Dandy Diary

Wie zwei Dresscode-Rebellen von Kreuzberg Trends setzen

Die beiden Berliner Jakob Haupt und David Roth sind die Autoren und Gesichter des erfolgreichen Männermodeblogs „Dandy Diary“ - und kritisieren schonungslos die neusten Trends in der Modewelt.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Ob er sich in einigen Jahren noch auf aktuellen Fotos hübsch findet, bezweifelt Jakob Haupt. Exzentrisch sieht der 29-Jährige aus, Extensions in den schwarzen Haaren, die Seiten nahezu kahl rasiert. An seinen Fingern trägt er dicke, goldene Ringe – und die weißen Sportsocken, die unter der schwarzen Hose heraus schauen, tun ihr Übriges. Er selbst beschreibt seinen Look als „prollig“. „Schlimmer wäre es aber doch, wenn ich in fünf Jahren immer noch gleich aussehen würde“, sagt Haupt, der durchaus auch lachen kann – wenn auch nicht auf Fotos. „Für einen langweiligen Look gibt es keine Ausrede, für einen hässlichen schon: Es war halt Trend.“

Und Trends sind etwas, wovon er und David Roth Ahnung haben. Wir treffen die beiden Mode-Experten, die Köpfe von Deutschlands wohl erfolgreichstem Männermodeblog „Dandy Diary“, in der „Fahimi Bar“ am Kottbusser Tor. In knapp zwei Wochen verwandelt sich Berlin während der „Fashion Week“ in einen einzigen Modezirkus – eine Zeit, in der die beiden Blogger Kontakte knüpfen, wichtige Entscheider der Branche treffen, nach Themen und Ideen für ihren Blog suchen und vor allem Spaß haben.

Doch was machen Modeblogger überhaupt? Eine Frage, auf die „Dandy-Diary“-Gründer David Roth eine einfache Antwort hat. „Ein Modeblog ist eigentlich dasselbe wie ein Modemagazin – nur dass wir nicht auf Papier schreiben und deutlich unabhängiger sind“, sagt der 30-Jährige. Seitdem schreiben Roth und Haupt über Lifestyle-Themen, veröffentlichen Fotos von ihren Reisen und den von dort mitgebrachten Impressionen. Auch bei Fotoshootings stehen sie als Models vor der Kamera, veranstalten Partys, haben Kooperationen mit Modelabels.

„Wir sind ganz einfach: Blogger“

„In Modeshootings treten wir als Blogger auf, nicht als reine Models. Wir selektieren schon sehr stark, wofür wir unser Gesicht hergeben und wofür nicht“, erklärt Jakob Haupt. „Außerdem: Es gibt sicher auch Menschen, die hübscher sind als wir. Die dürfen sich dann gern Model nennen. Wir sind ganz einfach: Blogger.“

Und in der Rolle als Blogger sehen sie es als ihre Aufgabe an, sich kritisch mit den neusten Entwicklungen in der Modewelt auseinander zu setzen. Bewusst wollen sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, dann wird das auch schonungslos im Blog veröffentlicht. „Ich glaube, wir könnten einen Monat nur Negatives schreiben und würden dennoch genug Geld verdienen“, sagt David Roth, der neben Jakob Haupt einen nahezu dezenten Stil hat. Im Vergleich zu anderen Blogs habe man niemals das Ziel gehabt, sich mit Designern gut stellen zu wollen.

Es niemandem recht machen zu wollen scheint sowieso das Motto von „Dandy Diary“ zu sein, gerne auch mal gegen Dresscodes verstoßen. Wenn Smoking gefordert wird, heißt es noch lange nicht, dass David Roth und Jakob Haupt ihn an diesem Abend auch anziehen werden. „Vielmehr wird von uns erwartet, ins Extrem zu gehen und auch mal total daneben auszusehen. Das ist natürlich toll“, sagt Jakob Haupt. „Und bislang hab ich, zumindest in Berlin, erst einmal ernsthaft Probleme mit einem Türsteher bekommen, der meinen Look nicht so richtig zu dechiffrieren wusste.“

Berlin spielt aus modischer Sicht international keine Rolle

Auch Berlin, die Wahlheimat der beiden Blogger, spielt eine enorme Rolle in dem Leben von Haupt und Roth. Schriller, überdrehter, verrückter: In kaum einer anderen Stadt gehe das besser – selbst wenn beide davon überzeugt sind, dass die Stadt zumindest aus modischer Sicht international nur eine kleine Rolle spielt. „Hier muss man keine Angst haben, in Restaurants keinen Tisch zu bekommen, nur weil man eine Jogginghose trägt. Im Gegenteil: Das hilft sogar“, meint Haupt. Auch das Nachtleben war ein Grund für die jungen Männer, die sich in der Schule in Kassel kennenlernten, in die Hauptstadt zu ziehen. „Von vielen Städten wird gesagt, dass sie ein tolles Nachtleben haben. Aber ich glaube, nur Berlin hält, was die Stadt verspricht“, sagt Roth.

Das Nachtleben will „Dandy Diary“ auch am 7. Juli, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Fashion Week, mit ihrer eigenen Party wieder aufmischen. Sie gilt mittlerweile als die legendärste Abendveranstaltung der Modewoche. Diesmal soll sie in einer Autowerkstatt in Kreuzberg stattfinden. Das Thema: „Racing und Motorsport“. „Die Leute sollen bitteschön aussehen wie Michael Schumacher Anfang der 2000er oder alternativ wie Katie Price in ihrem gelben Lackanzug“, sagt Haupt über den Dresscode des Abends – wohl der einzige, dem auch sie sich einmal beugen werden.