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„Markus Lanz“: So präsentiert sich Laschet vor CDU-Parteitag

Bei „Markus Lanz“ sprach NRW-Ministerpräsident Laschet über die Zukunft der CDU und Fehler, die er in der Corona-Pandemie gemacht hat.

Moderator Markus Lanz sprach mit seinen Gästen auch in der letzten Sendung des Jahres unter anderem über das Thema Corona.

Moderator Markus Lanz sprach mit seinen Gästen auch in der letzten Sendung des Jahres unter anderem über das Thema Corona.

Foto: Juliane Werner / ZDF und Juliane Werner

Berlin. „Ich weiß, wie man Wahlen gewinnt und wie nicht“, sagte Armin Laschet bei „Markus Lanz“ kämpferisch und selbstbewusst - „in der Mitte.“ Als der Kandidat für den Parteivorsitz am Donnerstagabend dann ausführte, worum es für die CDU im Superwahljahr 2021 mit sechs Landtags- und einer Bundestagswahl geht, bog der Talk aber auch schon auf die Ziellinie ein: „Wir müssen so stark sein, dass wir Rot-Rot-Grün verhindern.“

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Für Markus Lanz war diese Aussage wenigstens ein kleiner Etappensieg. Den ganzen Abend hatte er versucht, Armin Laschet aus der Reserve zu locken. Und zu erfahren, was der Politiker auf keinen Fall preisgeben wollte: Wie schätzt er seine, wie die Chancen seiner Kontrahenten auf den CDU-Vorsitz ein? Und wird er auch Kanzlerkandidat, wenn die CDU-Delegierten ihn am Samstag wählen? Lesen Sie hier: CDU-Parteitag digital: Die wichtigsten Infos auf einen Blick

Nun hatte der Moderator endlich etwas, was sich auf den Punkt bringen ließ: Während der „hippe Friedrich Merz“ – tags zuvor Gast in seiner Sendung – eine schwarz-grüne Koalition präferiert, setzte Armin Laschet auf Kontinuität, analysierte Markus Lanz. Richtig?

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Markus Lanz – das waren die Gäste:

  • Armin Laschet (CDU), Politiker
  • Anja Maier, Journalistin
  • Prof. Alexander Kekulé, Virologe

Was kommt nach der Großen Koalition?

Die taz-Redakteurin Anja Maier, bei jedem anderen Vorstoß gerne assistierend, kam diesmal zu einem anderen Schluss: „Eine Große Koalition sehe ich nicht noch einmal“, erklärte sie und setzte locker-sarkastisch dazu: „Das wäre auch fast Anstiftung zum Suizid für die Sozialdemokratie. Sie werden eher eine starke Oppositionspartei.“

Armin Laschet wiegte den Kopf, als ob er seine Alternativen abwägen wollte. Und machte dann keinen Hehl daraus, dass er sich eine „starke liberale Kraft im Bundestag“ wünschte, wenn es denn ein Wunschkonzert gäbe.

Aus täglicher und praktischer Erfahrung in NRW könne er sagen, dass es mit der FDP „bei 90 Prozent aller Themen ein Grundverständnis“ gäbe, mit den Grünen dagegen nur Grundsatzdebatten. „Irgendwann ist die Pandemie vorbei und dann wird es darum gehen, wie kommen wir da wieder raus“, erläuterte er. Also um Wirtschafts- und Finanzpolitik, um Industriepolitik auch.

Wie entscheidet der virtuelle CDU-Parteitag am Samstag?

Noch aber sei noch nicht einmal seine Bewerbungsrede für den Parteivorsitz fertig, nur eine Idee davon. Zumindest wollte der Kandidat, der am Samstag als erster der drei Bewerber in den Ring - oder besser: vor einen Monitor - treten wird, nicht mehr verraten. Weder den ersten noch den letzten Satz, ein bisschen Spannung solle schon bleiben.

Wohl war Armin Laschet dabei sichtlich nicht. Etwas gequält lächelnd beschrieb er die Situation, die ihm bevorstand: Allein im Berliner CDU-Studio, 15 Minuten reden, ohne Feedback, ohne zu wissen, ob überhaupt ankommt, was er zu sagen hatte. „Das muss man vorher üben“.

Möglich, dass gerade dieser so überaus menschliche Auftritt ihm Sympathiepunkte brachte, wenn am Samstag 1001 Delegierte beim virtuellen Parteitag über einen neuen CDU-Vorsitzenden abstimmen: „Manschetten“ haben, aber trotzdem machen. Wie bei der Corona-Impfung, die „dem Land eine noch nie dagewesene Logistik-Leistung“ abverlange.

Zunächst sehr nervös, ließ sich an diesem Donnerstag bei „Markus Lanz“ wieder ein Phänomen beobachten: Je später der Abend, desto redseliger wurden die Gäste. Spätestens als es um die konkreten Entscheidungen ging, die er als NRW-Ministerpräsident zur Pandemie tagtäglich zu treffen hatte, taute auch Armin Laschet in dem wohlig-warmen Studio auf.

Virologe Kekulé für schnelle Schulöffnung

Da hatte Alexander Kekulé, Virologe der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, schon lang und breit erklärt, welche Strategie am besten wäre, um die Infektionszahlen konstanter zu halten. Seine Vorschläge zur „schnellen Schulöffnung“ waren aber mit vielen "wenns" gespickt: Wenn Schüler alle Hygieneregeln befolgten, wenn sie sich regelmäßig selbst testeten, wenn sie nach der Schule gleich nach Hause fahren würden …

„Danke für die neue Info“, bedankte sich der NRW-Ministerpräsident, sichtlich genervt von den wenig praktikablen Tipps: „Bisher hieß es immer: Schnelltests nur durch geschultes Fachpersonal, jetzt soll jeder selber testen.“ Jeder Virologe sage etwas anderes. Er aber müsse am Ende entscheiden, klagte er.

Habe er in den letzten Monaten auch Fehler gemacht?, wollte Markus Lanz wissen. Klar. Nicht ganz so katholisch-reumütig wie Bodo Ramelow eine Woche zuvor, aber doch ehrlich klang das Eingeständnis: „Dass wir im Frühjahr die Menschen in den Altenheimen sterben ließen, ohne ihren Angehörigen zu erlauben, sich zu verabschieden“, das sei für ihn heute unverzeihlich. Dann setzte er auf Nachhaken hinzu: „Und dass ich dabei nicht widersprochen habe.“

Markus Söder als unsichtbarer vierter Gast

Mit nur drei Gästen besetzt, blieb viel Zeit auch für eine ausführliche CDU-Rückschau. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer teile er inzwischen viele Inhalte. Von Friedrich Merz erwarte er, dass der sich hinter ihn stelle, „sollten sich die Delegierten am Samstag für mich entscheiden.“

Mindestens ein weiterer Gast aber wurde herbeigeredet, als wenn er daneben säße: Markus Söder. Der mache keine Witze mehr über Armin Laschet – befand Markus Lanz und wollte wissen, warum sich die Ministerpräsidenten-Kollegen, in der Presse auch schon mal als „Zampano & Zauderer“ bezeichnet, neuerdings so gut verstünden. „Wir haben einen ähnlichen Humor, wenn wir telefonieren“, antwortete Armin Laschet da nur entwaffnend. Lesen Sie hier das Interview: Markus Söder: "Merkels Erbe muss bewahrt werden"

Liege das nicht eher daran, wagte Markus Lanz wieder eine Analyse, dass Markus Söder sich die besten Chancen ausrechnete, Kanzlerkandidat der Union zu werden, wenn Armin Laschet zum CDU-Vorsitzenden gewählt würde, aber nicht mit einem allzu herausragenden Ergebnis?

Nein, der Kandidat glaubte das nicht. Wollte sich dazu aber auch partout nicht äußern: „Es ist ja noch Zeit“, sagte er grinsend. „Wir werden das im März, April gemeinsam offen diskutieren und entscheiden“, wischte er die mehrfachen Überredungsversuche weg. „Dann komme ich wieder.“

„Markus Lanz“ – So liefen die vergangenen Sendungen