Outlet-Stores

Markenware zum Schnäppchenpreis

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Manuela Blisse

Der Stiefel ist ein Traum. Dunkelbraun, hoher Absatz, elegante Spitze. Ein Designermodell, das perfekt zu den angesagten Kurzkleidern oder zur Röhrenjeans passt. Unschlagbar der Preis: Statt 329 nur noch 129 Euro. Dass der Stiefel aus der letzten Herbst-/Winterkollektion stammt, sieht man ihm nicht an.

Im Gegenteil, er könnte auch ein aktuelles Fußkleid sein. Einziger Haken: Das Einzelstück ist nur noch in Größe 41 vorrätig.

Wer gerne shoppen geht, hat längst die Fabrik-Outlets entdeckt und weiß, dass man dort einerseits viel Geld sparen kann. Andererseits gibt es nicht jedes Stück in allen Größen - was verkauft ist, wird nicht nachgeordert. Outlet-Jäger müssen zuweilen Geduld haben. Nach dem Shoppen ist vor dem Shoppen gilt auch hier, nicht immer wird man fündig.

Saisonbeginn besonders attraktiv

"Die größte Auswahl gibt es am Anfang der Saison", weiß Gabriele Fischer, Storemanagerin von Blacky Dress und Jean Paul im Designer Outlet B5 in Wustermark. Etwa 2500 Teile hängen bei ihr auf 120 Quadratmetern. Von Wühltischen oder gestapelten Kartons ist dort keine Spur. Der Outlet-Shop sieht aus wie eine Boutique, einzig die zahlreichen "Sale"-Schilder und durchgestrichenen Originalpreise machen den Unterschied klar. Was angeboten wird, ist alles andere als kalter Mode-Kaffee. "Es ist ein Mix aus der letzten Saison, aus aktueller Ware, die bei uns rund drei Monate nach dem normalen Einzelhandel ankommt, 1-b-Ware und Musterteilen", beschreibt sie das Spektrum aus Überhängen und Vorsaisonware, wie es in Factory-Outlets zu finden ist.

Wer kauft, spart. 30 bis 50 Prozent sind die Regel. Immer wieder findet man auch Schnäppchen mit 70 Prozent Rabatt; Umtausch ist dafür allerdings häufig ausgeschlossen. Im B5-Center kann man die Probe aufs Exempel machen. Bei Mango warten Sommerkleider ab 19,90 Euro auf Fashionvictims, bei Hallhuber sind kecke Kurzstrickjacken für unter 10 Euro zu haben.

Konnte man bislang dem B5-Center das fehlende Flair, wie es etwa in Zweibrücken oder im Wertheim Village bei Frankfurt zu finden ist, vorwerfen, darf man sich nun auf eine schöne, neue Designeroutlet-Welt freuen. Mac Arthur Glen investiert 80 Millionen Euro in den Neubau, dessen Grundsteinlegung Anfang Oktober hinter dem Nike-Outlet stattfand. "Im ersten Bauabschnitt entsteht bis zum Frühsommer ein märkisches Dorf mit etwa 40 Shops", sagt Center-Sprecherin Connie MacFarlane, "dann wird das bisherige Center abgerissen. Im Sommer 2010 eröffnen wir das neue, 21 000 Quadratmeter große Designeroutlet mit insgesamt 120 Shops."

Für Berliner ist die Fahrt ins B5-Center ein größerer Ausflug, von der City ist man nicht selten eine Stunde unterwegs. Outlets gibt es aber auch direkt im Stadtzentrum. In Wedding etwa. Der Ortsteil von Mitte ist alles andere als eine exklusive Shopping-Meile. Bei Marc Cain aber ist das anders. Auf etwa 600 Quadratmetern hängen cirka 5000 Teile der Edelmarke, die Preise liegen derzeit zwischen 15 und 1599 Euro. Es spricht für sehr gute Designer, dass auch hier ein Stück aus dem Winter 07/08 immer noch absolut hip ist. "Capes, bei uns ab 239 Euro, sind auch jetzt ein Must-Have", weiß Modeberaterin Patrycja Goltz.

Angebote in Übergrößen

Auf dem Gewerbehof ist seit Juli ein weiteres Outlet zu finden: Ulla Popken. Mode für große Größen, von 42 bis 62/64, hat dort auf 750 Quadratmetern Platz. "Vorjahresware ist 40 Prozent günstiger, Aktuelles mit kleinen Fehlern 70 bis 80 Prozent, hinzu kommen monatlich Sonderaktionen", sagt Modeberaterin Duygu Kacargil.

Jung, leger, sportlich - das ist das Konzept von Marc O'Polo. Schon seit 1992 gibt es den 400 Quadratmeter großen Outlet-Store am Kaiserdamm. "Hier findet man Stücke aus dem vergangenen Jahr, die etwa 30 bis 40 Prozent reduziert sind, 2. Wahl und Musterteile sind 50 bis 70 Prozent preiswerter, zu den Schlussverkaufszeiten gibt es weitere Reduktionen ", sagt Shop-Managerin Marietta Langner-Thiele.

Wenn auch der Rotstift regiert, so bedeutet dies nicht grundsätzlich Shirts für 5 Euro. Wenn man bei Fashionesta in der Marburger Straße einen Herrenmantel für 249 Euro bekommt, klingt das erst einmal nicht nach einem Schnäppchen. "Das ist es jedoch, denn der Mantel ist von Helmut Lang und kostet eigentlich 480 Euro", sagt Inhaber Robert Erlbaum. Der kleine Laden führt - mit Ausnahmen - Topdesigner aus Italien, wie etwa Versace, Cavalli und Dolce & Gabbana. Auch in den Hackeschen Höfen muss man gut bei Kasse sein: Mäntel um 400 Euro, Jacken ab 250 Euro - dafür aber trägt man dann ein Stück aus edler, fester Wolle der Berliner Designerin Lisa D. und hat 20 bis 50 Prozent gespart. "Accessoires von Lisa D., wie Kappen und Mützen aus Wolle gibt es aber schon für 30 bis 50 Euro", verrät Modeberaterin Franziska Boos.

Alle Becon-Shops mit Fabrikpreisen

Im günstigen Preissegment agiert Becon Berlin. Alle fünf Berliner Shops bieten Fabrikverkaufspreise. Im "Fabrikladen" in einem denkmalgeschützten Friedrichshainer Gewerbehof, wo einst geschlachtet wurde, spart man noch mehr. "Hier bieten wir die größte Auswahl an Reduktionen bis zu 70 Prozent an", sagt Koordinator Gerald Ott. Anzüge, die regulär um die 400 Euro kosten würden, sind für etwa 260 Euro zu haben, zur Auswahl stehen insgesamt etwa 2000 bis 2500 Anzüge. Langarm-Hemden gibt es ab 30 Euro, Seiden-Krawatten für knapp 25 Euro.

Der Produzent schlechthin für Krawatten und Schleifen ist Jürgen Stange. Zu seiner Produktionsstätte in Teltow bei Berlin gehört auch ein Fabrikverkauf. "Manchmal wundere ich mich, dass die Leute so weit zu uns hinausfahren", gesteht der Schleifen-Fan. Ein Wunder ist das nicht. Etwa 2500 Artikel - selbstredend auch in der Wintertrendfarbe Lila - warten auf Kundschaft, für Krawatten und Schleifen, die im Handel 45 bis 49 Euro kosten, muss man dort nur 29 Euro berappen.

Was Krawatten für Männer sind, sind Schuhe für Frauen. Leiser hat an der Neuköllner Grenzallee seinen Lagerverkauf im Frühjahr "vom Grabbeltisch-Image", wie Abteilungsleiterin Daniela Strebe weiß, befreit, die Ware aus der letzten Saison und vereinzelte Restposten um Neuware ergänzt. Bei "Trippen" sind zu den witzig-schönen Holzschuhen auch Lederschuhe mit Gummisohle hinzugekommen. Seit Juni sitzt das Berliner Unternehmen an der Köpenicker Straße in Kreuzberg - Restschuhe sind hier im Schnitt um die Hälfte reduziert. Hauptgeschäft und Outlet an einem Standort, das bietet Riccardo Cartillone. Der Trend-Schuhladen offeriert am Savignyplatz 5 seine brandneue Kollektion, schräg gegenüber, im Haus Nummer 4, reihen sich ältere und aktuelle Modelle aneinander, auch dort ist so mancher Stiefel von etwa 370 Euro auf 160 Euro gesunken. Passender, um noch in einem anderen Outlet zu shoppen, wäre ein Peeptoe oder anderer atemberaubender Pumps von Cartillone.

Im Viktoria Quartier in Kreuzberg feiert im November Fashion-Art sein einjähriges Bestehen. Im restaurierten einstigen Pferdestall dreht sich alles um den festlichen Auftritt. "Etwa 5000 Abendkleider aus Überhängen oder als Musterteile findet man bei uns", sagt Hersteller André Schnaudt, der eigentlich nur von glücklichen Kundinnen umgeben ist. Denn die einen suchen nach der perfekten Robe für ihren Abi-Ball, die anderen nach einem Kleid fürs Standesamt oder sind Hochzeitsgäste, die der Braut nicht die Show stehlen, aber doch schön aussehen wollen.