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Lanz: Schätzing wettert über "ewiges Herumeiern" bei Corona

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Helena Düll
Markus Lanz.

Markus Lanz.

Foto: Markus Hertrich

Geflüchtete in Belarus, steigende Corona-Zahlen, Klimakrise: Markus Lanz will wissen, warum die Regierung oft erst so spät reagiert.

Berlin. Markus Lanz will an diesem Dienstagabend gleich drei drängende Themen mit seinen Gästen besprechen. Los geht es mit Migration: An der EU-Außengrenze zwischen Polen und Belarus spitzt sich die Situation mit Tausenden gestrandeten Geflüchteten immer weiter zu. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko missbrauche diese Menschen, so der scheidende Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

“Da werden Menschen extra eingeflogen”, sagt auch “Welt”-Politikchefin Claudia Kade. Lanz zeigt ein Video, in dem die Geflüchteten immer wieder “Deutschland” skandieren, und will wissen, wie die Politik darauf reagiert. “Wir machen uns doch erpressbar. Ein Diktator nach dem anderen sagt: Ich schick denen einfach Menschen. Wir können und dürfen solche Bilder nicht ertragen”, so der Moderator.

Altmaier kündigt an, man werde das Thema in der EU “vorantreiben” und Lukaschenko müsse wissen, dass man dieses Spiel nicht hinnehme. So lange könne man in diesem Fall nicht warten, meint Lanz. Kade und Autor Frank Schätzing sind sich einig, dass der schnellere und effektivere Weg über Russland und Putin führen würde.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Peter Altmaier, CDU-Politiker
  • Claudia Kade, Journalistin
  • Carola Holzner, Ärztin
  • Frank Schätzing, Autor

Lanz: Altmaier fordert Impfpflicht für “bestimmte Berufsgruppen”

Auch beim zweiten Thema des Abends, den steigenden Corona-Infektionszahlen, dreht sich alles um fehlende Vorbereitung, langes Aussitzen und “ewiges Herumeiern”, wie Schätzing es nennt. “Mir sträuben sich die Haare, dass wir immer wieder über das Gleiche diskutieren”, pflichtet ihm die Ärztin Carola Holzner bei.

Die Kommunikation sei nach wie vor wenig vertrauensbildend und bringe die Menschen durcheinander, so Holzner. Der scheidende Bundeswirtschaftsminister schiebt Versäumnisse auf eine “zu geringe öffentliche und mediale Aufmerksamkeit” im Sommer und fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse zu Booster-Impfungen. “Wir sind immer nur kritisiert worden”, so Altmaier.

Lanz vermutet hinter der Politik des Abwartens vielmehr eine Politik, die keine Wählerinnenstimmen verschenken wolle. “Es kann durchaus sein, dass durch die Bundestagswahl die Aufmerksamkeit auf das Thema etwas geringer war”, gibt Altmaier zu. Einen Plan hätte man dennoch ausarbeiten und in die Schublade legen können, so die Meinung von Holzner. Und auch Kade lässt dieses Argument nicht gelten: “Es ist nicht unsere Aufgabe, ihren Regierungsplan zu erstellen.”

Corona: Altmaier will Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen

Einig ist sich die Runde beim Thema Impfpflicht. Die sollte es nicht geben. Altmaier spricht sich zwar für eine Impfpflicht von “zwei bis drei bestimmten Berufsgruppen aus”, nennt aber trotz mehrfacher Nachfrage von Markus Lanz nur die Pflegekräfte. Zudem stimmt die Runde darin überein, dass die wenigsten Ungeimpften Impfgegner seien.

Deshalb seien nun Aufklärung, niedrigschwellige und schnell verfügbare Impfangebote sowie 2G-Regelungen gefragt. “Wir können miteinander reden und müssen die Ängste ernst nehmen”, sagt Frank Schätzing. Auch Carola Holzner ist überzeugt: “Je niedrigschwelliger das Angebot ist, desto mehr Menschen kann man erreichen.”

Frank Schätzing bei “Lanz”: Kein Abwarten in der Klimakrise

Ein weiteres Thema, das laut Schätzing immer noch zu wenige Menschen in seiner Dringlichkeit erreicht, ist die Klimakrise. Während in Glasgow die Klimakonferenz COP26 in vollem Gange ist, sei schon längst bekannt, was man tun müsse. “Die Klimakatastrophe eignet sich wie nichts anderes dafür, um vor sich hergeschoben zu werden”, so sein Urteil.

Als die Runde in diesem Zusammenhang über den Kernkraftausstieg diskutiert, argumentiert Altmaier zum dritten Mal an diesem Abend mit einem Satz, der später sogar noch ein weiteres Mal fällt. “Die Leute wollen das so.” Lanz will deshalb wissen, ob die Politik Umfragen hinterherlaufe. Denn, so der Moderator “der Eindruck entsteht, den werden Sie jetzt nicht mehr los” – es entwickelt sich eine hitzige Debatte.

“Es kann nicht die Aufgabe der Politik sein, Menschen in ihrer Meinung zu bestärken”, sagt Schätzing. Er plädiert dafür die Leute “mitzunehmen” und nicht länger von Verzicht zu sprechen, sondern die “Kunst des besseren Angebots” zu lernen. Denn Zeit, abzuwarten und die Klimakrise “beim nächsten Mal” anzugehen, bleibe keine mehr.

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