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WDR über "Quarks"-Moderatorin: "Schwierige Abwägung"

Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen Nemi El-Hassan entschied der WDR: Die Journalistin wird die "Quarks"-Sendung nicht moderieren.

Die Journalistin Nemi El-Hassan.

Die Journalistin Nemi El-Hassan.

Foto: picture alliance / dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Köln. 
  • Im Fall der "Quarks"-Moderation von Nemi El-Hassan hat der WDR eine Entscheidung getroffen
  • Grund dafür sei nicht unbedingt die Teilnahme an einer Demo vor sieben Jahren
  • Viel mehr hätte es neue Funde in den sozialen Netzwerken gegeben, die der Sender problematisch sieht

Die Journalistin Nemi El-Hassan wird die Wissenschaftssendung "Quarks" im Westdeutschen Rundfunk nicht moderieren. Das hat der WDR am Dienstag entschieden. WDR-Intendant Tom Buhrow teilte im WDR-Rundfunkrat mit, es habe sich um eine "schwierige, schwierige Abwägung" gehandelt.

Aus seiner Sicht sei nicht so sehr El-Hassans Teilnahme an einer Demonstration der umstrittenen Al-Kuds-Bewegung vor sieben Jahren das Problem. Denn davon habe sie sich mittlerweile klar distanziert. Vielmehr hätten sich in jüngster Zeit problematische Likes von der 28-Jährigen in sozialen Netzwerken gefunden. Eine Moderation würde aber in jedem Fall zu einer unangebrachten Politisierung der Sendung führen. Allerdings erwäge man, El-Hassan als Autorin für "Quarks" arbeiten zu lassen, sagte Buhrow - also nicht vor, sondern hinter der Kamera. Lesen Sie auch: "Lindenstraße"-Star Kahrmann gibt bewegendes Interview im TV

Al-Kuds-Demonstrationen: Immer wieder antisemitische Parolen

Auf Al-Kuds-Demonstrationen kommt es immer wieder zu antisemitischen Sprüchen und Hetze gegen Juden sowie den Staat Israel. Die Al-Kuds-Bewegung wird von der libanesischen Hisbollah-Bewegung unterstützt, die ihrerseits enge Verbindungen zum Iran unterhält.

In Deutschland hatten das Bundesinnenministerium vor knapp eineinhalb Jahren ein Betätigungsverbot in Deutschland für die schiitische Hisbollah-Bewegung ausgesprochen.

"Quarks": WDR reagierte auf Zeitungsbericht

Der Fall El-Hassan war durch Berichterstattung der "Bild"-Zeitung ins Rollen gekommen: Die Zeitung hatte bekanntgemacht, dass die Journalistin vor mehreren Jahren bei einer Al-Kuds-Demo in Berlin war. Daraufhin hatte sich El-Hassan von der Demo im Jahr 2014 distanziert. Der WDR teilte anschließend mit, dass er den geplanten Start der Moderation von El-Hassan bei der Wissenschaftssendung "Quarks" vorerst aussetze. Eigentlich hätte die 28-Jährige im November anfangen sollen.

(mja/dpa)