Chanel-Schau in Venedig

Karl Lagerfeld zeigt Sommermode – am Strand

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Seinem Ruf als Meister der (Selbst-)Inszenierung wurde Karl Lagerfeld einmal mehr gerecht. Seine Cruise Collection 2009/2010 für Chanel zeigte der Designer dort, wo Sommermode hingehört: am Strand. Eine exklusive Gästeschar erlebte am Lido von Venedig eine Hommage an die 20er-Jahre – und an Coco Chanel.

Coco Chanel war verliebt in Venedig – die Stadt am Lido war eines der bevorzugten Urlaubsziele der französischen Modeschöpferin. Ab 1919 kam sie beinahe zehn Jahre lang jeden Sommer in die Lagunenstadt, wo sie auch den russischen Ballett-Impresario Sergei Djagilew kennenlernte, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband. "Coco am Lido" nannte ihr Nachfolger Karl Lagerfeld in Anlehnung daran die Präsentation seiner Cruise Collection 2010 für Chanel, die der Designer – wo sonst – am Lido in Venedig ausrichtete.

350 Gäste hatte Lagerfeld an den Privatstrand des Hotel Excelsior geladen; die exklusive Gefolgschaft lagerte auf Tagesbetten, die Füße im Sand, mit Aussicht auf den hölzernen Laufsteg und das nahe Meer. Im Licht der Dämmerung wirkte die Szenerie wie ein Ausschnitt aus Luchino Viscontis Filmklassiker "Der Tod in Venedig", und das war wohl kein Zufall. Karl Lagerfeld, ein Meister der Inszenierung, hatte den Ort ganz bewusst gewählt, um an die dekadente Atmosphäre der 20er-Jahre zu erinnern. Sie hatte ihm, wie sich zeigte, als Inspiration für seine Kollektion gedient.

Der Designer zeigte große, Edwardianisch anmutende Dreispitzhüte, viel cremefarbene Spitze, transparente Seidenblusen, verspielte, einteilige Badeanzüge, maritim Gestreiftes und fein Gestricktes für kühle Abende am Strand. Zur exquisiten Mode labte sich die Gesellschaft – für Modebranchen-Verhältnisse recht frugal – am ausgeschenkten Wein und Champagner. Am späteren Abend stürmten Models und Gäste zu den Hits der ABBA-Coverband "Disco Inferno" die Tanzfläche.

Karl Lagerfeld hatte mit dem Abend einmal mehr seine Mission erfüllt, die Präsentationen seiner Chanel-Kollektionen zu Ereignissen zu machen, über die man in der Branche noch lange spricht. Zur Feier des Tages schenkte er der Peggy-Guggenheim-Stiftung, die das Erbe der legendären Kunstmäzenin und Venedig-Bewohnerin verwaltet, eine von Coco Chanels Sonenbrillen aus seinem Besitz. Auf die großzügige Gabe angesprochen, kommentierte Lagerfeld gewohnt lakonisch: "Was soll ich denn damit? Ich habe doch meine eigene Sonnenbrille."

( lha )