganz anderes entstehen“, sagt Tim Raue. „Für die Mitarbeiter der Factory, eine Kantine.“ Beim Mittagstisch stehen sieben bis acht Gerichte zur Wahl auf der Karte, Suppe, Salat, vegetarisch, Fisch und Fleisch für vier bis zehn Euro und von den Metropolen dieser Welt inspiriert. New York, Moskau und Hongkong – in Form von „Pastrami, Weißkohlsalat mit Koriander, Senfcrème und Pickles“ und „Kartoffeleintopf mit Fenchel, Anis, Tomate und Garnelen“. Und abends? „Drehen wir auf“, sagt Raue. Vier- bis Zehn-Gänge-Menüs von 48 bis 88 Euro, thematisch alle drei Monate wechselnd. So soll die japanische Küche das erste Quartal bestimmen, gefolgt von der sizilianischen.

Das Team, das den für ihn vierten Standort bestreitet, besteht aus der Ex-Restaurantleiterin seines „La Soupe Populaire“, Patricia Liebscher, Geschäftsführer Tilo Barenthin, der bereits bei Einsätzen Raues auf der Bread & Butter mit ihm gearbeitet hat, sowie Küchenchef Sascha Friedrichs. Ein – für Raue ungewöhnlich – Externer, der erst seit 2014 für ihn arbeitet, zuvor die Küche im „a.choice“ geleitet hat. „Zehn Sterneköche haben sich beworben – ich wollte ihn“, sagt Raue, „wir funktionieren.“ Was sein nächstes Ziel ist? Bis 2018 will er jedes Jahr ein neues Raue-Restaurant eröffnen. Machen. Immer weitermachen.

Foto: Amin Akhtar

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