ZDF-Talk

„Markus Lanz“: AfD-Chef bezeichnet sich als bürgerlich

Bei „Markus Lanz“ diskutierten die Gäste über interne Probleme der AfD. Parteichef Jörg Meuthen wies Vorwürfe über Spannungen zurück.

Von Jessica Lichetzki
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin. Immer wieder steht die AfD in der Kritik: Erst kürzlich wird sie als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft, jetzt muss die Partei bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz heftige Verluste hinnehmen. Scharfe Kritik gab es vergangenen Mittwochabend bei „Markus Lanz“ seitens Grüne-Politiker Cem Özdemir. AfD-Bundesparteichef Jörg Meuthen wehrte sich gegen den Vorwurf interner Probleme.

Bereits wenige Minuten nach Beginn des ZDF-Talks äußert sich Grüne-Politiker Cem Özdemir kritisch gegenüber AfD-Vertretern, die auf der vergangenen Querdenker-Demonstration in Dresden anwesend waren. „Das ist eine Ungeheuerlichkeit, dass Leute, die in den Impfzentren arbeiten, beschützt werden müssen“, sagte Özdemir am Mittwoch.

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„Markus Lanz“ – Das waren die Gäste:

  • Christoph Röckerath, Journalist
  • Prof. Helga Rübsamen-Schaeff, Virologin
  • Cem Özdemir (Grüne), Politiker
  • Jörg Meuthen (AfD), Politiker
  • Sabine am Orde, Journalistin

Jörg Meuthen gab an, nichts von der Beteiligung von AfD-Mitgliedern zu wissen. „Ganz einfache Frage: War der Landesvorsitzende dort auf der Demonstration oder nicht?“, hakte Cem Özdemir dann genau nach. Beantworten konnte Meuthen die Frage nicht, er hätte das nicht „gecheckt“.

„Sie sitzen hier und machen einen auf bürgerlich“, kommentierte Cem Özdemir die Aussagen des Co-Parteichefs. „Ich mache nicht einen auf bürgerlich, ich bin bürgerlich“, entgegnete Meuthen.

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„Markus Lanz“: Rechtsextremismus in der AfD

So wirklich auf einen Nenner kommen die einzelnen Parteimitglieder der AfD scheinbar nicht. Immer wieder ist von internen Spaltungen die Rede. „Welche Partei ist die AfD heute?“ wollte Moderator Markus Lanz von Jörg Meuthen wissen. Der Vorsitzende gab an, sich aktiv von rechtsextremen Parteimitgliedern zu distanzieren.

Von Andreas Kalbitz, ehemaliger Brandenburger Landesvorsitzender der AfD, wollte sich Meuthen allerdings nicht so schnell abwenden. Noch im Jahr 2019 beteuerte der Politiker immer wieder, dass Kalbitz nicht rechtsextrem eingestellt sei. „Viele Informationen sind mir erst Ende 2019 zugekommen“, sagte Meuthen.

Auch Björn Höcke scheint für Jörg Meuthen nicht rechtsextrem genug zu sein. Zumindest nicht, um ihn aus der Partei auszuschließen „Warum gehen Sie nicht gegen Björn Höcke vor?“, fragte Journalistin Sabine am Orde. „Um jemanden aus der Partei zu schmeißen, brauche ich Beweise“, entgegnete der Politiker.

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Jörg Meuthen bei „Lanz“: Zu wenige Talkshow Einladungen

Besonders kritisierte der Vorsitzende auch die Untersuchungen des Verfassungsschutzes. „Ich kenne meine Partei von Innen“, betonte Jörg Meuthen. Demnach sei die Angabe über die Anzahl der rechtsextremen Mitglieder inkorrekt. „Das sind keine 7000, das sind auch keine 700, das sind auch keine 70“, so Meuthen.

Im gleichen Zuge bemängelte der AfD-Chef, dass die Partei allerdings nie zu solchen Themen Stellung beziehen könne, da diese zu wenig mediale Präsenz erhalte. „Vernünftige Positionen der AfD werden mir öffentlich zu wenig gespielt“, so Meuthen.

Moderator Markus Lanz ließ den Vorwurf allerdings nicht auf sich sitzen und betonte, dass Alice Weidel regelmäßig eingeladen werde, allerdings nie erscheine.

„Markus Lanz“: Meuthen erntet Kritik seitens der AfD

In einem Moment verteidigt der Parteichef zahlreiche Mitglieder, im anderen wettert er gegen sie. Als Moderator Markus Lanz einen Clip von Björn Höcke zeigt, in dem er den Anstieg der Infektionszahlen leugnet, bezeichnet Meuthen dies als „kapitalen Irrtum“. „Da habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, so der Vorsitzende.

Dass sich Meuthen mit seinen Äußerungen immer wieder parteiinterne Feinde verschafft, wird spätestens am elften Bundesparteitag der AfD deutlich, als er sich während einer Rede klar von der Querdenker-Rhetorik distanzierte.

Dafür erntete Meuthen reichlich Kritik seitens seiner Parteimitglieder. Laut Journalistin Sabine am Orde habe Meuthen damit einen großen Teil seiner Partei gegen sich aufgebracht. „Die arbeiten ja nicht erst seitdem da dran, quasi ihn als Parteichef loszuwerden“, betonte am Orde.

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