Filmpremiere "Salt"

Angelina Jolies Leben ist wilder als je zuvor

Angelina Jolie zelebriert ihre Rolle als Supermutter. Den Adrenalinkick holt sich der Hollywoodstar allerdings woanders.

Wer weiss schon, wo Angelina Jolie sich gerade aufhält? Ist es Kambodscha, Los Angeles, New Orleans, Südfrankreich oder Venetien? In all diesen Ländern und Orten besitzt sie mit ihrem Partner Brad Pitt inzwischen Familien-Residenzen. Oder befindet sie sich gerade wieder auf humanitärer Mission in Afrika? Wie Phantome geistern Angelina und Brad Woche für Woche durch die bunten Blätter. Und manchmal fragt man sich, ob das Paar überhaupt existiert. Eines zumindest ist sicher: Ende Juni weilte Miss Jolie im luxuriösen „Ritz Carlton Hotel“ im mexikanischen Cancún. Denn dort gab sie die wenigen Interviews für ihren neuen Film „Salt“ (Start: 26.8.2010). Nur so viel sei auf Wunsch des Regisseurs verraten: Jolie spielt eine Geheimagentin. Punkt. Alles Weitere würde den Clou der Geschichte ruinieren.

Morgenpost Online: Wollen Sie Daniel Craig Konkurrenz machen?

Angelina Jolie: Ich habe tatsächlich mal einen Witz darüber gemacht, als ich mit der Produzentin dieses Films sprach. Das war, als Daniel seinen ersten „Bond“ drehte. Und ich meinte: „Ich würde gerne Bond spielen...“ (lacht). Ich hatte es schon völlig vergessen. Aber zwei Jahre später rief sie mich an und verkündete: „Ich glaube, ich habe deinen ‚Bond' gefunden.“ Wir wollten aber auf keinen Fall 007 kopieren. Das war mir wichtig. Wir haben sogar an einem ganz eigenen Kampfstil gearbeitet. Ich wollte nicht einfach das weibliche Bond-Abziehbild werden. Ich wollte etwas Eigenes.

Morgenpost Online: Die Actionszenen in „Salt“ sind jedenfalls ziemlich beeindruckend.

Jolie: Danke. Es freut mich, wenn ich Sie beeindrucken konnte.

Morgenpost Online: Mal ehrlich: Wie viele dieser halsbrecherischen Szenen spielen Sie noch selbst?

Jolie: Viel zu viele. Es wäre gut, wenn ich etwas mehr Angst und Respekt vor Gefahr hätte, denn meine Furchtlosigkeit grenzt manchmal an Dummheit. Ich kann Ihnen die entsprechenden Narben zeigen, um es zu beweisen... (lacht). Aber ich muss zugeben, dass ich es wirklich mag, wenn der Adrenalinspiegel steigt. Wenn es darum geht, irgendwo in die Tiefe zu springen, bin ich sofort dabei. Das macht mir keine Angst. Ich schließe einfach die Augen und springe.

Morgenpost Online: Wovor haben Sie Angst?

Jolie: Dass den Menschen, die ich liebe, etwas zustoßen könnte. Eigentlich ist es das Einzige, wovor ich mich überhaupt im Leben fürchte. So sehr, dass es mir manchmal schlaflose Nächte bereitet. Wenn es hingegen um mich selbst geht, ist mir das egal.

Morgenpost Online: Sind Frauen in Extremsituationen furchtloser als Männer?

Jolie: So pauschal kann ich die Frage nicht beantworten. Aber beim CIA habe ich extrem starke, knallharte Frauen getroffen. Und das war wirklich beeindruckend. Diese Frauen sahen aus wie süße, hübsche Mütter und waren härter als irgendjemand, den ich persönlich kenne. In der Armee kämpfen eine Menge Frauen in Kriegen überall auf der Welt. Und deswegen haben Frauen für mich definitiv das Potenzial, auch endlich die Hauptrolle in einem Actionfilm zu spielen. Komischerweise haben wir das bisher selten oder nie auf der Leinwand gesehen. Deswegen finde ich, es wurde höchste Zeit.

Morgenpost Online: Und Ihre Mission ist es, weltweit den Anteil von weiblichen Superhelden auf der Leinwand zu erhöhen?

Jolie: Ich hatte ja nun schon das Glück, einige Heldinnen und starke Frauen spielen zu dürfen. Und damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich bin ja nicht der Meinung, dass Heldinnen möglichst viele Waffen auf einmal abfeuern müssen, um heldenhaft zu sein. Vor allem Mütter sind für mich auch Heldinnen. Na ja, und dann gibt es da ja noch einige historische Frauenfiguren, deren Geschichte man mal verfilmen könnte. Ich will mich nicht beschweren, aber ein paar mehr Heldinnen in unseren Kinos wären natürlich nicht verkehrt.

Morgenpost Online: Hat Brad nicht manchmal Angst um Sie, wenn er sieht, was Sie da bei den Dreharbeiten veranstalten?

Jolie: Nein, Brad und ich haben uns ja bei einem Actionfilm kennengelernt. Und er weiß, dass ich großen Spaß an physischen Herausforderungen habe. Außerdem weiß er, was ich kann. Aber natürlich bittet er mich, manchmal zu kontrollieren, ob meine Sicherheitsleine auch wirklich richtig angeschlossen ist. Oder: Ich soll mich konzentrieren, wenn ich vom Dach springe. Seit wir Eltern sind, gehen wir beide sehr viel verantwortungsvoller mit Gefahren am Drehort um. Aber wir lieben nun einmal beide auch das Abenteuer.

Morgenpost Online: Brad hat ja tatsächlich selbst einige Erfahrung, wie man Filmschurken vor der Kamera ausschaltet. Welchen Rat hat er Ihnen für den Nahkampf gegeben?

Jolie: (Lacht)...Er war vor allen Dingen eine große Hilfe und Stütze. Ich hatte gerade Vivienne und Knox zur Welt gebracht und fühlte mich sehr, sehr mädchenhaft, weich und verletzlich. In dieser Stimmung sollte ich mich also mental auf diese harte Rolle vorbereiten. Das war nicht einfach. Ich hatte ja ein Jahr lang nicht gearbeitet, weil ich schwanger war. Wir haben dann viel zusammen trainiert. Beim Motorrad-Training war er zum Beispiel immer dabei.

Morgenpost Online: Was halten eigentlich Ihre Kinder von Ihren Filmen?

Jolie: Da sollten Sie eigentlich besser meine Kinder fragen. Sie sind gerade im Swimmingpool. Sie haben kürzlich zufällig den Trailer gesehen. Die Hälfte von ihnen war völlig uninteressiert. Shilo meinte, ich solle mir die Haare kurz schneiden lassen. Und Pax regte sich auf, weil er dachte, dass jemand seiner Mutter etwas antut. Ich musste ihm dann erklären, dass alles in Ordnung ist. Um ganz ehrlich zu sein, ich glaube, dass sie manchmal ziemlich durcheinander sind. Sie wissen nicht so wirklich, was sie vom Beruf ihrer Eltern halten sollen. Schon meine unterschiedlichen Haarfarben finden sie irritierend. Und es scheint extrem wichtig für sie zu sein, zu wissen, dass mir nicht wirklich etwas passiert ist. Denn in meinen Filmen geht es ja schon recht wüst zu.

Morgenpost Online: Wie vermitteln Sie den Kindern, was Spiel und was Realität ist?

Jolie: Ich versuche den Alltag mit ihnen zu leben, auch wenn das manchmal schwierig ist, wenn du einen Film drehst. Aber in der Mittagspause essen wir zusammen und spielen etwas. Sie dürfen dann auch in die Maske, um sich schminken zu lassen oder Perücken aufzuprobieren. Auch, wenn unser Leben manchmal außergewöhnlich ist, soll es für sie doch so normal wie möglich sein.

Morgenpost Online: Was ist Ihnen am wichtigsten im Leben?

Jolie: Die Erziehung meiner Kinder und zu sehen, wie sie aufwachsen. Ich habe das Gefühl, je älter sie werden, desto mehr muss ich für sie da sein. Noch ist es relativ einfach, mit ihnen zu reisen. Aber irgendwann werden sie ihr eigenes Leben mit eigenen Freunden wollen. Und auch an dieser Phase möchte ich teilhaben und sie unterstützen.

Morgenpost Online: Das heißt, mit den ewigen Reisen ist dann irgendwann Schluss?

Jolie: Ich hoffe nicht. Ich glaube ja, sie sind auch schon ein bisschen reisesüchtig, genau wie ihre Eltern.

Morgenpost Online: Wie behalten Sie den Überblick auf Ihren Reisen?

Jolie: Machen Sie sich keine Sorgen. Nur, wenn es ums Packen geht, bin ich ein bisschen verrückt und chaotisch. Zu Hause macht man sich bereits über mich lustig. Na ja, wahrscheinlich könnte ich etwas mehr Schlaf gebrauchen.

Morgenpost Online: Sie wünschen sich nicht manchmal auf eine einsame Insel mit Ruhe und Zeit zum Nachdenken?

Jolie: Nein, ich mag diesen Rummel zu Hause. Ich wache auf, und es liegen bereits vier Kinder mit mir im Bett. Und dann kommt Brad mit den Zwillingen dazu. Das mag sich ein wenig chaotisch anhören, aber es ist genau die Wärme und der Halt, die ich immer in meinem Leben wollte.

Morgenpost Online: Und Sie sehnen sich nie nach den wilden Zeiten in Ihrem Leben zurück?

Jolie: Ach, mein Leben ist heute wilder, als es jemals zuvor war...(lacht).

Morgenpost Online: Es gibt Gerüchte, wir werden Sie und Brad wieder zusammen in einem Film sehen: Als Marcus Antonius und Kleopatra, wie einst Elizabeth Taylor und Richard Burton.

Jolie: Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, was ich als Nächstes spielen werde. Aber es stimmt, man arbeitet gerade an diesem Projekt, wir haben allerdings noch kein fertiges Drehbuch gesehen. Wir haben schon miteinander darüber geredet, aber Brad dreht jetzt sowieso erst einmal einen ganz anderen Film. Und dann werden wir sehen.