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„Tatort: Hetzjagd“: Star-Überraschung beim Odenthal-Krimi

Im ARD „Tatort: Hetzjagd“ am Sonntag ist nichts, wie scheint. Lena Odenthal ermittelt in der Neonazi-Szene – und trifft auf einen Star.

Von Ulrike Borowczyk
50 Jahre Tatort

50 Jahre Tatort

Am 29. November 2020 feiert 50. Geburtstag. 1146 Folgen aus 37 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Krimiserie zeigt nicht nur den Umgang mit dem Verbrechen, sondern zeichnet auch ein Bild der deutschen Gesellschaft und ihres Wandels

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Berlin. 
  • Der "Tatort: Hetzjagd" läuft am Sonntagabend im Ersten
  • Lena Odentahl ermittelt darin in der rechtsextremen Szene, nachdem ein engagierter Linker erschossen wurde
  • Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern stoßen auf Lügengeflecht
  • In „Hetzjagd“ gibt sich außerdem ein echter Star die Ehre

Tillmann Meinecke (Tom Sommerlatte) küsst seine Freundin Maria beim Aufwachen und macht sich auf zum Joggen ans Rheinufer. Ein ziemlich unspektakulärer Morgen. Wäre da nicht die unterschwellige Bedrohung. Denn der „Rock gegen Rechts“-Konzertveranstalter hat Polizeischutz beantragt. Wegen ständiger Todesdrohungen aus der rechtsextremen Szene.

Leider hat die Staatsanwaltschaft abgelehnt, wie ihm Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) bedauernd mitteilen muss. Meinecke versucht trotzdem, sein Leben so normal wie möglich zu leben. Dabei ist der Mord an ihm längst geplant. Die Rechtsradikalen Ludger Rehns (Daniel Noël Fleischmann) und seine Freundin Hedwig Joerges (Anne-Marie Lux) haben Meinecke im Visier. Dann peitschen drei Schüsse durch die Luft – und Tillmann Meinecke ist tot.

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„Tatort Hetzjagd“: Am Anfang scheint alles ganz klar

Eigentlich scheint der Mordfall im Ludwigshafener „Tatort: Hetzjagd“ für die Kriminalkommissarinnen Lena Odenthal und Johanna Stern (Lisa Bitter) schon gelöst zu sein, bevor er richtig los geht.

Regisseur Tom Bohn, der auch das Drehbuch geschrieben hat, führt sie quasi direkt zu den beiden Neonazis der rechtsextremen Gruppe „Revenge 88“. Als hätten die NSU-Morde Pate gestanden. Doch so klischeehaft ist „Hetzjagd“ nicht. Der Zuschauer weiß bereits, dass Rehns nicht der Täter ist, obwohl er dem Opfer aufgelauert hat.

Eine Stärke des Tatorts ist das überzeugend aufspielende Schauspiel-Ensemble. Allen voran Ulrike Folkerts. Ein Blick, eine Geste ihrer Lena Odenthal verraten mehr als tausend Worte.

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„Hetzjagd“ spielt mit den Vorurteilen der Zuschauer

Ein weiteres Plus ist das Spiel mit unseren Vorurteilen. Die bösen Nazis gegen die guten engagierten Linken. Parallelmontagen schneiden beide Perspektiven geschickt gegeneinander. So macht der Krimi die unüberbrückbare Distanz zwischen ihnen sichtbar.

Statt miteinander zu reden, brodelt der Hass. Brandgefährlich. Wie paranoid die Lager agieren, zeigt sich an der Figur des Rechtsradikalen Rehns. Der glaubt, der Verfassungsschutz habe ihm mit dem Mord eine Falle gestellt. Und flieht mit Hedwig. Bei einer Polizeikontrolle verliert er die Nerven. Und erschießt die Polizeioberkommissarin Katja Winter (Petra Mott). Rehns wird sofort verhaftet.

Hedwig entkommt. Ausgerechnet in diesem Moment taucht mit Thomas Leonhardt (Oliver Stritzel) tatsächlich ein Ermittler vom Verfassungsschutz auf dem Polizeirevier auf. Ein Arroganzler, der beim Kompetenzgerangel mit Lena Odenthal den Fall an sich reißt. Doch da hat er sich mit der Falschen angelegt. Von einem Mann hat sich die kämpferische Lena Odenthal noch nie etwas sagen lassen.

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Kommissarin Lena Odenthal muss viel aushalten

Zudem interessiert sie die innerbehördliche Hackordnung diesmal rein gar nicht. Schon vom Mord an Tillmann Meinecke wütend und betroffen, ist der Fall durch den Tod von Katja Winter für sie erst recht persönlich geworden. Man sieht ihr förmlich an, wie sie mit ihrer Trauer kämpft. Daher macht sie Leonhardt auch sehr schnell klar, dass sie weiter ermittelt.

Lena Odenthal und Johanna Stern treffen natürlich auch auf Meineckes Freundin, die engagierte Studentin Marie Karich (Anna Hermann). Die beschuldigt die Polizei, nichts gegen den Mord unternommen zu haben. Ihre bitteren Vorwürfe hört sich Lena Odenthal still an. Wohl wissend, dass sie nichts unternehmen konnte. Ein harter Moment für die Kommissarin, die in diesem Fall viel aushalten muss. Schließlich engagiert sie sich selbst gegen Rechtsextreme, muss aber unvoreingenommen ermitteln.

Stutzig werden die Kommissarinnen indes, als Maries Mutter Julia Karich (Valerie Niehaus) aus ihrer Abneigung gegen Tillmann Meinecke keinen Hehl macht. Er sei ein Hasardeur gewesen, ein Egomane, der sich genommen habe, was er wollte, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer.

„Tatort: Hetzjagd“: Star-Überraschung für die Ermittlerinnen

Odenthal und Stern befragen auch Meineckes Ex-Geschäftspartner, den Veranstalter Jim Takke (Sebastian Fräsdorf). Den erwischen sie mitten in den Proben von Musik-Star Clueso. Der spielt sich in einem Gastauftritt selbst. Ehrensache für ihn, denn Clueso engagiert sich selbst seit Jahren gegen Rechts.

Bei ihren Befragungen entdecken die Kommissarinnen immer mehr scheinbar harmlose Lügen. Dann ist da noch Ludger Rehns, der sich beim Verhör standhaft weigert, den Mord an Tillmann Meinecke zuzugeben. Johanna Stern hält ihn für glaubwürdig. Und auf einmal ist der Fall sehr viel komplizierter als gedacht.

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Finale: Die Situation wird brenzlig

Unterdessen geschieht das scheinbar Unwahrscheinliche: Verloren in ihrer Trauer streift Marie durch die Stadt. Die zeigt sich von ihrer abweisenden Seite. Es geht an Industriekulissen vorbei, über den grauen Asphalt der Autobahn in die Dunkelheit. An einer Currybude trifft Marie auf Hedwig, die weiterhin auf der Flucht ist. Ohne zu wissen, wer die andere ist, kommen die beiden ins Gespräch. Eigentlich nur zwei einsame junge Frauen, die Halt suchen.

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Auf den zweiten Blick aber eine engagierte Linke und eine Rechtsextreme. Zwei unversöhnliche Positionen. Man ahnt, wie schnell die Situation brenzlig werden kann. Ein Tatort mit schweren Themen und wuchtigen Emotionen, spannungsgeladen erzählt.

„Tatort: Hetzjagd“ läuft am Sonntag, 14. Februar, um 20.15 Uhr im Ersten.