Geschenkideen

Der Valentinstag, wie Beate Uhse sich ihn vorstellt

Valentinstag Geschenkideen: Am 14. Februar ist wieder Valentinstag, der Tag der Liebe. Zu diesem schönen Anlass hat das Erotik-Versandhaus Beate Uhse sich ein Valentins-Spezialpaket für einen Tag voller erotischer Stunden zu zweit einfallen lassen. Unser Autor hat das Paket getestet – auf Herz, Nieren und auch sonst.

Der Valentinstag ist der Tag der Liebenden. Der Erotikversand Beate Uhse hat zu diesem Anlass ein "Valentinstags-Paket" mit erotischen Geschenkideen zusammengestellt. Darin: die Massagekerzen "Love Candle" und "Afterglow", der Duft "The Devil wears Divinity", das erotische Tagebuch "My Secret Fantasies", Massagemousse "Flores", eine "LED Light Show" für die Badewanne sowie das Satinkleid "Framboise". Auch ein Vibrator darf natürlich nicht fehlen. Als Gegenstück für den Mann ist das Masturbations-Ei "Tenga Egg Wavy" enthalten. Für Wagemutige sehen zudem zwei Leuchtwürfel Aktionen von "Nippel anfassen" bis "Ohrläppchen massieren" vor. Die soll man also im Dunkeln einsetzen. Interessant, dass man in der Welt der Beate-Uhse-Produktmanager Sex bei ausgeschaltetem Licht hat.

Doch es passt, denn wer ein "Valentinstagspaket" kauft, lässt vorm Auspacken auch schon mal die Rollläden runter. Vor allem, wenn es an das Brettspiel mit dem antiquierten Namen "Hot Affair" geht. Dessen Spieler sollen sich in drei Stufen dem Höhepunkt geradezu entgegenwürfeln. Das klingt wie eine Drohung, dabei sehen die Würfel doch ganz harmlos aus.

Mit meinem ersten Wurf lande ich auf dem "Auszieh-Feld" und muss (hihi!) mich einer Socke entledigen. Das "Trink-Feld" erlaubt uns einen Schluck Rotwein, den wir aber ohnehin schon reichlich trinken. Der entkrampfende Alkoholgenuss ist in der Beate-Uhse-Welt integraler Bestandteil des Vorspiels. Das Paket aus Flensburg bringt eben keine Enthemmung am Valentinstag, sondern eher Beklemmung: Die Materialien und das Design der Produkte erinnern stark an die Welt der Scherzartikel, und man braucht schon einen extremen Mangel an Fantasie, um solcher Stellungshilfen zu bedürfen.

Aber wie es der Spielplan will, stehe ich ein paar Minuten später nackt im Raum und meine Mitspielerin holt - so will es das Szenario namens "Der härteste Tellerwäscher" - Geschirrhandtücher aus der Küche, die sie dann ein ums andere über mein Gemächt hängt, bis es unter der Last der darüber gehängten Tücher nachgibt.

Ein Versuch, den ich übrigens in jungen Jahren mit Frotteehandtüchern schon mal gemacht habe, was sie sehr ulkig findet. Doktorspiele, Pubertätsjux, Flaschendrehen, das ist alles in allem der Masterplan des Valentinstagspakets.

Die nächste Karte will von uns, dass wir einander herzlich umfassen und dabei die Hüften kreisen lassen. Wie kann man da noch schnöde weiterwürfeln?

Immerhin erfahre ich durch das Spiel, dass meine Mitspielerin es erregend findet, dass mein Gürtel nun ("Auszieh-Feld"!) neben ihr auf dem Boden liegt. Man müsse für die Fesselspiele ja nicht nur ihre Plüsch-Handschellen einsetzen, da gingen doch auch mal Alltagsgegenstände. Der Höhepunkt des Spiels ist dann aber Folgendes:

Meine Mitspielerin, laut Karte eine "begeisterte Cheerleaderin", hat sich "beim Training die Oberschenkel auf der Innenseite gezerrt, was nur durch eine zupackende, die Verspannungen lockernde Massage" zu beheben ist. Sie nimmt also auf meinem Bett, Verzeihung: der Massageliege Platz. Wenn man dem Spielplan und den Anordnungen des Valentinstagspakets Folge leistet, benimmt man sich bald wie in einem Pornofilm aus den späten 70er-Jahren - und adaptiert magischerweise sogar deren leichtgewichtigen Dialogstil.

Ich lasse großen Ernst walten und frage - unter rhythmischen Griffen - in Medizinermanier: "Und? Was macht ihr denn so beim Training?" - "Alles, was der Trainer will", sagt sie unschuldig. "Und nimmt der euch hart ran?" Der Reiz, eine Mannschaft von Cheerleaderinnen dergestalt zu betreuen, springt über.

Man muss es den Leuten bei Beate Uhse lassen: Mit niederen Instinkten kennen sie sich einfach aus. Aber unsere Sexualkultur scheint sich fortentwickelt zu haben. Die Beklemmung, die die Beschäftigung mit den Uhse-Gimmicks hervorruft, ist vor allem eine Beklommenheit angesichts der altbackenen Sicht auf die Wesen von Verführung und Hingabe.

Dabei ist an Flaschendrehen an sich nichts auszusetzen, auch gegen Doktorspiele spricht nichts. Doch heute, da die Jugend nicht mehr Flaschen dreht, sondern Komasaufen und "Gangbangs" veranstaltet, ist eine härtere Gangart gefragt. Das Buch "My Secret Fantasies" fordert uns auf, unsere intimen Sehnsüchte hineinzuschreiben und es dann (obgleich abschließbar) offen herumliegen zu lassen, auf dass wir sie einander erfüllen. Kann funktionieren.

Die "LED Light Show" hingegen funktioniert nicht. Um die "erotische Unterwasserdisco" in unserer Badewanne kommen wir also herum. Ich sprühe mich mit dem Duft "The Devil wears Divinity" ein, der so riecht, wie der Name verspricht. Dazu passt das weinrote Satinkleid "Framboise" aus dem Paket, in das meine Freundin nun steigt. Sie sieht darin enttäuschend weihnachtlich aus. Überhaupt: "Framboise"? Zu Zeiten, als Karl Lagerfeld noch dick war, wurde er einmal nach seiner Lieblingsfarbe gefragt. "Sehen Sie, an mir ist alles noir", war seine Antwort. Lagerfeld ist Modeschöpfer. Beate Uhse aber sollte bei der Wahrheit bleiben: Das Kleidchen ist ganz eindeutig weinrot.

Das Problem des Valentinstagspakets ist das Wort Sexspielzeug. Nichts hat Klasse, vieles ist für den Einmalgebrauch gemacht, ähnlich wie ein Präservativ.

Als gäbe es nicht auch Produkte wie jene von Anbieter "Coco de mer" in London, wo ein schwedischer Auflegevibrator von Lelo schon mal 1000 Euro kostet, oder Betony Vernon aus Paris, die ihre High-End-Kreationen ausschließlich an einen handverlesenen Kreis von Kunden verkauft.

Aus dem Valentinstagspaket überzeugen uns immerhin die Massageprodukte: Mousse "Flores" ("for external use only") schießt schlürfend aus der Dose und prickelt und brizzelt auf der Haut, als hätte man eine heftig geschüttelte Dose Cola aufgerissen. Natürlich soll man einander die Schultern bearbeiten, aber hier besteht der Spaß vor allem darin, mit weiterem Schlürfen erbarmungslos nachzulegen und den Partner noch mal heftig abzuseifen.

Das Wachs der "Love Candle" zerläuft zu Massageflüssigkeit, die für wohlige Entspannung sorgt und eventuell noch vorhandene Erregung eher dämpft als treibt. Ich zum Beispiel fühle mich nach einer Love-Candle-Massage derart tiefenverwöhnt, dass ich mich quallenartig in die Küche stehle und sofort - nicht erst morgen - den dort heimlich aufgebauten "I love you"-Toaster betätige und meiner Testgefährtin ein mit "I love you" betoastetes Brot bringe. Sie tut zumindest überrascht - und fragt nach Leberwurst. Die fehlt im Paket, gehört dort aber unbedingt hinein.

Highlight der Zusammenstellung ist das "Tenga Egg Wavy" für den Mann. Im Werbespot aus Japan laufen frisch gefönte Küken durchs Bild und nach den Unschuldsvögeln erscheinen die harmlos pastellfarbenen Eier wie neueste Produkte der iPod-Nano-Kollektion. So etwas kann nur aus Japan kommen, dem Zentrum der heimtückischen Perversion.

In dem harmlos aussehenden Ei versteckt sich eine gallertartige Masse, die sich auf gut 20 Zentimeter ausdehnen lässt und in Konsistenz und Farbe an geschälte Litschi-Früchte erinnert, allerdings auf der Innenseite mit Noppen bestückt ist. Von allen Produkten ist es mir am liebsten im Gedächtnis geblieben. Mit Selbstbefriedigung kennt man sich bei Beate Uhse eben aus.