Vierbeiner

Was Hunde im Luxus-Restaurant serviert bekommen

Ohne Farb- und Konservierungsstoffe – in Brasilien hat ein Luxus-Restaurant für Hunde aufgemacht. Dort gibt es für die Vierbeiner nur das Beste.

Rachel Zanardis zwei Begleiter – die zweijährige Julyane und der achtjährige Davyd – sind von ihrem Menü angetan, beide wedeln heftig mit dem Schwanz. Es gibt Lamm mit Gemüse und Reis, mit frischen Zutaten liebevoll gekocht.

Alle Gerichte bei „Pet Delicia“ sind ohne Farb- oder Konservierungsstoffe, angereichert höchstens mit einer Prise Vitaminen und Mineralsalzen. Brasiliens erstes Gourmet-Restaurant für Hunde hat erst seit einigen Wochen geöffnet, doch hat es voll den Zeitgeschmack getroffen. Die Kunden wollen das Bistrot an Rios Copacabana nicht mehr missen.

„Wer Haustiere hat, will nur noch das Beste für sie – das ist wie mit Kindern“, sagt Zanardi. Die 49-jährige brasilianische Anwältin lebt mit ihrem Yorkshire Terrier Davyd und Dackeldame Julyane in der Nachbarschaft und ist bereits Stammkundin von „Pet Delicia“.

„Davyds Allergien sind viel besser geworden, seit er statt Dosenfutter Bio-Kost bekommt“, sagt sie. „Ich gebe lieber ein bisschen mehr aus und habe einen gesunden Hund.“ Mit ihren beiden Vierbeinern sitzt Zanardi an einem niedrigen Tisch auf Kunstrasen vor dem Hunde-Bistro. Davyd und Julyane schlingen binnen Sekunden ihre Portionen hinunter – zurück bleibt der blank geschleckte Napf mit orangefarbenem Hundepfoten-Design.

Seit Dezember betreibt die Brasilianerin Roberta Camara gemeinsam mit ihrem schwedischen Mann Joergen „Pet Delicia“. Als Hunde-Restaurant will sie es aber nicht bezeichnen, trotz des hochwertigen Services und der hundefreundlichen Ausstattung. „In einem Land wie Brasilien, in dem noch immer Millionen Menschen Hunger leiden, möchte ich lieber von einem 'Hunde-Areal sprechen“, sagt sie.

Nach ihren Angaben wird das Essen nach „sehr strengen“ Standards des Agrarministeriums zubereitet. Es werde von Tiernahrungsexperten zusammengestellt und sei damit besser als „das, was Hundehalter ihren Tieren zu Hause vorsetzen“. Darüber hinaus schmecke es „viel besser als das im Handel erhältliche Hundefutter“. Der Erfolg stellte sich rasch ein: Schon nach zwei Wochen gingen täglich mehr als 20 Näpfe über die Theke.

Die tadellos saubere Küche liegt hinter großen Glasscheiben. So kann jeder Hundehalter zuschauen, wie das Personal frisches Fleisch und Gemüse in maulgerechte Stücke schneidet. Wer seine Lieblinge nicht im Restaurant abfüttern will, kann die Leckerbissen auch gefroren im „Doggy Bag“ mitnehmen.

Vor der Eröffnung des etwas anderen Feinschmecker-Tempels arbeitete Camara, die selbst drei Hunde hält, als Wissenschaftlerin. Joergen war früher Börsenhändler in New York. Er ist mit seinem neuen Leben zufrieden. „In Schweden gibt es seit 40 Jahren Hundefutter ohne Zusatzstoffe“, sagte er. „Ich komme aus einer Gastronomen-Familie und habe schnell erkannt, dass das in Brasilien eine Marktlücke ist“. Schließlich sei das Land der drittgrößte Markt weltweit für Hunde- und Katzenfutter. In Brasilien leben 32 Millionen Hunde, mehr gibt es nur in den USA. Ermutigt von seinem Erfolg hat das Paar bereits eine neue Geschäftsidee: Es will sein Gourmet-Futter abpacken und in den Kühltheken der Zoogeschäfte und Supermärkte der größten brasilianischen Städte verkaufen.