ZDF-Talk

"Markus Lanz": Wird Armin Laschet politisch überleben?

Mit drei Frauen und einem Mann im Studio, diskutierte Markus Lanz vor allem Themen, die im Wahlkampf nur wenig besprochen wurden.

Von Karina Krawczyk
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin. „Sollte es doch noch eine Jamaika-Koaltion werden“, prognostizierte Peer Steinbrück (SPD) bei „Markus Lanz“ ohne daran zu glauben, „dann ohne Armin Laschet.“ Und fast so, als wollte er die Härte seines Satzes ein wenig abmildern, setzte er ein „bei allem Respekt für dessen persönliche Integrität“ hinzu.

Immer schon bekannt für markig Formulierungen, mochte Peer Steinbrück gleich zu Anfang dieses „Lanz“-Talks nicht glauben, dass Armin Laschet „diesen Wahlkampf und vor allem jetzt, die Zeit nach der Bundestagswahl, politisch überlebt.“ Zumindest aber hatte er „doch begrenzt Mitleid“ mit ihm. „Auch nach der Politik gibt es noch ein Leben.“

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Peer Steinbrück (SPD), Politiker
  • Sahra Wagenknecht (Linke), Politikerin
  • Cerstin Gammelin, "SZ"-Hauptstadtjournalisitin
  • Juli Zeh, Juristin und Schriftstellerin

Seiner Einschätzung nach war der CDU-Vorsitzende sicher nicht allein verantwortlich für das Wahl-Debakel der CDU/CSU, aber doch so etwas wie die „personalisierte Niederlage“, begründete der SPD-Mann. Weshalb er sich auch nicht vorstellen konnte, dass der ehemalige NRW-Ministerpräsident in Zukunft als „Hinterbänkler im Bundestag“ sitzen wollte, schon „wegen des Selbstwertgefühls“ nicht.

Steinbrück: „Niederlage ist auch eine Frage des Datums“

Ihm selbst war es ähnlich ergangen, als er 2013 als Kanzlerkandidat die Bundestagswahl für die SPD verlor – ausgerechnet mit dem gleichen Stimmanteil von 25,7 Prozent, mit dem Olaf Scholz jetzt gewann. „Eine Niederlage ist offenbar auch eine Frage des Datums“, bemerkte Peer Steinbrück lakonisch. Die Rahmenbedingungen seien damals andere gewesen, das bittere Gefühl, verloren zu haben, aber nicht. Bei ihm, legte er auf Nachfragen von Markus Lanz bereitwillig sein „Innenleben offen“, musste ein halbes Jahr vergehen, dann erst „war das aus den Kleidern gebürstet.“

Das prognostizierte Aus für die politische Karriere des CDU-Vorsitzenden war allerdings nicht das Hauptthema bei „Markus Lanz“ an diesem Donnerstag. Die Talk-Runde bewertete ziemlich einmütig vor allem die großen Herausforderungen, vor denen die nächste Bundesregierung stehe.

Und diskutierte also all die zentralen Zukunftsthemen, die im Wahlkampf wenig besprochen wurden, weil sie „nackter Sprengstoff“ (Steinbrück) waren: Europa-Politik und Multilateralismus, ein bisschen auch die Pandora Papers. Vor allem aber über die demografische Entwicklung und Renten. Dazu die „Kluft zwischen ländlichen und urbanen Regionen“ und hier wie da „bezahlbarer Wohnraum“ als entscheidende soziale Frage.

Lanz: Wer steckt hinter den CDU-Leaks?

Gerade die Rentenfrage war für Cerstin Gammelin „eine der besonders kniffligen Fragen für die Koalitionsverhandlungen.“ Die SZ-Hauptstadtjournalistin glaubte allerdings nicht, dass es diesmal wieder einen Koalitionsvertrag geben würde, der bis ins letzte Detail ausformuliert war. Stattdessen werde es „Themen geben, die angegangen werden“, vermutete sie, und bei denen die SPD dann zum Beispiel der FDP über „eine Aktien-finanzierte Rente“ entgegenkommen konnte: „Man entwickelt neue, zusätzliche Rentenkonzepte, eine Art Staatsfonds, oder wie man das dann nennt.“

Auch sie sah mehr Chancen für eine Ampel-Koaltion als für Jamaika. Und hatte dann auch eine Ahnung, wer hinter den Leaks steckte, die die CDU-Sondierungsgespräche mit FDP und den Grünen torpedierten: Jens Spahn? Michael Kretschmer? „Die üblichen Verdächtigen, eben“, kommentierte sie lachend: „Wir wissen gar nichts, können aber eine Indizienkette legen.“

Juli Zeh, in Brandenburger Dorf lebende Juristin und Schriftstellerin, vermisste im Wahlkampf besonders das Europa-Thema: „Wir unterschätzen, welche Fliehkräfte auf diesen Kontinent wirken“, erläuterte sie und warb dafür, dass die Politik klarer erklären müsse, „welche Win-Win-Win-Situation“ Europa eigentlich biete.

Gerade in Bezug auf die lebenswichtige „deutsch-französische Achse ist für eine neue Bundesregierung noch viel Luft nach oben“, kritisierte sie die bisherige Europa-Politik von Angela Merkel, die Präsident Emmanuel Macron bei seinen Versuchen, europäische Visionen zu entwickeln, oft die „kalte Schulter“ gezeigt hätte. Außerdem machte das „Schreckgespenst mit Namen Lindner“ vielen Ländern Sorge, dass Deutschland bei finanzpolitischen Entscheidungen in Zukunft wieder nein sagen könnte.

Sahra Wagenknecht: „Solide Facharbeit aufwerten“

Allein Sahra Wagenknecht (Linke) fiel an diesem Abend durch recht eigenwillige Ansichten auf. So bezweifelte sie zum Beispiel, dass der Fachkräftemangel durch Zuwanderer gelöst werden müsste. Stattdessen sollte man „solide Facharbeit so aufzuwerten“, schlug sie vor, dass die Leute wieder gerne die Jobs nähmen, die sie heute wegen mieser Bezahlung nicht wollten. Auch gegen Euro-Fonds wandte sie sich, und warb für die Einführung einer nationalen Quellensteuer, um steuerhinterziehende Auslandstransfers zu unterbinden.

Und angesprochen von Markus Lanz auf ihr grünes Kostüm, bestritt sie zunächst noch lachend, dass es sich dabei um einen „Trikottausch“ mit den Grünen handeln könnte Es sei doch wichtiger, was man denke, als was man trage, begründete ihre auffällige Kleiderwahl. Gleich darauf aber benutzte sie seine Fußball-Metapher-Vorlage auch für eine Offensive: „Natürlich wünsche auch ich mir eine Politik, die ernsthaft etwas gegen den Klimawandel tut. Aber wenn man das mit der Partei Grün verbindet, ist das schon der erste Irrtum.“

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