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Jan Josef Liefers wird zum deutschen Cary Grant

Der ZDF-Film „Requiem für einen Freund“ macht Anleihen bei Hitchcock.

Seine Recherche führt den Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) in "Requiem für einen Freund" auch aufs Tempelhofer Feld.

Seine Recherche führt den Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) in "Requiem für einen Freund" auch aufs Tempelhofer Feld.

Foto: ZDF und JULIA TERJUNG

Jan Josef Liefers steht mutterseelenallein auf dem Tempelhofer Feld. Man fragt sich schon, wann das da je so leer ist, als ein Flugzeug auf Liefers zuknattert. Der guckt erst ungläubig, dann beginnt er zu rennen. Ein Zitat auf Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“, aber ein hochironisches: Das Fluggerät ist bloß ein Modellflugzeug, das ein kleiner Junge fehlgesteuert hat. Zuvor wurde Liefers schon von zwielichtigen Gestalten im Auto entführt und fragte lakonisch, ob er seiner Mutter absagen dürfe. Auch das eine Reminiszenz an den Filmklassiker. „Requiem für einen Freund“, der heute im ZDF läuft, verbeugt sich vor Hitchcock. Und Liefers ist in dieser Lesart der deutsche Cary Grant.

„Requiem“ ist bereits die sechste Verfilmung der Elisabeth-Herrmann-Romane um den Berliner Rechtsanwalt Vernau. Für Liefers die zweite Dauerrolle neben seinem Professor Boerne aus dem Münsteraner „Tatort“, die er statt mit Axel Prahl mit Stefanie Stappenbeck, aber ebenfalls im immer etwas aufgesetzten Boerne-Modus absolviert. Im jüngsten Fall muss er seine arme Mutter gegen fiese Immobilienhaie vertreten, die sie aus ihrer Wohnung gentrifizieren wollen. Das sind Vernau ja immer die liebsten Fälle: solche, die nicht unbedingt Geld einbringen, aber Hilflosen und Unterprivilegierten helfen. Vernau, der Robin Hood unter den Anwälten. Er trifft sich noch mit seinem ältesten Freund, dem arrivierten Ku’damm-Advokaten Sebastian Marquardt (August Zirner), aber nur um festzustellen, dass er nie so werden will wie er. Marquard hat zwar reichlich Geld, aber auch reichlich Probleme. Einen Tag später ist Marquardt verschwunden. Und in Vernaus Büro liegt ein erschossener Steuerbeamter. Das scheint zusammenzuhängen. Wie in typischer Hitchcock-Manier gerät der unschuldige Anwalt selbst in Verdacht – und ermittelt auf eigene Faust, um seine Unschuld zu beweisen. Dabei gerät Mutterns Prozess ins Stocken. Und weitere Leichen pflastern seinen Weg.

Auch Liefers sechster Vernau-Fall lebt wieder von schrägem Humor, dem Herz auf dem rechten Fleck, brennenden Problemen in der Hauptstadt – und tollen Berlin-Locations. Das war in diesem Fall besonders schwer: „Requiem“ war einer der ersten Filme, der nach dem ersten Lockdown gedreht wurde. Ständig musste improvisiert, mussten Drehorte komplett verlegt werden. Und eine Szene, die im fernen Mexiko spielen soll, wurde einfach in Marzahn gedreht: in den Gärten der Welt.

„Requiem für einen Freund“: ZDF, Montag, 20.15 Uhr.