Kleidergrößen

Männer, bald sitzen eure Anzüge wieder besser!

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Angelika Bruder

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Verwirrende Gößen und falsche Passformen beim Kleiderkauf könnten bald der Vergangenheit angehören. Nach einer umfassenden Neu-Vermessung kann die Bekleidungsindustrie zukünftig mit den aktuellen Körpermaßen der Deutschen arbeiten. Höchste Zeit: Die alten Maßtabellen stammen aus den Sechzigerjahren.

Deutschland bekommt neue Größen: Im Rahmen der Reihenmessung „SizeGermany“ wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren die Körper von insgesamt 13.362 Männern, Frauen und Kindern aus dem ganzen Bundesgebiet im Alter von 6 bis 87 Jahren digital vermessen. Dabei wurden mit einem 3D-Scanner mehr als 70 verschiedene Maße genommen.

Aus dem Datenpool haben die Hohensteiner Institute neue Körpermaß- und Marktanteil-Tabellen erarbeitet, die der Industrie künftig als Grundlage für die Herstellung von Bekleidung mit einer besseren Passform dienen werden. Damit sollen die Kleidergrößen in Zukunft besser den aktuellen Proportionen der Deutschen auch in ihrer jeweiligen Altersgruppe entsprechen.

Maße für Männer auf dem Stand der Sechzigerjahre

Vor allem für Männer erwarten sich die Hohensteiner Institute eine deutliche Verbesserung beim Kleiderkauf von der Stange. Denn die heute noch gültigen Körpermaßtabellen für die männliche Bevölkerung beruhen auf Daten aus den 1960er-Jahren, als der Durchschnittsmann noch sechs Zentimeter kleiner war als heute.

Bei den Frauen und Mädchen werden zwar etwa alle zehn Jahre Reihenmessungen durchgeführt. Die darin nachgewiesenen Veränderungen sind aber schon bisher so groß gewesen, dass weitere Anpassungen wahrscheinlich sind: Im Durchschnitt lag der Brustumfang bei rund 10.000 Frauen 1994 nämlich um 1,7 Zentimeter über dem von 1981, der Taillen- und Hüftumfang jeweils sogar um 2,2 Zentimeter. Als Ergebnis der Reihenmessung von 1994 wurde deshalb zum Beispiel für die Kleidergröße 40 der Taillen- und Hüftumfang um jeweils zwei Zentimeter vergrößert. Bei Größe 34 nahm der Hüftumfang sogar um 2,5 Zentimeter zu, bei Größe 52 wurde er dagegen geringfügig reduziert.

Der Trend zu immer ausladenderen Formen wurde 1999 bei einer Vermessung von rund 1.500 Frauen für die Miederwaren-Industrie bestätigt. Gegenüber 1994 wurde erneut eine Zunahme des durchschnittlichen Brust-, Taillen- und Hüftumfangs festgestellt.

Fast 60 Prozent der Frauen haben zu schmale oder zu starke Hüften

Doch was heißt schon Durchschnitt, wenn nur ein Fünftel der Frauen die in den Standardkleidergrößen angenommenen Proportionen aufweisen – egal ob in Größe 36 oder 46? Nach der Reihenmessung von 1994 liegt das unter anderem daran, dass mit fast 60 Prozent die weitaus meisten deutschen Frauen entweder zu schmale oder zu starke Hüften haben. Hinzu kommt, dass sich die Figur im Laufe eines Lebens unabhängig vom Gewicht verändert.

So schrumpft etwa die Körpergröße mit zunehmendem Lebensalter unter anderem wegen der nachlassenden Elastizität der Bandscheiben. Entsprechend sind ältere Menschen in der Regel allein schon aus diesem Grund kleiner als jüngere. Aber auch die besseren Lebensverhältnisse der Menschen im Nachkriegsdeutschland haben die Körpergröße der Jüngeren anwachsen lassen.

Das Längenwachstum der jungen Bevölkerung scheint allerdings inzwischen zu stagnieren, wie Konrad Zellner vom Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität auf der Grundlage von regelmäßigen Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen festgestellt hat. „Beim Gewicht ist das leider nicht der Fall“, weiß der Forscher.

Eine Steigerung der Körperhöhe ist nach Zellner in der Regel einerseits darauf zurückzuführen, dass die Lebensverhältnisse der Menschen besser werden, vor allem was Ernährung und Gesundheitsverhältnisse angeht. Hinzu kommen genetische Faktoren, die eine gewisse Bandbreite von Größen vorgeben. „Es könnte sein, dass wir uns allmählich dem oberen Ende dieser Bandbreite nähern“, sagte der Wissenschaftler. Allerdings könne niemand sagen, wie diese Bandbreite festgelegt sei.

( AP/lha )