Haute Coiffure

Für Charlie Le Mindu ist Echthaar der neue Pelz

Der Friseur und Perückenmacher Charlie Le Mindu nutzt Haare nicht nur für seine exzentrischen Kopfputze, die unter anderem auch Lady Gaga trägt. Für den Franzosen ist Echthaar auch das Material der Wahl, wenn es um Mode geht: "Haute Coiffure" nennt Le Mindu seine Kreationen, die mehr seltsam als schön sind.

Mit seinen Perücken veredelt er Lady Gaga und Peaches Geldof den Kopf. Charlie Le Mindu ist derzeit einer der gefragtesten Friseure der Mode- und Musikbranche. Bekannt wurde er in Berlin, wo er mit seinem mobilen Salon durch die Clubs zog und feierwütigen Menschen die Mähne stutzte.

Morgenpost Online: In Berlin haben Sie Nachtschwärmern eine neue Frisur verpasst. Wie viele Leute haben sich am nächsten Morgen über ihr Aussehen beschwert?

Charlie Le Mindu: Eigentlich niemand. Ich habe immer sehr darauf geachtet, dass die Menschen nicht zu betrunken und noch im Besitz ihrer Entscheidungskraft waren.

Morgenpost Online: Wie kamen Sie auf die Idee mit einem mobilen Salon durch Clubs zu ziehen?

Le Mindu: Das Berliner Nachtleben ist das beste überhaupt. Am Tag dagegen ist Berlin nicht schön. Es lag also auf der Hand, nachts durch Clubs zu tingeln, um Haare zu schneiden.

Morgenpost Online: Seit wann beschäftigen Sie sich mit Haaren?

Le Mindu: Mit sechs Jahren rasierte ich meinen Barbiepuppen die Pferdeschwänze ab, mit dreizehn Jahren begab ich mich dann in die wirkliche Welt der Coiffeure und machte eine Ausbildung in einem Friseursalon. Bis heute ist meine Berufung das Haar. Ich könnte die Welt ändern, wenn jeder eine Le Mindu-Frisur hätte. Alle Menschen wären glücklich und würden lachen.

Morgenpost Online: Haare sind auch in den Kollektionen von Maison Martin Margiela, Givenchy und Sonia Rykiel ein wichtiges Thema. Kommen Frisuren zurück?

Le Mindu: Designer haben endlich erkannt, dass man mit Haaren anstellen kann, was auch immer man will. Natürlich arbeiten Modeschöpfer und ich unterschiedlich. Doch wir beide nutzen Haar als Material in derselben Weise wie Pelz. Haar ist der neue Pelz! Zum Glück: Es ist besser, Menschenhaar zu gebrauchen, als Tiere umzubringen.

Morgenpost Online: Woher beziehen Sie das Haar für Ihre Perücken?

Le Mindu: Die Herkunft der Haare entscheidet, wofür ich es einsetze. In meiner nächsten Kollektion nutze ich ausschließlich brasilianisches Haar, weil es das stärkste ist und am meisten glänzt. Oft benutze ich aber auch russisches Haar, das sich wunderbar färben lässt.

Morgenpost Online: Was inspiriert sie zu Ihren Perücken?

Le Mindu: Alles, was nicht in direktem Zusammenhang mit Mode steht. Manchmal ist es ein Hund, dann wieder ein Gebäude.

Morgenpost Online: Sie haben viele prominente Kunden. Eine davon ist Lady Gaga.

Le Mindu: Gaga ist großartig. Sie nutzte meine Lippenperücke in ihrem Videos "Bad Romance". Lady Gaga ist lustig und jung und sie ist genauso ein Freak wie ich es bin.

Morgenpost Online: Wie sieht denn Lady Gagas echtes Haar aus?

Le Mindu: Keine Ahnung. Ich denke, sie wurde mit einer Perücke geboren.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass in der Zukunft Menschen mit Perücken auf die Straße gehen werden, so wie Lady Gaga sie auf der Bühne trägt?

Le Mindu: Ich wünsche es mir. Aber ich glaube, dass viele Leute einfach zu langweilig dafür sind. Und langweilige Leute sollten auch langweilig aussehen. Wenn langweilige Menschen eines Tages zu meinen Perücken greifen, wäre ich richtig angepisst. Nur ganz besondere Leute sollen meine Haarkreationen tragen.

Morgenpost Online: Sie reden oft von "Haute Coiffure". Was bitte ist das?

Le Mindu: Es geht darum, Haare für den Laufsteg zu kreieren. Frisuren, die groß und extrem sind, aber sexy. In den 90er Jahren gab es Haute Coiffure. Ich bringe diese Kunst wieder zurück auf den Laufsteg.

Morgenpost Online: Welche neuen Frisuren empfehlen Sie für diese Saison?

Le Mindu: Männer sollten sich ein Kreuz auf den Oberkopf rasieren lassen. Frauen empfehle ich, mit Lockenwicklern auf die Straße zu gehen.

Morgenpost Online: Was ist schlecht für Haare?

Le Mindu: Kaltes Wasser greift die Haarstruktur an.

Morgenpost Online: Wie wird Ihre neue Kollektion aussehen?

Le Mindu: Sie ist depressiv. Ich verbinde sie mit Dunkelheit. Beerdigung. Tod.

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