Talkshow

„Maischberger“: Harte Kritik an Scholz – „Merkel hoch zwei“

Bei „Maischberger“ ging es erneut um den Ukraine-Krieg: Im Durcheinander um Waffenlieferungen gibt es scharfe Kritik am Bundeskanzler.

Von Sebastian Kohler
Multitalent Sandra Maischberger im Porträt

Multitalent Sandra Maischberger im Porträt

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Berlin. Die russische Invasion fokussiert sich nach den Rückschlägen um Kiew und Charkiw zunehmend um die Küstengebiete am Schwarzen Meer. Während die ukrainische Armee im Süden des Landes Putins Truppen erbitterten Widerstand leistet, stellt sich die Frage nach den Kriegszielen – und der Rolle Deutschlands. Im ARD-Talk „Maischberger“ sprach CDU-Politiker Norbert Röttgen der Ampel-Koalition den Willen ab, schweres Gerät an die Ukraine zu liefern.

Dass die Bundesregierung um Kanzler Olaf Scholz hinter der Ukraine steht, daran hatten die Talkgäste keine Zweifel. Den zuvor geäußerten Vorwurf des CDU-Politikers Roderich Kiesewetter, Scholz wolle gar nicht, dass die Ukraine den Krieg gewinnt, bezeichnete Journalist Christoph Schwennicke als „absurd“. Kritik wurde stattdessen an der Kommunikation des Kanzlers laut. Kabarettist Florian Schroeder warf Scholz mit Blick auf seine Erklärungsunlust vor: „Er versucht Angela Merkel hoch zwei zu sein, plus Arroganz.“

„Maischberger“ – Das waren die Gäste:

  • Ralf Stegner, SPD-Politiker
  • Norbert Röttgen, CDU-Politiker
  • Kurt Krömer, Komiker
  • Christoph Schwennicke, Journalist
  • Anna Mayr, „Zeit“-Redakteurin
  • Florian Schroeder, Kabarettist

„Zeit“-Redakteurin Anna Mayr äußerte zumindest Verständnis für die Empfindung, Entscheidungen werden aufgeschoben. Dabei machte sie am Beispiel der Leopard-Panzer deutlich, an wie vielen Faktoren die Lieferungen hängen können. So sperrt sich Munitionsproduzent Schweiz gegen die Bereitstellung der Projektile. Mayr war es auch, die die Unklarheit ums Kriegsziel in Worte fasste: „Was heißt eigentlich gewinnen und verlieren? Das weiß auch gerade niemand.“

„Maischberger“: Streit um Waffenlieferungen

Der Hauptschauplatz des Talkabends fand auf der Nebenbühne statt, wo sich SPD-Politiker Armin Stegner gegen den Vorwurf von CDU-Mann Nobert Röttgen wehrte, es mangele am politischen Willen zu Waffenlieferungen. Zunächst zeigte sich Stegner aber entsetzt über Kiesewetters Angriff auf den Kanzler, der gestern mit der Unterstellung nachgelegt hatte, der Kanzler sende „versteckte Signale“ nach Russland. „Bei Krieg und Frieden kann man sehr wohl Opposition üben, aber das ist ein buchstäblicher Verratsvorwurf.“

Röttgen mühte sich, das Augenmerk auf das Kriegsziel zu richten, und rügte seinerseits den Kanzler: „Er hat kein einziges mal den Satz gesagt ‚Ukraine soll den Krieg gewinnen‘.“ Das Ziel müsse es sein, den „status quo ante“ herbeizuführen, also Putins Truppen bis hinter die Linien zu drängen, die sie am ersten Tag des Angriffskriegs überschritten hatten. Hier geriet Stegner in die Defensive. Er warnte vor einer weiteren Eskalation und versprach, Deutschland werde „keine Alleingänge unternehmen“. Es müsse verhindert werden, dass der Krieg auf die Nato überschwappt und Deutschland als Kriegsteilnehmer in die Gefechte hineingezogen werde.

Dann sprach Sandra Maischberger den politischen Elefanten im Raum an. Polens Präsident Andrzej Duda hatte der Bundesrepublik im Zuge des Ringtauschs Wortbruch vorgeworfen, da versprochene Kampfpanzer noch nicht eingetroffen seien. „Dieses nicht Erfüllen hat in ganz Osteuropa riesige Enttäuschung ausgelöst“, klagte Röttgen über den nicht vollzogenen Ringtausch. Er warf der Regierung vor, überhaupt keine schweren Waffen liefern zu wollen.

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Mit Verweis auf Absprachen mit den amerikanischen, britischen und französischen Verbündeten bezeichnete Stegner den Vorwurf der Zögerlichkeit als „falsch“. Duda, so Stegner „hat die Wahrheit auch nicht für sich gepachtet“. Die Leopard-Panzer, die als Ersatz für die in die Ukraine gelieferten Panzer sowjetischer Bauart in Polen erwartet werden, würden im Ringtausch laut Vertrag geliefert, „so schnell wie möglich“.

Kurt Krömer spricht über seine Depressionen

Bereits seit 30 Jahren unterhält Kabarettist Kurt Krömer mit trocken-bissigem Humor seine Fans. Doch das pampige Bühnen-Naturell müssen nicht nur seine oft mutigen Interview-Gäste erdulden. Sie spiegeln die Gefühlsniederungen wider, die der Komiker aus jahrzehntelangen Depressionen kennt. „Teils habe ich einfach gedacht ich bin bösartig“, so der 47-jährige Berliner, „wenn alles gut ist und du nur rumnölst.“ Aus der Selbstreflexion entstand Krömers drittes Buch mit dem Titel „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst: Meine Depressionen“.

„Wir haben zusammen 2010 den Fernsehpreis zusammen moderiert“, erinnert sich Maischberger. „Da warst du schon krank?“ „Als ich dich kennengelernt hab, gingen die Lichter aus danach“, erzählte der vierfache alleinerziehende Familienvater. Ein halbes Jahr später sei er zusammengebrochen. Bei einem Spaziergang in München hatte er seine erste Panikattacke, „ich dachte, so fühlt sich das an, wenn man stirbt“. Einhergegangen seien die Depressionen mit einer Alkoholsucht. Die zu besiegen, sei der erste Schritt gewesen. Mittlerweile sei er seit knapp elf Jahren trocken.

Zur Ausgabe von „Maischberger“ in der ARD-Mediathek

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Dieser Artikel erschien zuerst bei www.waz.de.