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Erfrischend anders: Emily Atefs starkes ARD-Drama „Jackpot“

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Zander
Rosalie Thomass überzeugt im ARD-Drama "Jackpot".

Rosalie Thomass überzeugt im ARD-Drama "Jackpot".

Foto: SWR/Constantin Television

Eine Tasche voller Geld - und voller Probleme: Im Drama „Jackpot“ überzeugen Rosalie Thomass und Friedrich Mücke mit intensivem Spiel.

Berlin. Ein Koffer voller Geld, das heizt Fantasien an. Das kennt man schon aus alten Märchen. Aber auch RTL verschenkt solche Koffer in „Zahltag“, um zu sehen, was das mit Menschen macht. Kein Koffer, aber doch eine Tasche prall gefüllt mit Banknoten findet Maren (Rosalie Thomass), resolute Mitarbeiterin eines Abschleppdienstes, in einem der Autos, die sie wegen Falschparkens abschleppt. Da ist nur ein kurzes Zögern, dann nimmt sie die Tasche beherzt an sich.

Der Fund ist, der Filmtitel sagt’s, ein „Jackpot“. Das viele Geld, genau 622.500 Euro, käme ihr sehr gelegen. Ist doch ihr Mann Dennis (Friedrich Mücke) betrunken vom Dach gefallen, sitzt nun im Rollstuhl und muss mühsam wieder laufen lernen, wobei die Versicherung für die teure Behandlung nicht aufkommen will.

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ARD-Drama „Jackpot“: Erfrischender Fernsehfilm

Dennis hat mehr Skrupel als sie. Und rollt schon mit der signalgelben Tasche im Schoß zu Marens Chef, um sie zurückzugeben. Was beide nicht ahnen können: Das Geld gehört Karoske (Thomas Loibl), einem Mann, der keine Kompromisse macht und auch keinen Finderlohn berappen würde. Im Gegenteil: Das Geld, mit dem er ein neues Leben beginnen will, hat ihm sein Kumpel gestohlen. Der liegt nun tot in seiner Wohnung. Dessen Freundin zwingt Karoske, mit ihm das abgeschleppte Auto abzuholen. Da das Geld nicht mehr da ist, gerät nun Maren und ihr hilfloser Mann ins Visier.

„Jackpot“ ist erfrischend anders als so viele deutsche Fernsehfilme. Das liegt an der Berliner Regisseurin Emily Atef, die 2018 für ihr Romy-Schneider-Drama „3 Tage in Quiberon“ zu zahllosen Preisen kam. Lesen Sie dazu: So war es für Marie Bäumer, Romy Schneider zu sein

Diesmal geht es um 3 Tage in Tychburg, einem fiktiven Städtchen, und das Drama ist ganz anderer Art. Ein Thriller, aber ohne Kommissare mit persönlichen Problemchen, überhaupt ohne Ermittler. Es gibt nur eine Polizistin, aber die ist geschmiert. Und an die Polizei kann sich Maren sowieso nicht wenden, da ist ein Geheimnis, das sie Dennis noch nicht verraten hat.

„Jackpot“: Starke Inszenierung, intensives Spiel

Statt an Action hält sich der stark inszenierte und intensiv gespielte Film an seine Figuren. Das Paar muss eine Extremsituation bewältigen. Aber das geht ganz ohne die übliche Klischees. Auch Karoske, so brutal er vorgeht, erweist sich als liebevoller Familienvater. Hier gibt es kein Schwarz und Weiß, eher Varianten von Grau. Das nimmt den Zuschauer ganz anders mit.

  • „Jackpot“: ARD, 24.3., 20.15 Uhr