Fernsehen

Elisabeth Lanz: „Mit Tieren zu drehen, ist nicht planbar“

Schauspielerin Elisabeth Lanz über ihre Rolle in der Erfolgsserie „Tierärztin Dr. Mertens“, neue Projekte und ihre Liebe zur Literatur.

Von Rüdiger Sturm
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Berlin. Eigentlich sollte Elisabeth Lanz über ihre Erfolgsserie „Tierärztin Dr. Mertens“ sprechen, die ab 9. Februar im Ersten in ihre letzte Staffel geht. Doch dann kommt die 49-Jährige auf den Erfinder des Computers, die Klassiker der russischen Literatur oder Friedrich Schiller zu sprechen. Denn streng genommen fühlt sie sich in früheren Zeiten viel wohler.

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Wie werden Sie künftig ohne Ihre tierischen Schützlinge auskommen?

Elisabeth Lanz: Ich habe jeden Drehtag ein kleines Tränchen verdrückt, und am Schluss blieb nur noch das große Lachen. Für mich ist alles gut. Vielleicht realisieren die Tiere das erst jetzt und müssen jetzt mal Stück für Stück die kleinen Tränen vergießen. Aber das reinigt ja auch die Augen. Ich glaube, denen wird es gut gehen.

Verändert man sich, wenn man so viel mit Tieren arbeitet?

Lanz: Ich würde sagen ja. Mit Tieren zu drehen, ist nicht planbar. Für mich war das eine grandiose Improvisationsschule. Wenn ein Tier mal nervös wird, dann muss ich extrem wach und präsent sein. Diese Erfahrung hat also meine Konzentration um einiges gepusht. Ich war immer im Moment, habe nicht schon an die nächste Szene gedacht. Und auf diese Weise habe ich grundsätzlich trainiert, mit der Nicht-Planbarkeit von Dingen umzugehen.

Dieses Know-how nutzen Sie vermutlich auch, um sich auf die Zeit nach „Dr. Mertens“ einzustellen...

Lanz: In den letzten 15 Jahren hatten wir manchmal zwei oder drei Jahre Pause, und es war nie klar, ob wir fortsetzen. Ich habe mich also immer wieder zwischendrin auf neue Dinge vorbereitet und eingestimmt, habe andere Filme gedreht und Theater gespielt. So gesehen fühle ich mich für jede Herausforderung gewappnet.

Welche Herausforderungen wollen Sie da so anpacken?

Lanz: Wegen der aktuellen Lage scheint alles sehr schwer planbar. Umso mehr freut es mich, dass schon jetzt bereits drei Anfragen für Filmprojekte im Raum stehen. Unabhängig davon bin ich am Aufbau und der Bestückung eines Museums beteiligt. Es ehrt den Erfinder des Computers Konrad Zuse in seiner ursprünglichen Wirkungsstätte in Bad Hersfeld.

Das heißt, Sie haben auch eine Affinität zur Welt der Technik...

Lanz: Ich habe mich immer als technisch unbegabt, aber hoch interessiert empfunden. Das wandelt sich gerade ein Stück. Ich bin generell in ab­strakten Welten gut zu Hause. Das war schon immer meine Leidenschaft.

Interessieren Sie sich auch für die Welt der Wirtschaft, mit der Ihr Mann als Unternehmensberater zu tun hat?

Lanz: Ich war viele Jahre ein Nachrichtenjunkie. Ich liebe es, Zeitungen zu lesen, ich liebe es, mich mit Politik zu beschäftigen und natürlich auch mit Wirtschaft. Ich interessiere mich für das Leben grundsätzlich.

Haben Sie aktuell auch Lust, die Medien zu verfolgen?

Lanz: Nein, gar nicht. Warum muss ich jeden Tag neue Infektionszahlen sehen? Was soll das? Was bringt’s? Ich habe eher Lust, meine Gedanken in andere Welten zu lenken. Wenn ich in einer Zeit wie dieser Bücher wie „Krieg und Frieden“ oder „Der Idiot“ lese, dann ziehe ich mehr daraus, als wenn ich den ganzen Tag Nachrichten verfolge.

Und deshalb verschlingen Sie jetzt die großen Romanklassiker?

Lanz: Es ist schon einige Zeit her, dass ich die Russen gelesen habe. Meine Liebe zu Literatur und Poesie hängt natürlich mit meiner Arbeit am Theater zusammen. Aber begonnen hat das mit meinem Vater. Ich war zwölf oder 13, da haben wir Schillers „Bürgschaft“ in der Schule durchgenommen, und ich habe die gemeinsam mit ihm gelernt. Wenn mich jemand fragt „Was ist Freundschaft?“, und ich verweise auf die „Bürgschaft“, dann ist alles gesagt. Das ist grandios.

Wenn Sie immer noch in den Kategorien von Schiller und Tolstoi denken, dann müssten Sie sich doch manchmal wie aus der Zeit gefallen fühlen. Wäre Ihnen ein früheres Jahrhundert lieber?

Lanz: Wenn ich’s mir hätte aussuchen können, dann hätte ich am liebsten zur Jahrhundertwende gelebt, und zwar im bürgerlichen Milieu. Unlängst habe ich „Die Welt von Gestern“ von Stefan Zweig gelesen, der diese Welt in Wien beschreibt. Die Menschen haben in der Schule gewetteifert, wer das schönere Gedicht schreibt, jeder Hausmeister in Wien wusste, welches Stück gerade im Theater gespielt wurde. Die Literaten waren die Nationalheiligen. Meine Güte, was muss das für eine großartige Zeit gewesen sein.