Fahrräder

Welches Fahrrad passt zu Ihnen?

Es ist das Fortbewegungsmittel der Stunde – und der Zukunft: das Fahrrad. Höchste Zeit, sich mit dem Drahtesel näher zu beschäftigen, denn es gibt inzwischen sehr viele Arten in die Pedale zu treten: Miet-Bikes von der Deutschen Bahn, Designer-Exemplare von Gucci oder solche, die man im Liegen radelt.

Auf zwei, manchmal auch drei Rädern verliert der steigende Ölpreis an Bedeutung, und welche Pläne zur Stauvermeidung auf Autobahnen gerade geschmiedet werden, kann Radfahrern auch herzlich egal sein. Für den Zukunftsforscher Matthias Horx ist das Fahrrad „der Gewinner der Klimadebatte“ – auch wenn der Rad-Anteil am Verkehr in Deutschland mit neun Prozent seit 1998 gleichbleibend niedrig ist. Zum Vergleich: In den Niederlanden ist er drei Mal so hoch. Überhaupt können wir von unseren Nachbarn Dänemark und Niederlande lernen, denn in beiden Ländern liegt die jährliche Radfahrleistung bei 1000 Kilometer je Einwohner – und das Wetter ist dort auch nicht besser. Hierzulande kommt man auf 300 Kilometer.

Eine Typologie der wichtigsten Radmodelle:

1. DB-Mietfahrrad

Die robusten Räder stehen in Berlin, München, Frankfurt, Köln, Stuttgart und Karlsruhe abfahrbereit an jeder zweiten Ecke. Im letzten Jahr verzeichnete die Bahn 485.000 Mietfahrten. Prominentester Miet-Radler: Tim Renner, Musikmanager und Ex-Chef von Universal Music. Er fährt fast nur noch mit den DB-Rädern. Es geht kaum praktischer: Man muss sich nicht um Reparaturen kümmern, und wenn es regnet, stellt man das geliehene Gut einfach ab. Ja, etwas lieblos ist die Beziehung zum Leihfahrrad schon, aber zeitgemäß.

2. Designerbike

Nach Markenbindung, also der tiefen Zuneigung zu einem bestimmten Hersteller, streben alle Markenartikler. Wer Mode sagt, der soll an Hermès oder Gucci oder Closed denken. Wer von Autos schwärmt, der soll von Audi oder Porsche träumen. Die Namen von Fahrradmarken sind nicht annähernd so bekannt. Diese Lücke nutzen Designerbikes. Ein Scott-

Mountainbike? Aha. Aber ein Mercedes-Fahrrad: Das ist bestimmt was Feines. Die Räder von Chanel, Audi und Co. sind also etwas für Leute, die nicht nur Wert auf Qualität, sondern auch auf Namen und Image legen. Das kann man albern finden. Andererseits erscheint im Vergleich zu Gucci-Hundenäpfen die Anschaffung eines Porsche-Fahrrads als geradezu bodenständig.

3. Hollandrad

Zu Unrecht hatte es jahrelang den Ruf eines Oma-Fahrrads, und das bloß, weil es etwas behäbig daherkommt und seinen Fahrer – ja, es gibt durchaus männliche Fans – aufrecht durch die Welt rollen lässt. Im Grunde ist das Hollandrad ein Fortbewegungsmittel für Menschen, die ihrer Umgebung offen und neugierig begegnen. Mit Haltung. Außerdem ist kein anderes Modell komfortabler auf innerstädtischen Kurzstrecken. Kein Wunder, dass das würdevolle Hollandrad immer mehr Liebhaber findet. Für manche Modelle gibt es beim Berliner Hollandrad-Spezialisten „Zweitrad“ sogar Wartezeiten von vier bis sechs Wochen. Mitverantwortlich für den Boom in der Hauptstadt waren die zugezogenen Bonner mit ihren Rädern.

4. Tourenrad

Ein Rad wie ein Funktionsanorak: in den seltensten Fällen elegant, aber eben ziemlich praktisch. Für die Pragmatiker unter den Fahrradfahrern geeignet, weil es für den Weg zur Arbeit genauso tauglich ist wie für Touren am Wochenende. Das einzige Unvernünftige: die 18 oder 21 Gänge, von denen man eigentlich nur drei braucht. Deutschlands berühmtester Radfahrer, der Grüne Hans-Christian Ströbele, gehört zu seinen Anhängern.

5. Liegerad

Irrsinnig bequem sollen sie sein, und trotzdem sind Liegeräder nur selten im Straßenverkehr zu sehen. Ihre Fahrer gelten als Sonderlinge, dabei gibt es einiges, was für die wunderliche Sitzposition spricht. Liegeräder sind zum Beispiel extrem schnell, erst recht, wenn sie stromlinienförmig verkleidet werden – der Weltrekord liegt bei 130,36 km/h. Schon seit 1934 wurden sie deshalb von den meisten Radwettbewerben ausgeschlossen. Waren Liegeräder in den 80er-Jahren nur etwas für passionierte Schrauber und Bastler, kann man sich heute Kurz- und Tieflieger einfach im Laden kaufen.

6. Elektrorad

Zum Radfahren gehört naturgemäß, dass man sich bewegt. Das muss man auch bei sogenannten Pedelecs. Nur werden die mit eingebautem Rückenwind geliefert. Man tritt, ein Motor hilft dabei. Das wirklich Tolle an den neuen E-Rädern ist, dass sie sich optisch kaum noch von anderen Rädern unterscheiden, weil die Antriebseinheit so klein ist. Elektroräder werden immer beliebter. Für 2008 rechnen Experten damit, dass die Deutschen 50 Prozent mehr E-Bikes kaufen als im Vorjahr. In China fahren schon 20 Millionen Radler mit elektrischer Unterstützung.

7. Rennrad

Brettharter Sattel, rasierklingenschmale Reifen, kauernd den Kopf in den Nacken gelegt, der Blick klebt auf dem Asphalt: Rennradfahrer sind keine Flaneure, sie sind auf ihr Ziel fokussiert. Für zufällige Begegnungen ist da kein Platz. Strenge

Rennradpuristen, also das, was die Veganer unter den Vegetariern sind, greifen inzwischen zum Bahnrad – auch im Straßenverkehr. Sie haben keine Gangschaltung, keinen Freilauf, selbstverständlich kein Schutzblech und keine Beleuchtung. Und eigentlich keine Bremse.

8. Mountainbike

In den 80er-Jahren war es ganz klar das Rad, das Männer und Jungen gleichermaßen besitzen wollten. Nicht so sehr, um damit querfeldein zu fahren, sondern eher, um besonders sportlich auf den Schulhof oder vors Büro zu rollen. Inzwischen ist eine Abkehr vom Mountainbike zu beobachten, in den letzten sechs Jahren ging der Marktanteil in Deutschland um vier Prozent auf nunmehr zwölf Prozent zurück. Stattdessen scheinen Crossbikes das Lieblingsspielzeug radelnder Großstädter und Fahrradkuriere zu werden. Sie zeichnen sich durch etwas dünnere Reifen und Rahmen aus. Es sind also Geländeräder für die Stadt, kurz: Was das SUV für Autofahrer ist, ist für Radfahrer das Crossbike.