ZDF-Talk

"Markus Lanz": Omid Nouripour will Grünen-Chef werden

Die Stimmung bei den Grünen ist nicht gut. Doch Omid Nouripour lässt sich nicht beirren, bei "Lanz" gibt er seine Kandidatur bekannt.

Von Karina Krawczyk
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin. Omid Nouripour wird neuer Grünen-Parteichef. Na ja, der digitale Parteitag Ende Januar muss das erst noch entscheiden. Aber er wollte sich um die Position des Parteivorsitzenden bewerben, gab der Frankfurter MdB, der bei der Bundestagswahl mit 29 Prozent Stimmanteil sein Direktmandat geholt hatte, bei "Markus Lanz" bekannt.

"Halleluja", kommentierte da knapp Ann-Kathrin Büüsker vom Deutschlandfunk das offizielle Bewerbungs-Bekenntnis: "Damit kann man arbeiten."

Auch Markus Lanz freute sich über die klare Ansage. Und hakte gleich nach, mit welcher Kandidatin Omid Nouripour dann wohl die Grünen-Doppelspitze bilden wollte: Ricarda Lang? "Ich bin nicht mandatiert, für andere zu sprechen", verweigerte der hessische Grüne lachend einen weiteren Kommentar. Dann aber ließ er erkennen, dass er den Vorschlag gut annehmen könnte: "Ricarda ist super sortiert und klug."

"Markus Lanz": Diese Gäste waren am Donnerstag dabei:

  • Omid Nouripour (Grüne), Politiker
  • Ann-Kathrin Büüsker, Journalistin beim Deutschlandfunk
  • Hendrik Streeck, Virologe
  • Bernd Böttiger, Arzt und Kölner Klinikchef

Da war es schon viertel nach zwölf, als dieser "Lanz"-Talk doch noch die Kurve kriegte und wenigstens die letzten 20 Minuten der Sendung "etwas Handfestes" lieferten. Gerade Ann-Kathrin Büüsker, das erste Mal bei "Markus Lanz", trug mit frischen Analysen viel zum Verständnis bei, warum die BÜ‘90/ Grünen gerade in einer schwierigen Situation steckten, obwohl sie doch mit der erreichten Regierungsverantwortung am Ziel ihrer Wünsche waren.

Warum Cem Özdemir Bundeslandwirtschaftsminister wird

"Mit alten Parteikämpfen zwischen Realos und Fundis" hatte das giftgrüne Ministerposten-Duell, das sich Cem Özdemir und Anton Hofreiter auf offener Bühne des Bund-Länder-Forums der Grünen vor einer Woche geliefert hatten, ihrer Meinung wenig zu tun. "Die Stimmung ist teilweise nicht gut", erklärte sie stattdessen. In den Koalitionsverhandlungen hätten sie viele Klima-Dinge nicht durchgekriegt. Und dann war "auf den letzten Metern das Verkehrsministerium flöten gegangen", also an die FDP. "Das war bitter."

Dann erläuterte die Partei-Kennerin des Deutschlandfunks, warum der Verkehrs- und Außenpolitik-Experte Cem Özdemir nun Bundeslandwirtschaftsminister werden würde und nicht Außenminister: Mit 40 Prozent Direktstimmen war er der erfolgreichste Bundestagsabgeordnete der Grünen. Er war eine führende Figur der Partei, deshalb schon sollte er einen Ministerposten bekommen, dazu kam sein Migrationshintergrund: "Ich glaube, dass die Grünen extrem dumm dagestanden hätten, wenn sie ein reines weißes Kartoffel-Kabinett geliefert hätten", wagte sie zu behaupten.

Annalena Baerbock dagegen würde Außenministerin werden, weil sie Spitzenkandidatin der Partei war, erklärte sie, und außerdem die entsprechende Qualifikation mitbrachte. "Habeck und Baerbock haben untereinander ausgemacht, dass er Vize-Kanzler wird, wenn sie die Wahl 'verliert'. Deshalb muss sie auch diese tragende Rolle bekommen."

Da bedauerte Markus Lanz am meisten, dass es deshalb nicht mehr zu einem Treffen zwischen einem Außenminister Cem Özdemir und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan kommen würde. Am Ende schien er doch froh über die so unverblümte Analyse der jungen Hauptstadtreporterin.

Bis dahin hatte sich der plätschernde Talk schließlich allein um die 4. Corona-Welle gedreht, hin und her gerissen zwischen "viel Rückschau" und "perspektivischem Reden" (Lanz). Vieles, was da als politisches Versäumnis und Zick-Zack-Kommunikation beklagt wurde, hatte man an anderen Stellen schon besser gehört, eindrücklicher auch.

Klinikchef: "Wir brauchen eine Impfquote von mindestens 90 Prozent"

Zum Beispiel war Bernd Böttiger, Chef der Uniklinik Köln, eingeladen, um die Belastungen zu skizzieren, denen die Intensivstationen landesweit ausgesetzt waren. Nur konnte er gerade dazu wenig aus eigener Anschauung berichten: Wegen der relativ hohen Impfquote von 75 Prozent in Köln liefe seine Klinik zurzeit im Normalbetrieb.

So blieb ihm vor allem, immer wieder darauf hinzuweisen, wie zermürbt das Krankenhaus-Personal durch die immense Dauerbelastung inzwischen wäre. "Die Welle kommt aus dem Süden, aber sie kommt auf jeden Fall", prognostizierte er anhaltend schwierige Zeiten.

Deshalb warb er besonders dafür, alles zu tun, um wieder "vor die Lage zu kommen" – aktuell bedeutete das für ihn maximale Kontaktreduktion, längerfristig eine Impfpflicht, obwohl er vor zwei Wochen selbst noch dagegen gewesen war. "Es hilft alles nichts", appellierte er an die Nicht-Geimpften, "wir müssen auf eine Impfquote von mindestens 90 Prozent kommen."

Streeck äußert Zweifel an Impfpflicht

"Das müssen wir auch ohne Impfpflicht hinbekommen", wünschte sich stattdessen Hendrik Streeck. Der Virologe hatte vor allem Bedenken, was die Wirksamkeit und die Wirkungsdauer der Impfstoffe anbetraf. "Wir wissen nicht, wie lange die Booster-Impfung hält. Sollen wir in Zukunft alle sechs Monate geimpft werden?", fragte er. Sollte das auch auf Kinder ausgeweitet werden? Und dann auch die Grippeimpfung zur Pflicht werden?

Ebenso wusste man noch zu wenig über die neue Omikron-Variante, um deren Gefährlichkeit richtig einschätzen zu können. Zwar wiesen Studien aus Israel darauf hin, dass es nur zu einer leichten Reduktion der Immunität komme, aber das müsste noch genauer untersucht werden: "Das wird noch dauern."

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