Martin S. Lambeck

Mancher Weißwein wird mit den Jahren schlapp

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Martin S. Lambeck

Foto: M. Lengemann

Riesling, Weißburgunder und Chardonnay sind weiße Rebsorten, die viele Jahre im Keller reifen können. Oft erreichen sie erst dann ihren Höhepunkt. Allerdings gibt es auch weiße Rebsorten, die jung und frisch getrunken werden wollen. Der heutige Silvaner ist ein solcher Kandidat.

Neulich habe ich eine Flasche 1997er Pinot Blanc von Philippi in der Pfalz geöffnet. Eine Offenbarung! Blutorange-Aromen und Karamell werden in ihrer gereiften Tiefgründigkeit von der hellen Kalk-Mineralik des Kallstadter Saumagens konterkariert. Riesling, Weißburgunder und Chardonnay sind weiße Rebsorten, die im Keller viele Jahre reifen können. Sie verändern in diesen Zeiträumen ihre Aromatik und erreichen oft erst nach vielen Jahren ihren Höhepunkt.

Und dann gibt es jene weißen Rebsorten, die jung und frisch getrunken werden wollen. Sauvignon Blanc (ohne Barrique) schmeckt jung am besten. Nur dann verbreitet sich jene herbe Frische, getragen von grüner Paprika. Muscadet darf nicht in die Jahre kommen. Vom Welschriesling wissen wir seit der letzten Woche, dass er jung genossen werden will. Müller-Thurgau muss frisch getrunken werden, wenn er duftig und anmutig daherkommen will. Lagert man ihn ein paar Jahre, so wird er schlapp, unattraktiv und baut ab.

Ein Silvaner aus gutem Hause

Eine wertvolle Rebsorte, die ebenfalls keine langen Kellerjahre mag, ist der Silvaner. Von dieser Rebsorte sollten selbst Spätlesen von Top-Winzern innerhalb der ersten drei Jahre nach der Füllung getrunken werden. Nur dann wird man die ganze Köstlichkeit dieser Rebsorte genießen können. Wenige Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Unser heutiger Kandidat ist solch ein duftiger Silvaner aus ordentlichem Hause, nämlich der 2008 Silvaner Babenberg Spätlese trocken von Bickel-Stumpf. Der Wein ist auf Muschelkalk-Verwitterung gewachsen und bekommt dadurch jenen typischen Charme, den dieser Boden gerade in Franken verleiht. Für eine Spätlese ist er etwas leicht und wenig dicht geraten. Sein Charakter ist eher auf Kabinett gestimmt, doch gerade deshalb eignet er sich für den Frühsommer besonders gut.

Das Aromenspektrum dieses jungen Weines bringt alle Schönheiten der wertvollen und traditionsreichen Rebsorte zur Geltung: Limette, Stachelbeere und ein Hauch von Honig werden von Thymian ergänzt. Eine delikater Wein, der illustriert, dass frisch zu trinkende Rebsorten deshalb nicht gleich billige Rebsorten sein müssen.

2008 Silvaner Babenberg Spätlese trocken: 12,98 Euro pro Flasche, Gefra Warenhandelsgesellschaft mbH , Langbaurghstr. 6, 53842 Troisdorf (Spich), Tel.: 02241 / 39 31-0, Fax: 02241 / 39 31-80.